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Wenn die Rakete Vargas zündet
  • Sport
Augsburg-Geschäftsführer Michael Ströll, Ruben Vargas und sein Berater Josef Jost tragen das Augsburg-Dress mit der Nummer 16. (Bild: zvg)

Der Flügel redet über Wechsel zu Augsburg Wenn die Rakete Vargas zündet

5 min Lesezeit 18.06.2019, 21:54 Uhr

Aufregende Tage und Wochen für Ruben Vargas: Am Montag fuhr ihn sein Berater über drei Stunden nach Augsburg zum Medizincheck und der anschliessenden Vertragsunterschrift bis 2024 beim Bundesligisten. Am Tag nach der Heimkehr sagt der 20-Jährige: «Bei diesem Verein kann ich es packen.»

Es war im letzten September, als Ruben Vargas einem Journalisten erklären musste, warum ihm seine Goalgetter-Qualitäten, die ihn auf Nachwuchsstufe auszeichneten, plötzlich abhanden gekommen seien. Der talentierte Offensivspieler sagte artig, dass das Niveau halt höher sei in der Super League, dass die Zeit, die richtige Entscheidung zu treffen, knapper sei.

Kein Jahr später dient diese Reminiszenz bloss noch der Unterhaltung. Vargas ist der Senkrechtstarter im FCL geworden, der Flügelflitzer hat in 31 Meisterschaftsspielen für den FCL acht Tore und acht Assists erzielt (zentralplus berichtete). Er ist nach Fabian Lustenberger im Jahre 2007 der erste gebürtige Luzerner, der den Sprung vom FCL zu einem Bundesligisten schafft.

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Darum sitzt Vargas an diesem Dienstagabend im geschmackvoll eingerichteten Esszimmer seines Beraters Josef Jost und gibt zu, dass seine Entwicklung als Spieler eine Rasanz angenommen habe, die auch er so nicht erwarten konnte.

Wenn die Rakete Vargas zündet.

Meyer mimt den Steigbügelhalter

FCL-Sportchef Remo Meyer hat mit seiner Haltung, dass er die Hochbegabung innerhalb der Schweiz an keinen Konkurrenten verkaufe, den Sprung von Vargas ins Ausland beeinflusst (zentralplus berichtete). Damit wurden weiterführende Gespräche mit Meister YB und Cupsieger Basel obsolet. Ein Transfer zu einem der Schweizer Branchenleader wäre eigentlich der logische Entwicklungsschritt gewesen.

«Es ist ein höheres Niveau, aber das kann ich meistern.»

Darum begann Josef Jost, sich nach einem passenden Verein im Ausland umzusehen. Er fasste Augsburg und Freiburg ins Auge und zog einen Spielerberater mit guten Kontakten in Deutschland als Türöffner ins Vertrauen. Vor sechs Wochen wurde Jost vom Chefscout der Augsburger kontaktiert, der sein Interesse an Vargas deponierte. Der FCL-Spieler wurde fortan bei der Arbeit beobachtet.

Wie Vargas unter Druck gesetzt wurde

Nach dem 3:0-Sieg der Luzerner im zweitletzten Saisonspiel gegen den FC Zürich, als Vargas mit zwei Toren die überragende Figur war (zentralplus berichtete), kam von Stefan Reuter, dem Sportmanager von Augsburg, das Okay für den Transfer. Vargas gibt offen zu, dass er davon wusste, beobachtet zu werden. Jost hat ihn mit der Info absichtlich unter Druck gesetzt, um zu beobachten, ob sein Klient auch mental bereit sei für den nächsten Schritt.

Erst vor einer Woche traf sich Vargas mit seinem neuen Übungsleiter Martin Schmidt zum Kaffee in Bern. «Ich habe gespürt, dass er mich will, dass der Klub mich will. Und Schmidt hat mir aufzeigen können, wie sie die Spieler weiterentwickeln wollen», sagt Vargas und trägt spätestens seither die Überzeugung in sich, dass Augsburg für ihn der nächste Schritt in die richtige Richtung sei. «Es ist ein höheres Niveau. Aber das kann ich meistern.»

Um wie viel höher zumindest das athletische Niveau ist, hat Vargas daraus ablesen können, dass ihn Schmidt gefragt habe, wie viele 20-Meter-Sprints er denn in einem Super-League bisher gemacht habe. Um die 25, sagt Vargas, habe er geantwortet. Schmidt machte klar: «In einem Bundesligaspiel sind es mindestens 40.»

Sehr gute athletische Werte

Doch erschüttern konnte das Vargas nun wirklich nicht. Denn fit ist er wie ein Turnschuh. Davon konnten sich die Augsburger am Montag vor der Vertragsunterschrift überzeugen. Der Medizincheck förderte nämlich das zu Tage, was sie schon in Luzern wussten: Vargas’ athletische Werte sind sehr gut. Wenn die Rakete Vargas zündet.

«Ich muss lernen, zu kochen und einen eigenen Haushalt zu führen.»

Um den nächsten Schritt in seiner Karriere zu schaffen, geht es aber nicht bloss um Sprints, Laufwege, Tore, Biss und Trainingsfleiss. Vargas muss sich auch als Mensch weiterentwickeln. Zum ersten Mal wird er das Hotel Mama in Adligenswil verlassen und auf eigenen Beinen stehen müssen. «Ich muss lernen, zu kochen und einen Haushalt zu führen», sagt Vargas und ergänzt fast schon erleichtert: «Der Klub stellt den neuen Spielern eine Frau zur Seite, die uns bei den alltäglichen Dingen unterstützt.»

Nie mit FCL-Trainer über seine Pläne geredet

Einen Einfluss darauf, einen Transfer ins Ausland einem weiteren Jahr beim FCL vorzuziehen, hatte die Schweizer Nationalmannschaft. «Ein wichtiges Ziel von mir ist es, Nati-Spieler zu werden», hält Vargas fest und erklärt: «Wenn du in der Schweiz spielst und nicht bei einem Topklub, wird es schwierig, dieses Ziel zu realisieren. Wenn ich mich bei Augsburg durchsetze, habe ich viel grössere Chancen.»

«In einem Jahr habe ich das Bundesliga-Debüt gegeben und im besten Fall auch schon getroffen.»

Mit FCL-Trainer Thomas Häberli hat er sich, und das ist durchaus bemerkenswert, nie über seine beruflichen Pläne für die Zukunft ausgetauscht. «Der FCL wickelte den Transfer über Sportchef Remo Meyer ab», so Vargas.

Seine Messlatte für die erste Bundesliga-Saison

In weniger als zwei Wochen beginnt für ihn das Abenteuer Bundesliga. Vom 2009 erbauten Stadion mit einer Kapazität von gut 30’000 Zuschauern hat Vargas am Montag ein Video gedreht. Und auch die Stadt mit seinen alten Fachwerkhäusern habe ihm ein positives Bild vermittelt, erzählt er.

Für seine erste Saison in der Bundesliga setzt er sich die Messlatte nicht zu hoch. Der Vernunft gehorchend redet Vargas davon, dass er in erster Linie gesund bleiben möchte. Und dann davon, dass «ich mein Bundesliga-Debüt gegeben haben will. Und im besten Fall habe ich auch schon mal getroffen.» Dann sei er, so sagt er, mit sich im nächsten Sommer zufrieden.

Er muss es ja nicht in die Öffentlichkeit hinausposaunen, wenn er für sich selber nicht doch ein bisschen ambitioniertere Ziele gesetzt hat. Denn was lehrt uns seine jüngere Vergangenheit beim FCL? Man darf den Flügelflitzer niemals unterschätzen. Wehe, wenn die Rakete Vargas zündet. Erst recht Stufe 2.

 

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