«Wenn es in mir brodelt, dann lass ich es kommen»
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Die aussergewöhnliche Performance: Irina Lorez bei ihrem Projekt I Guitar. (Bild: zvg/ Pawel Wyszomirski)

Irina Lorez – von Paris nach Giswil «Wenn es in mir brodelt, dann lass ich es kommen»

4 min Lesezeit 10.03.2016, 09:57 Uhr

Ihren Namen kennt man in Luzern: Irina Lorez. Die Tänzerin lebte lange in Paris und tourte immer wieder durch die Welt. Heute hat sie Wurzeln geschlagen: in Luzern und in der Liebe. Und doch steht die Tänzerin wieder an einem Wendepunkt.

Im Proberaum der Tänzerin und Choreografin Irina Lorez in der Industrie von Emmenbrücke riecht es nach Myrte und Holz. Die Luzernerin ist gerade dabei, den Tanzboden zu putzen. «Es ist ein Industrieareal: staubig und es riecht hier oft nach Industrie oder nach Kloake. Deshalb braucht der Raum etwas mehr Geruchspflege», lacht sie. Hier im Kunsthaus «akku» hat Lorez ihren Proberaum eingerichtet.

Meierskappel, Paris, Giswil

Irina Lorez wuchs in Luzern auf – einige Jahre in der Stadt, einige in Meierskappel. Bevor es sie aber 1997 zurück nach Luzern zog, war Lorez an zahlreichen Orten zu Hause. «Die Hälfte weiss ich oft gar nicht mehr spontan, es waren so viele Projekte, die mich in verschiedene Städte zogen» – vor allem nach Spanien oder auch nach Indien. Nach der Sekundarschule machte sie den Vorkurs an der Kunsti in Luzern. «Doch dann entschied ich mich, den Schritt zu wagen und es als Tänzerin zu versuchen – daraus sind bis heute Millionen Schritte geworden.»

«Ich kann mich über längere Zeit an nichts binden – ausser an meinen Mann.»

Heute wohnt die 48-Jährige in Giswil, gemeinsam mit ihrem Mann Eric Amstutz, ihren beiden Stieftöchtern und zwei Katzen.

Die Tänzerin Irina Lorez in ihrem Proberaum im Haus der Kunstplattform «akku» in Emmen.

Die Tänzerin Irina Lorez in ihrem Proberaum im Haus der Kunstplattform «akku» in Emmen.

(Bild: jav)

Französin im Herzen

In Paris hat Lorez über zehn Jahre gelebt, die Stadt wurde zu ihrer zweiten Heimat. «Ich habe von 18 bis 29 dort gelebt, in der Zeit des Erwachsenwerdens, das prägt», so Lorez, der man die Französin sofort abkaufen würde. Ihre ungekünstelte, natürliche Eleganz, die zierliche Figur und der dunkle, lockige Bob passen perfekt zum Idealbild unserer französischen Nachbarinnen.

«Es braucht ein gewisses Urvertrauen.»

Nach ihrer Ausbildung in Paris tanzte sie für unterschiedliche Kompanien und Choreografen. An einem Haus, in einem fixen Ensemble war sie jedoch nie angestellt. Von Beginn an bewegte sie sich in der «halbfreien Szene». «Es war eine intensive und gute Zeit in Paris, aber irgendwann war diese Phase vorbei. Ich hatte genug und es zog mich wieder nach Luzern. Etwas war gereift, etwas abgeschlossen, und ich musste weiterziehen.»

Gebunden – nur an den Mann

Seither wirkt sie von Luzern aus. Sie arbeitet dabei alleine oder mit internationalen Tänzern, die in Luzern leben. «Ich mache nur noch eigene Produktionen.» Eine Herausforderung, da sie oft nicht weiss, was sie in drei Monaten machen wird. «Ich weiss selten, was nachher kommt. Es gibt Eckpunkte, die mir die Ruhe geben, aber manchmal ist auch einfach nichts da, was ansteht. Dann braucht es einfach ein gewisses Urvertrauen.» Blockweise bietet Lorez Workshops an, aber eine eigene Tanzschule sei für sie nie eine Option gewesen. Denn Freiheit ist ihr äusserst wichtig. «Ich kann mich über längere Zeit an nichts binden – ausser an meinen Mann», sagt sie und lacht.

 

Heute ist Lorez in Luzern trotzdem wieder stark verwurzelt. Sie engagiert sich aktiv für den Tanz in der Kulturpolitik und in Vereinsvorständen. «Ich bin gut vernetzt und mein Herz ist in Luzern. Daher will ich hier auch etwas bewirken», betont die Tänzerin.

Bäuerin oder Tänzerin

Irina Lorez auf der Bühne
  • Am 10. März – I-Guitar Berlin, im Rahmen von tanz|faktor im Südpol Luzern
  • Am 16. April – Workshop «How To Get High», akku, Emmenbrücke
  • Am 23. April – I-Guitar Berlin, Nacht der Halbinsel, Zwischenbühne, Horw
  • Am 14. Mai, – Get Up Stand Up Don’t Give Up To Dance, Tanzfest Luzern
  • Im Februar 2017 – I-Guitar Songlines, Premiere im Kleintheater Luzern mit anschliessender Tournee
Nach Giswil, aufs Land zog es sie und ihre Familie wegen der Natur, der Tiere. «Ich habe immer gesagt: Ich werde Bäuerin oder Tänzerin. Ein krasser Gegensatz eigentlich, aber nach all den Jahren in Grossstädten sehnte ich mich nach der Natur. Das Leben auf dem Land tut wieder richtig gut.»

Zudem macht Lorez in Städten auch ihre angeborene Pupillenstörung mehr zu schaffen. «In unserem Holzhaus und der grünen Landschaft geht es meinen Augen viel besser als ständig umgeben von reflektierendem Asphalt.»

Doch das Scheinwerferlicht auf der Bühne wird für ihre Augen doch bestimmt nicht gerade förderlich sein? «Ich tanze aus dem Bauch heraus, nicht mit den Augen», sagt Lorez. Die Augen habe sie beim Tanzen oft ganz geschlossen.

 

An einem weiteren Wendepunkt angelangt

Einige Projekte habe sie derzeit in Arbeit (siehe Box). «Aber ich stehe wieder an einem Wendepunkt. Vielleicht ist es das Alter. Aber ich lasse es mehr auf mich zukommen.» Sie müsse nicht immer überall sein und sich selbst ständig Druck machen. «Wenn es in mir brodelt, dann lass ich es kommen, aber ich muss nichts mehr beweisen.»

Auch bei der Zusammenarbeit mit Tänzern verlässt sich Lorez ganz auf ihr Gefühl. «Eine gemeinsame Produktion ist eine Arbeit, bei welcher man sich sehr nahe kommt. Das kann auch verletzend sein, da es eine sehr persönliche Arbeit ist. Es geht um sehr viele Emotionen und dann ist Rationalität oft nicht einfach.» Eigene, ganz persönliche Erfahrungen und Themen, die einen beschäftigen, sind immer mit dabei. «Wir Tänzer sind nicht nur Physe, wir sind auch Psyche», sagt sie und lacht.

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