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Wenn die Luzerner Polizei im Dunkeln tappt
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Der Rettungsdienst musste den verletzten Motorradfahrer ins Spital überführen (Symbolbild). (Bild: Emanuel Ammon/AURA )

Fahrerflucht: Nur 20-prozentige Aufklärungsquote Wenn die Luzerner Polizei im Dunkeln tappt

3 min Lesezeit 1 Kommentar 21.02.2017, 05:33 Uhr

Der Fall von Perlen zeigt: Fahrerflucht passiert immer wieder und ist umso schlimmer, wenn es beim Unfall Verletzte gab. Neue Zahlen belegen: Die Aufklärungsquote der Polizei ist mies, gerade wenn Personen zu Schaden kommen.

Fahrerflucht ist ein Thema, bei dem die Wogen oft hochgehen, besonders in Fällen mit Verletzten. Wie schwer eine Fahrerflucht wiegen kann, zeigte sich am vergangenen Samstag: In Perlen wurde ein sechsjähriger Junge von einem Auto angefahren und schwer verletzt – der Unfallverursacher hielt an und stieg kurz aus seinem dunklen SUV, entschied sich dann aber, einfach weiterzufahren (zentralplus berichtete).

Dass solche Vorfälle bei vielen Leuten Kopfschütteln auslösen, zeigt auch die Anfrage von GLP-Kantonsrat Urs Brücker. Er wollte von der Regierung wissen, welche Massnahmen der Regierungsrat trifft, um die Anzahl Delikte zu senken. Denn in seiner Wahrnehmung haben sich die Vorfälle mit Fahrerflucht gehäuft.

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Fahrerfluchtfälle haben tiefe Aufklärungsquote

Jetzt liegen die offiziellen Zahlen über die Fälle von Fahrerflucht vor. Der Kanton unterscheidet dabei zwischen Unfällen, bei denen Menschen zu Schaden kommen (Fahrerflucht), und Fällen, in denen lediglich Sachschaden vorliegt (Verletzung der Meldepflicht). In seiner Antwort auf die Anfrage von Kantonsrat Brücker schreibt der Regierungsrat, dass jährlich rund 700 Fälle von Fahrerflucht oder Verletzung der Meldepflicht im Kanton Luzern gemeldet werden. Dabei kommen in durchschnittlich rund 75 Fällen Personen zu Schaden (siehe Tabelle).

«Warum gewisse Delikte eine tiefere Aufklärungsquote haben als andere, können wir nicht abschliessend sagen.»

Simon Kopp, Kommunikationsverantwortlicher Luzerner Polizei

Die Aufklärungsrate ist aber – gelinde gesagt – bescheiden. Von den durchschnittlich 75 Fahrerfluchtdelikten pro Jahr werden zwischen 15 und 20 Fälle aufgeklärt – das sind gerade einmal 20 bis 25 Prozent. Geschieht einfach ein Blechschaden, ist die Quote deutlich höher: Von den rund 650 Fällen pro Jahr werden im Schnitt etwa 300 Fälle aufgeklärt (rund 45 Prozent). Warum diese Diskrepanz zu den so schlimmeren Unfällen mit Verletzten zustande kommt, kann sich Simon Kopp, Kommunikationsverantwortlicher der Luzerner Polizei, nicht erklären.

Übersicht 2011 bis 2015:

Man ist gewillt zu fragen: Wieso werden nur gerade 20 Prozent der Fälle mit Verletzten aufgeklärt? «Ich kann nicht sagen, weshalb dies so ist», sagt Kopp, «wir gehen jeden Fall gleich an. Warum gewisse Delikte eine tiefere Aufklärungsquote haben als andere, können wir nicht abschliessend beurteilen.»

Was kann die Polizei tun?

Der Regierungsrat klingt dagegen in seiner Antwort beinahe überschwänglich: «Der Einbezug der Bevölkerung führt erfreulicherweise immer wieder zu einem erfolgreichen Abschluss von Fällen.» Kopp bestätigt, dass die Suche nach Zeugen zum üblichen Ablauf bei der Polizei gehört. Dabei kommuniziere man auf verschiedenen Kanälen: «Wir veröffentlichen den Zeugenaufruf über die Medien, stellen die Meldung aber auch auf die Webseite der Luzerner Polizei, der Staatsanwaltschaft und wir benachrichtigen über unsere iPolice-App.»

Social Media nutze die Luzerner Polizei nicht selber, so Kopp. «Die Erfahrung zeigt, dass die Verbreitung über die herkömmlichen Medien eine sehr grosse Resonanz hervorruft.»

Über Social Media wird ein Fall wie der in Perlen weit verbreitet – der zentralplus-Artikel wurde fast 100 Mal geteilt.

Über Social Media wird ein Fall wie der in Perlen weit verbreitet – der zentralplus-Artikel wurde fast 100 Mal geteilt.

(Bild: screenshot)

Bis zu drei Jahre Gefängnis für Fahrerflucht

GLP-Kantonsrat Urs Brücker schrieb in seiner Anfrage, dass in letzter Zeit eine «markante, ja erschreckende Zunahme von Verkehrsunfällen mit Fahrerflucht zu verzeichnen» gewesen sei. Dies widerlegt der Regierungsrat in seiner Antwort. Die Zahl der Fälle blieb in den fünf dargestellten Jahren ungefähr konstant.

Fahrerflucht in Perlen

Auf Höhe der Dorfstrasse 75, gleich beim Detailhändler Lidl, lief ein sechsjähriger Junge diesen Samstag auf die Strasse. Ein Auto erfasste das Kind. Der Lenker hielt zwar kurz an, fuhr danach aber davon. Der Vater des Jungen begab sich mit dem schwer verletzten Kind ins Kinderspital Luzern.

Auf Nachfrage von zentralplus sagt Simon Kopp, Mediensprecher der Luzerner Polizei, dass sich bis am Montagabend weder Zeugen noch der Täter zum Vorfall gemeldet hätten.

Aus den veröffentlichten Zahlen geht hervor, dass durchschnittlich ein Velofahrer oder Fussgänger pro Monat an einem Unfall mit Fahrerflucht beteiligt war.

Der neuste Fall aus Perlen zeigt: Oft sind die Unfälle, bei denen Fussgänger beteiligt sind, die schlimmeren. Und auch rechtlich ist die Fahrerflucht keine Lappalie – vor allem nicht in schwereren Fällen wie dem Unfall von vergangenem Samstag. Die Regierung zeigt in ihrer Antwort auch die Rechtslage auf: Fahrerflucht wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Falls Sie Informationen zur Fahrerflucht in Perlen haben, melden Sie sich bitte unter der Nummer 041 248 81 17.

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1 Kommentare
  1. David Lehner, 22.02.2017, 23:49 Uhr

    Ich wurde vor einigen Jahren bei einem Unfall mit Fahrerflucht verletzt. Der Täter wurde nie gefunden und ich hatte auch nicht den Eindruck, dass man irgendwas unternommen hat um ihn zu finden. Von der Veröffentlichung eines Zeugenaufrufs habe ich jedenfalls nichts mitbekommen (obwohl es zweifellos Zeugen gegeben hätte). Generell schien mir seitens der Polizei weitgehendes Desinteresse entgegenzuschlagen. Insofern überrascht es mich, dass die überhaupt 20% der Täter finden. Vermutlich solche, die sich freiwillig melden.