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Wenn das Säli zum angesagten Lokal wird
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Die Band «Captain Frank» aus Bern spielt auf der neuen Bühne im Gleis 5. (Bild: bic)

Serie Kultur auf dem Land: «Kulturschiene» Malters Wenn das Säli zum angesagten Lokal wird

5 min Lesezeit 21.02.2018, 13:24 Uhr

Im Säli des Restaurants «Bahnhof» in Malters spielt seit Jahren die Musik. Weil der Wirt keine Konzerte mehr organisieren wollte, ist seit 14 Jahren der Verein «Kulturschiene» am Ruder. Dessen Veranstaltungen sind auf dem Land ebenso gefragt wie in der Stadt.

Der Raum und die Bühne sind rot beleuchtet, die Stühle gut besetzt. Vier Musiker im Anzug betreten die Bühne. Fast ohne technische Verstärkung ziehen sie sofort den ganzen Raum in ihren Bann.

Wir befinden uns im «Gleis 5», wie das Säli des Restaurants Bahnhof in Malters heute heisst. Das gemütliche Lokal mit der kleinen Bar wird an diesem Abend anstatt für ein Bankett für ein Popkonzert genutzt.

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Bahnhof-Wirt veranstaltete Konzerte

Der Verein Kulturschiene organisiert seit gut 14 Jahren kulturelle Veranstaltungen im Säli des Restaurants Bahnhof. Deshalb auch der entsprechende Vereinsname. Die Idee stammt allerdings nicht vom Verein selbst, wie Präsident Krispin Brunner erklärt.

Denn angefangen hat die Geschichte hinter der Kulturschiene anders. Der Beizer des Restaurants Bahnhof hatte bereits Jahre vor der Vereinsgründung damit begonnen, Konzerte in seinem Saal zu organisieren. «Viele Jugendliche aus Malters gingen damals in den ‹Bahnhof› in den Ausgang», sagt Brunner, der selber oft auch an den Konzerten anzutreffen war. Der Wirt liess dafür eigens eine Bühne und eine Bar in den Saal einbauen. 

Da der Aufwand für ihn mit der Zeit aber sowohl zeitlich als auch finanziell zu gross wurde, zog sich der Inhaber des Restaurants wieder zurück. Der Beizer hatte meistens draufgelegt, um die Gagen der Musiker bezahlen zu können.

Blick in das Lokal und auf die Bühne: Wenn keine Kulturveranstaltungen stattfinden, dient der Saal als Gaststube.

Blick in das Lokal und auf die Bühne: Wenn keine Kulturveranstaltungen stattfinden, dient der Saal als Gaststube.

(Bild: bic)

«Doch ein paar von uns Jungen dachten, dass es nicht sein könne, dass dieses kulturelle Angebot in Malters einfach so verschwindet», blickt Krispin Brunner zurück. Also nahm man die Zügel von nun an selbst in die Hand.

Zusammen mit vier anderen Personen gründete Brunner 2004 den Verein Kulturschiene. Heute engagieren sich acht Leute im Vorstand. «Leider fehlen uns aber etwas die Jungen», moniert er. Gut 170 Mitglieder und Gönner zählt der Verein heute.

Finanziert werden die Anlässe neben den Vereinsmitgliedern von verschiedenen Fonds und einzelnen lokalen Sponsoren. So konnte man sich dieses Jahr eine neue Bühne leisten, sagt Krispin Brunner stolz.

Verschiedene Lokale bespielt …

Im jungen Verein war man sich einig, dass man sich nicht an einen fixen Veranstaltungsort binden möchte. So wurden in den Folgejahren beispielsweise auch Konzerte in der alten Fabrikhalle der Bäckerei Hug organisiert.

Trotzdem verlor man den «Bahnhof» nie aus den Augen. «Heute findet die grosse Mehrheit der Anlässe wieder im Saal des Restaurants statt», sagt Helen Hirsiger, Vizepräsidentin des Vereins. Der Aufwand für die ehrenamtlich arbeitenden Organisatioren sei für die Durchführung grösserer Konzerte meistens zu gross gewesen.

Zudem habe man an anderen Orten den Charme vermisst, welchen der Saal im «Bahnhof» biete. «Bei einer bekannteren Band hätten wir den Raum eigentlich dreimal füllen können. Wir haben uns aber bewusst gegen ein grösseres Lokal entschieden», sagt Brunner.

… aber in den «Bahnhof» zurückgekehrt

Mit «Gleis 5» hat der Saal vor einigen Jahren denn auch einen passenden Namen erhalten. Das Lokal bietet gut 50 Sitzplätze. Wenn alle stehen, finden knapp 90 Personen Platz.

Auch die Musiker würden das Lokal sehr schätzen, ergänzt Helen Hirsiger. «Der bekannte Stimmakrobat Andreas Schärer, der auch in der Elbphilharmonie auftritt, liess einst extra für die Kulturschiene Musiker aus Österreich einfliegen», schwärmt sie. 

Kulturschiene-Vizepräsidentin Helen Hirsiger und Präsident Krispin Brunner auf der Bühne des Gleis 5.

Kulturschiene-Vizepräsidentin Helen Hirsiger und Präsident Krispin Brunner auf der Bühne des Gleis 5.

(Bild: bic)

 

«Wir haben hier den grossen Vorteil, dass wir den Saal nicht mieten müssen.» Deshalb könne man auch die Eintrittspreise vergleichsweise tief halten, sagt Hirsiger. Der Bahnhofwirt ist selber im Vorstand der Kulturschiene und stellt das Lokal gratis zur Verfügung. Er erhält im Gegenzug die Einnahmen der Bar.

Wenig junges Publikum

«Im Gleis 5 finden heute mehrheitlich Konzerte statt», so Hirsiger. Allerdings habe man auch schon andere Kleinkunstanlässe oder kleine Theaterinszenierungen durchgeführt. Am 2. März wir das Improvisationstheater «Improphil» zu Gast sein. Fürs nächste Jahr ist auch eine szenische Lesung mit Schauspielern geplant.

«Du bist aus Malters? Kennst du die Kulturschiene? Das höre ich heute oft.»

Krispin Brunner, Präsident Verein Kulturschiene

Wie in vergleichbaren Kulturlokalen finden auch in Malters nur vereinzelt Jugendliche oder junge Erwachsene den Weg ins Gleis 5. «Unser Publikum ist mehrheitlich zwischen 40 und 80 Jahren alt», sagt Brunner. Der Verein hat zwar schon populäre Bands wie die Berner «Tomazobi» eingeladen, trotzdem nur mit mässigem Erfolg bei den Jungen.

Wo sich Stadtpflanzen und Landeier treffen

Was sich in den letzten Jahren hingegen positiv entwickelt hat, ist, dass vermehrt Leute aus der Stadt Luzern und der Agglo den Weg ins Gleis 5 finden. «Die Veranstaltungen der Kulturschiene haben sich rumgesprochen», zeigt sich Hirsiger erfreut. Sie stammt selber aus Kriens und ist vor einigen Jahren nach Schwarzenberg gezogen. «Für mich ist die Kulturschiene eine Art Integrationsprojekt», sagt sie.

Serie: Kultur abseits der Stadt

In einer Serie stellt zentralplus Luzerner Kulturräume vor, die von Städtern oft links liegengelassen werden. Zu Unrecht, denn die Kultur auf dem Land ist lebendig, vielfältig und findet an charmanten Orten statt.

Die nächsten drei Veranstaltungen der Kulturschiene im Gleis 5: Freitag, 2. März, Improvisationstheater «Improphil»; Freitag, 16. März, «Rico et ses amis» (Singer-Songwriter); Freitag, 13. April, Landstreichmusik (experimentelle Schweizer Volksmusik).

Oft seien zwei ältere Herren aus Schüpfheim zu Gast. Auch aus Stansstad komme regelmässig ein Gast für die Veranstaltungen nach Malters. «Viele Leute kommen alleine in den ‹Bahnhof›, weil hier eine familiäre Atmosphäre herrscht. Man kennt sich mittlerweile auch unter den Gästen», sagt Vizepräsidentin Helen Hirsiger.

Heute kommt ein Stammpublikum

Die Kulturschiene konnte sich bis heute ein Stammpublikum aufbauen. «Im Durchschnitt sind es heute etwa 30 Leute pro Veranstaltung», rechnet Krispin Brunner vor. Dies wäre zu Beginn aber noch anders gewesen. «Ich musste regelmässig meine Verwandtschaft aufbieten, damit wir den Raum einigermassen füllen konnten», erinnert er sich.

«Die Gäste der Kulturschiene unterscheiden sich nicht gross von der Kundschaft der Kulturlokale in der Stadt», sind Hirsiger und Brunner überzeugt. Genauso wie die Leute aus der Stadt nach Malters kommen würden, gingen umgekehrt auch viele Kulturinteressierte aus Malters in die Stadt. «Zu uns kommen auch Leute, die ins Kleintheater gehen», sagt Hirsiger.

Über die Jahre habe man sich durch ein konstant gutes Angebot in der Luzerner Kulturlandschaft etablieren können. «Du bist aus Malters? Kennst du die Kulturschiene? Das höre ich heute oft», sagt Brunner. Sowohl von Leuten aus der Stadt wie auch vom Land.

Mit der aktuellen Situation zeigen sich sowohl Brunner wie auch Hirsiger zufrieden. «Ich würde mit der Kulturschiene aber gerne einmal ein grösseres, langfristigeres Projekt realisieren. Leider fehlt mir heute aber die Zeit dazu.» Ein solches Projekt müsste dann aber auch nicht unbedingt im «Bahnhof» stattfinden, sagt Krispin Brunner.

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