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Wenn der Hotelgast den Preis selbst bestimmen kann
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Beim Hotel Beau Séjour an der Haldenstrasse in Luzern könnte man sich durchaus vorstellen, Teil einer solchen Plattform zu werden. (Bild: jwy/Montage zentralplus)

Kommt revolutionäre Buchungsplattform auch bei uns? Wenn der Hotelgast den Preis selbst bestimmen kann

6 min Lesezeit 04.11.2019, 05:00 Uhr

In Graubünden gibt es seit diesem Jahr eine Buchungsplattform, bei der der Hotelgast den Preis für sein Hotelzimmer selbst vorschlagen kann. Das Hotel entscheidet dann, ob es das Angebot annimmt. Eine Umfrage zeigt: Auch in Luzern würden manche Hotels einer solchen Plattform offen begegnen.

Ein paar Tage kurzentschlossen ins Bündnerland verreisen – das wäre jetzt nicht schlecht. Vielleicht in der Lenzerheide mountainbiken und wandern gehen. Doch erst noch einen Abend auf den bekannten Hotelvergleichsplattformen verbringen, um das beste Angebot und Hotel herauszusuchen? Da ginge ein gutes Stück der Vorfreude bereits wieder verloren.

Für diesen Fall gibt es in Graubünden seit Januar die Plattform «Bunanotg». Diese empfängt einen auf der Website mit dem Slogan «Wetten, du übernachtest zu deinem Preis?» Das Prinzip ist simpel: Man wählt diejenige Bündner Region aus, wo man gerne übernachten möchte, dazu Anreisedatum, Anzahl Übernachtungen, Personen und Zimmer. Zusätzlich kann optional die Verpflegungsart festgelegt werden und wie viele Sterne das Hotel haben soll. Und: Man legt fest, welchen Preis man dafür zu zahlen bereit ist.

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Die Anfrage geht anschliessend automatisch an sämtliche Hotels, welche die Kriterien erfüllen und mit Bunanotg zusammenarbeiten – aktuell sind es deren 140. Die angeschriebenen Hotels können dann entscheiden, ob sie mit dem Angebot einverstanden sind. Der Kunde erhält per SMS die Nachricht, ob sich ein Hotel für seinen Vorschlag hat erwärmen können oder nicht. Wenn nicht, muss er es halt am nächsten Tag noch einmal probieren.

Wetten auf den Übernachtungspreis

Bunanotg (Rätoromanisch für «gute Nacht») ist also eine Plattform, auf der die Buchung zum Spiel wird mit der Übernachtung als Preis. Mik Häfliger, Innovationsleiter bei Graubünden Ferien, ist einer der Köpfe hinter Bunanotg. Er sagt: «Wichtig ist, dass nicht das Hotel, sondern der Kurztrip und allenfalls der Event im Vordergrund steht.»

«Ich würde es sehr begrüssen, wenn in der Zentralschweiz eine ähnliche Plattform ins Leben gerufen würde.»

Pascal Merkli, Direktor Hotel Des Alpes, Luzern

Als weitere Voraussetzung nennt Häfliger das Zusammenspielen von Wunschpreis und Auslastung. «Der Gast muss einen geschickten Preisvorschlag machen. Ausserdem ist Bunanotg vor allem auf die Nebensaison ausgelegt.» Klar: Ist das Hotel sowieso ausgebucht, hat es eine solche Plattform nicht nötig. Häfliger sieht Bunanotg denn auch als Ergänzung und nicht als Konkurrenz zu den etablierten Buchungsplattformen wie Booking. Sein Fazit: «Das Modell von Bunanotg kann auf jeden Fall auch in anderen Schweizer Tourismusregionen funktionieren.»

Auch in der Zentralschweiz etwa?

Bei Luzerner Hotels findet die Idee auf jeden Fall Anklang. So sagt Pascal Merkli, Direktor des Hotels Des Alpes: «Ich würde es sehr begrüssen, wenn in der Zentralschweiz eine ähnliche Plattform ins Leben gerufen würde.» Er sieht vor allem im Hinblick auf die Kommissionen eine grosse Chance, da diese bei den grossen Hotelbuchungsplattformen sehr hoch seien. Bunanotg hingegen ist kommissionsfrei.

Gästebedarf im Winter

Vor allem in der Wintersaison zwischen November und März würde man zusätzliche Hotelgäste mit offenen Armen empfangen, so Merkli. Sollte das Konzept von Bunanotg für die hiesige Region kopiert werden, gäbe es für das Des Alpes jedoch einen Haken.

Die Zahlen zu Bunanotg

Aktuell umfasst Bunanotg 140 Hotels an neun Destinationen. Bis Mitte Oktober wurden rund 100 Buchungen mit 300 Logiernächten über Bunanotg abgewickelt. Der durchschnittliche Preis pro Logiernacht liegt bei rund 70 Franken. Die bis dato teuerste Buchung betrug 2’160 Franken für ein Hotel im Unterengadin. Der seit Januar erzielte Umsatz beträgt 21’000 Franken.

Die Nutzer müssen sich bei Bunanotg mit ihrer Handynummer registrieren. «Da man bei einigen ausländischen Providern die SIM-Karte auch per Post bestellen kann, wäre teilweise nicht sicher, wer hinter der Nummer steckt. In der Schweiz ist dies weniger ein Problem», erklärt Häfliger. Aus diesem Grund setzt Bunanotg ausschliesslich auf Schweizer Gäste. Während man in Graubünden laut Häfliger auf zahlreiche einheimische Touristen zählen kann, sieht es im Des Alpes anders aus: «Bei uns machen amerikanische Gäste den grössten Teil aus», sagt Merkli.

Keine Chance im Sommer

Anders sieht es beim Hotel Beau Séjour an der Haldenstrasse in Luzern aus. «Wir haben einen hohen Anteil an Schweizer Gästen», sagt Direktor Manuel Berger. Bunanotg sei ihm zwar zuvor nicht bekannt gewesen, doch finde er die Idee grundsätzlich gut, dass das Hotel entscheiden könne, ob es das Angebot des Gasts annehmen wolle oder nicht. «Ich wäre auf jeden Fall offen für eine solche Plattform», sagt er. Er könne sich vorstellen, dass dadurch vor allem ein junges, dynamisches Publikum angesprochen würde.

Das Erklärvideo von Bunanotg.

Auch Berger glaubt, dass die Plattform in Luzern vor allem im Winter funktionieren würde, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt. «Im Sommer sind die Hotels sowieso ausgelastet. Während des Blue Balls beispielsweise könnten die Besucher kaum auf ein Schnäppchen hoffen.»

Luzern Tourismus wartet ab

Aufseiten der Verbände äussert man sich hingegen zurückhaltender. Conrad Meier, Direktor des Grand Hotels Europe in Luzern und seit letztem Jahr Präsident der Verbände Luzern Hotels und Zentralschweiz Hotels, erklärt, dass weder er noch die restlichen Vorstandsmitglieder von Luzern Hotels Bunanotg kennen. Aus diesem Grund wolle man sich dazu auch nicht äussern.

«Wenn vonseiten der Hotels ein Bedürfnis da ist, könnten wir dies durchaus prüfen.»

Patrizia Hofstetter, Geschäftsführerin Zug Tourismus

Bei Luzern Tourismus ist Bunanotg hingegen durchaus ein Begriff. Für den Moment sei es jedoch kein Thema, eine solche Plattform ins Leben zu rufen. Noch sei der administrative Aufwand im Verhältnis zur Zahl der Buchungen zu hoch. Ausserdem sei man von den Hotels bislang noch nie darauf angesprochen worden, erklärt Luzern Tourismus auf Anfrage.

Hotels sind gefragt

Bei Zug Tourismus lautet die Antwort auf die Frage, ob eine solche Plattform auch in Zug funktionieren könnte, «ja, aber …». Geschäftsführerin Patrizia Hofstetter sagt: «In der Stadt Zug haben wir viele Business-Gäste, die für ein Meeting kommen. Für die wäre die Plattform wohl keine Option.» Doch beispielsweise für das Ägerital könne dies durchaus funktionieren. «Viele unserer Feriengäste stammen aus der Schweiz», ergänzt sie.

Aktuell geniesse der Aufbau einer ähnlichen Plattform nicht oberste Priorität, so Hofstetter weiter. Doch: «Es hängt von den Hotels ab. Wenn von ihrer Seite ein Bedürfnis besteht, könnten wir dies durchaus prüfen.» Bei den Hotels nachgefragt habe Zug Tourismus bislang nicht.

Beim Hotel Schiff in Unterägeri könnte man sich das Nachfragen wohl sparen. Denn dort will man von einer solchen Plattform nichts wissen. Zu stark wirken offenbar die Erfahrungen von der Zehn-Jahre-Jubiläumsfeier nach, als die Restaurantgäste selbst bestimmen konnten, wie viel sie bezahlen wollten. Ziel war es, den Gewinn an die Stiftung «Denk an mich» zu spenden. Doch nachdem die Gäste teilweise das teuerste Menü ausgewählt und es sich hatten gut gehen lassen, landete anschliessend manchmal bloss eine Zehnernote in der Kasse. Entsprechend kann man im Hotel Schiff darauf verzichten, dass Hotelgäste den Preis selbst bestimmen.

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