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Wenn das Publikum wie hypnotisiert den Klängen der Musik lauscht
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  • Rezension
Das Lucerne Festival steht dieses Jahr unter dem Thema «Macht».

Eröffnungskonzert des Lucerne Festivals Wenn das Publikum wie hypnotisiert den Klängen der Musik lauscht

3 min Lesezeit 17.08.2019, 12:20 Uhr

Werke von Sergej Rachmaninow haben im KKL Luzern das diesjährige Lucerne Festival eröffnet. Traditionsgemäss wurde das Eröffnungskonzert vom Lucerne Festival Orchestra gespielt. Ein Abend, geprägt von der Macht der Musik, interpretatorischer Gelassenheit, grossem Elan – weit entfernt von Kitsch.

Noch bis am 15. September werden sich Spitzenorchester sowie bekannte Solistinnen und Solisten anlässlich mehrerer Sinfoniekonzerte und anderer Veranstaltungen im Rahmen des Lucerne Festival treffen. Und dies zur Freude eines wie jedes Jahr nicht nur interkantonalen, sondern auch internationalen Publikums.

Werke von Sergej Rachmaninow eröffneten das Lucerne Festival am Freitagabend im KKL Luzern. Traditionsgemäss wurde das Eröffnungskonzert vom Lucerne Festival Orchestra gespielt, unter der Leitung seines Chefdirigenten Riccardo Chailly. Das Konzert wurde live auf einer Grossleinwand im Inseli-Park übertragen. Der 66-jährige Chailly hatte das Amt 2016 als Nachfolger des verstorbenen Dirigenten Claudio Abbado übernommen und jetzt seinen Vertrag bis 2023 verlängert.

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Die Macht der Musik

Das Festival steht dieses Jahr unter dem Thema Macht. Inwiefern kann Macht mit Musik zu tun haben? Zum Beispiel, weil nicht wenige Meisterwerke in schwierigen politischen, sozialen oder religiösen Situationen komponiert wurden.

Oder eben nicht komponiert wurden und Künstler das Exil wählen mussten. Und da gibt es die Macht der Stimmen über die Instrumente, und umgekehrt; Macht der Solisten über das Orchester, und ebenfalls umgekehrt. Aber noch interessanter, weil allgemeingültig und universell: die grosse Macht, die die Musik selber in unserem Leben auf uns alle ausübt. Und immer, in jedem Zeitalter ausgeübt hat.

Technische Souveränität und interpretatorische Gelassenheit

Wie die Macht, die Rachmaninows legendäres Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 d-Moll op. 30 auf jedes Publikum ausübt. Auch am Freitagabend, besonders dank des international bekannten und gern gesehenen russischen Pianisten Denis Matsuev, der den Solopart des Konzertes übernahm.

Eigentlich ein Konzert, das eines der schwierigsten und problematischsten aus dem Rachmaninow-Repertoire ist. So schwer und fordernd, dass der Komponist, welcher selber ein Klaviervirtuose war, von einem «Konzert für Elefanten» sprach.

Denis Matsuev demonstrierte dem Orchester, dem Dirigenten und dem Publikum sein Können und seine Macht. Das indem er – ohne die romantisch-leidenschaftlichen Aspekte Rachmaninows Werks zu strapazieren – zugleich jene technische Souveränität und interpretatorische Gelassenheit zeigen konnte, die seine Konzerte und Aufnahmen kennzeichnen. Matsuev erntete damit am Freitagabend einen glänzenden Triumph.

Rachmaninows Orchesterfassung von Vocalise

Nach der Pause begann man mit Vocalise op. 34 Nr. 14, mit der Orchesterfassung des Komponisten (1919). Die Vocalise wurde ursprünglich als ein Lied für hohe Singstimme und Klavier, das ohne Text ausschliesslich auf die Kraft der Stimme setzte, für die versierte russische Sopranistin Antonia Wassilijewna Neschdanowa 1915 komponiert.

Es folgten schnell zahlreiche Transkriptionen diverser Komponisten. Für Gesangsstimme und Orchester, für Orchester allein, Violine und Orchester, Streichorchester, Cello und Klavier, Klaviertrio, Klavier allein, Klarinette und Klavier, Violine und Klavier, Horn und Klavier und sogar Kontrabass und Klavier.

Aber nur diese geniale Fassung für Orchester allein stammt von Rachmaninow selbst. Wie hypnotisiert lauschte das Publikum am Freitagabend der präzisen, aber hochemotionalen Ausführung des Lucerne Festival Orchestra.

Rachmaninows Sinfonie

Die Oktoberrevolution sprach ein Machtwort, unmittelbar auch in Rachmaninows Leben und natürlich in seiner Kunst. Sodass dieser sich gezwungen sah, ins Exil zu gehen. Die melancholische, fast schmerzliche Dritte Sinfonie komponierte er 1935/36 in seiner Villa Senar in Hertenstein bei Luzern.

Chailly führte das Orchester durch die alles andere als leichte Partitur dieser glühenden Dritten Rachmaninows mit grossem Elan und Ausdruckskraft, aber auch sehr detailgenau und weit entfernt vom Kitsch, der andere Interpretationen und Ausführungen dieses Werkes kennzeichnet. Das ganze Orchester sekundierte dem Dirigenten mit der gleichen Präzision und Ausdruckskraft.

Ein sehr dankbarer und langer Applaus bis zur Standing Ovations seitens der zahlreichen und sehr beeindruckten Zuhörer am Ende des Eröffnungskonzerts belohnten Dirigent und Orchester für ihre Leistung.

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