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Wenn die Gesundheitsprävention vom Cannabis abrät
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Der Kanton Zug wirbt mit Programmen gegen das Kiffen. Will er damit seine Einwohner erziehen? (Bild: flickr/nikkirea, Montage wia)

Kanton Zug empfiehlt «Reduce»-Kurs Wenn die Gesundheitsprävention vom Cannabis abrät

3 min Lesezeit 31.12.2016, 11:57 Uhr

Der Cannabiskonsum scheint in Zug ein gewichtiges Problem zu sein. Diesen Eindruck erweckt zumindest ein Tweet des kantonalen Amts für Gesundheit. Es empfiehlt einen Kurs, wo man lernt, weniger zu kiffen. Will man uns jetzt amtlich umerziehen?

«Schon mit dem Gedanken gespielt, den Cannabiskonsum zu reduzieren oder gar komplett aufzuhören?»: Diesen Tweet hat das Zuger Amt für Gesundheit am 28. Dezember abgesetzt. Mit dem Hinweis auf einen Kurs namens «Can Reduce». Man fragt sich: Haben Zuger ein solch massives Cannabis-Problem, oder haben Drogenhardliner klammheimlich die Gesundheitsdirektion übernommen?

Beim Amt für Gesundheit freut man sich übers Feedback. «Wir twittern grundsätzlich zu unterschiedlichen Themen», erklärt der Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendgesundheit, Olivier Favre, auf Anfrage. Diesmal habe man das Angebot «Can Reduce» des Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) ins Zentrum gerückt.

 

Auch Tweets zu Rauchen oder Alkohol

Umerziehung sei nicht das Ziel, sagt Favre. «Es geht uns keineswegs darum, den Mahnfinger zu erheben», betont der Psychologe. Der Twitterkanal sei als Infoplattform gedacht und wolle auf bestehende Angebote aufmerksam machen. Man habe auch schon Tweets zum Rauchen oder zum Alkohol abgesetzt. Auf dem offiziellen Twitter-Kanal des Amtes heisst es: «Wir sorgen im Austausch mit Anbietern und Nutzern des Gesundheitssystems für die Gesundheit der Bevölkerung.»

Zahlen zum Cannabiskonsum

Die aktuellsten Zahlen aus dem Suchtmonitoring geben eine Ahnung zum Cannabiskonsum in der Schweiz. Laut Olivier Favre vom Amt für Gesundheit kann man davon ausgehen, dass diese Zahlen auch für Zug gelten. Danach rauchten 5,4 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal in den letzten sechs Monaten vor der Befragung einen Joint. Befragt wurden Personen zwischen 15 und 64 Jahren. Mit steigendem Alter nehme der Konsum stark ab. Männer (7,6 Prozent) konsumieren Cannabis deutlich häufiger als Frauen (3,3 Prozent). Gerade einmal 1,1 Prozent sind «problematisch Cannabiskonsumierende». Diese sind primär zwischen 15 und 34 Jahre jung. In der Romandie sind mit 1,3 Prozent etwas mehr Personen vom problematischen Cannabiskonsum betroffen als in der deutschsprachigen (1,0 Prozent) oder der italienischsprachigen Schweiz (0,9 Prozent).

Dennoch fragen wir uns: Ist Zug ein Hascherparadies? Oder warum brennt das Thema dem zur Gesundheitsdirektion des CVP-Regierungsrats Martin Pfister gehörenden Amt so unter den Nägeln? Hat Pfister vielleicht einen Wink seines nationalen Parteipräsidenten erhalten, doch einmal etwas zu tun gegen den süsslichen Haschgeruch, der einem auch aus Zuger Ecken entgegenwabert?

Kein spezifisches Zuger Problem

«Der Cannabiskonsum ist kein kantonsspezifisches Zuger Problem», beruhigt uns Olivier Favre. Zahlen zum Konsum gibt es nur gesamtschweizerische (siehe Kasten). «Man kann davon ausgehen, dass die Zahlen in etwa auch für den Kanton Zug gelten», sagt er.

Und warum empfiehlt das Amt genau diesen Kurs? Mit Kursen machen Anbieter bekanntlich Geld. Laut Favre empfehle man nur innovative Angebote, die «Hand und Fuss» hätten. In diesem Fall handle es sich um einen Kurs, der von Forschern begleitet werde und hinter dem die Universität Zürich stehe. «Aber natürlich gibt es sehr viele Angebote auf dem Markt», räumt der Abteilungsleiter Kinder- und Jugendgesundheit ein.

Sechswöchiger kostenloser Kurs

Ein Klick auf den Link zeigt: Der Kurs «Can Reduce» hat das Ziel, den Konsum zu reduzieren. Er sei von der kantonalen Ethikkommission Zürich als «ethisch unbedenklich» eingestuft worden. Er ist kostenlos und dauert sechs Wochen. Der Kurs besteht aus einem Konsumtagebuch, acht Modulen und wissenswerten Informationen zu Cannabis. Es gehe um «die Abstandgewinnung von Cannabis». Erstellt wurde der Kurs vom genannten Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) und der «Arud» Zürich (Zentren für Suchtmedizin).

Für Regulierung illegaler Substanzen

Eine konservative Drogenabstinenz-Kampagne? Im Gegenteil. Arud Zürich ist eine der progressivsten Organisationen der Schweiz im Drogenbereich. Die Organisation setzt sich seit 25 Jahren für die Entkriminalisierung und die adäquate Regulierung aller legalen und illegalen Substanzen ein.

Inzwischen ist der Tweet zum Cannabis des Zuger Amts schon einige Tage alt. Der nächste Tweet gibt uns Tipps, wie wir Silvester gesund überstehen. «Finger weg von selbst gebasteltem Feuerwerk», heisst es dort zum Beispiel, und natürlich ist Alkohol ein Thema. Verlinkt wird auf eine Seite aus Deutschland, auf der man auch gleich Tipps gegen Darmkrebs und sieben Regeln für mehr Motivation aufgetischt bekommt. Und das lästige Bauchfett muss auch einmal weg …

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