Wenn aus zwei Millionen Lego-Steinen die Stadt Luzern entsteht
  • Regionales Leben
Der kleine Zwilling der Stadt Luzern steht seit Eröffnung 2002 im Legoland Deutschland. (Bild: Legoland Deutschland Resort)

Leuchtenstadt im Kleinformat Wenn aus zwei Millionen Lego-Steinen die Stadt Luzern entsteht

4 min Lesezeit 1 Kommentar 18.03.2021, 17:22 Uhr

Die Stadt Luzern ist ein beliebtes Sujet für Fotos, Postkarten – oder Legomodelle. Das Legoland Deutschland konnte sich der Faszination der Stadt am Vierwaldstättersee ebenso wenig entziehen wie ein Luzerner Masseur.

Aus Lego-Steinen kann man eigentlich alles bauen. Das weiss der dänische Hersteller ebenso wie die zahlreichen Epigonen und alle, die jemals ein paar solcher Steine in der Hand hatten. Egal ob Häuser, Raumschiffe, Dinosaurier – die Grenzen liegen nur in der eigenen Fantasie (und dem Portemonnaie). Auch ganze Stadtteile lassen sich nachbilden, wie ein Blick über die Landesgrenzen nach Bayern zeigt.

Das Lego-Double der Stadt Luzern steht im Legoland Resort Deutschland in Günzburg – und das seit Eröffnung des Parks im 2002. Aber warum hat man sich von allen möglichen Städten ausgerechnet für die Leuchtenstadt entschieden? «Gemäss unseren Unterlagen wurde die Stadt Luzern in einer Umfrage von den Schweizern zur damaligen Zeit zur lebenswertesten Stadt der Schweiz gewählt», erklärt Kathrin Ölhorn, Pressesprecherin des Freizeitparks auf Anfrage.

Luzern in der Wartung

Designt und gebaut wurden die Modelle, darunter die Kapellbrücke, das Zunfthaus zu Pfistern und die Peterskapelle, am Standort der Lego-Gruppe im dänischen Billund, bevor sie nach Deutschland transportiert wurden. In den letzten Monaten wurde die Stadt Luzern allerdings in die Werkstatt gebracht – quasi zur Reinigung. «Aktuell wird der Bereich der Schweiz saniert», so Ölhorn weiter.

Alle Modelle wurden über den Winter herausgenommen, gereinigt, «geglasstrahlt» – ein Prozess wie das Sandstrahlen, nur mit weicheren Glasperlen – und mit einem farblosen UV-Lack wieder wind- und wetterfest gemacht. Vergangene Woche wurden die Gebäude wieder an ihrem Platz eingesetzt.

Die Schweiz in 2,8 Millionen Teilen

«Aktuell kümmern sich Gärtner noch um die Detailarbeiten, denn auch die Bepflanzung wird an den Miniaturmassstab angepasst», so Ölhorn. Kurz vor Saisonstart werden dann auch die «Reuss» und der «Vierwaldstättersee» wieder mit Wasser befüllt und die Schiffe eingesetzt.

Schweizer Miniland besteht jedoch nicht nur aus dem Seebecken der Stadt Luzern, sondern hat auf einem Hügel auch noch das aus dem James-Bond-Film «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» bekannte Bergrestaurant Piz Gloria auf dem Berner Schilthorn zu bieten. Ganze 2,8 Millionen Lego-Steine wurden verwendet, um die Schweizer Anlage so detailgetreu wie nur möglich nachzubauen.

Hinter dem Luegislandturm thront – mit viel geografischer Freiheit – das Drehrestaurant Piz Gloria.

Der Masseur und sein Bus

Mit Lego und dem Luzerner Stadtbild hat sich auch der medizinische Masseur Jules Läubli aus Luzern auseinandergesetzt. 2018 hat er, ohne jegliche Anleitung, einen Bus der VBL nachgebaut. Das 130 Zentimeter lange Gefährt ist bis ins kleinste Detail getreu dem grossen Vorbild nachempfunden.

7’200 Teile, die er eigens aus dem Internet oder direkt bei Lego in Dänemark bestellen musste, hat er darin verbaut. Kein kostengünstiges Projekt, aber eines, das für Läubli Ehrensache war. «Ich habe den Bus als kleines Dankeschön für einen guten Freund gebaut, der Lego liebt», erklärt er.

Ohne Anleitung und in monatelanger Tüftelei selbst gebaut: der VBL-Bus von Jules Läubli. (Bild: zvg)

«Ich stelle mir selbst die Herausforderung und schaue, ob ich es schaffe. Und die Legosteine gefallen mir als Material.» Auch wenn es manchmal nicht einfach ist, mit den bestehenden Teilen die gewünschte Form zu bauen. Und dennoch, andere Anbieter von Klemmbausteinen kommen für den 48-Jährigen nicht infrage. «Ich stehe auf originale Lego-Teile.»

Unbeliebter Eingriff

Ein Credo, das er bei seinem Bus nicht vollends einhalten konnte. Weil er die Teile, die er für die Haltestangen verwenden wollte, nicht in der gewünschten gelben Farbe bekam, musste Läubli sie anmalen. «Die blöden gelben Stangen regen mich heute noch auf», sagt er und lacht. Das Modell stand drei Monate in seiner Praxis in Küssnacht am Rigi und war ein Blickfang und beliebtes Fotosujet für seine Kunden. Heute steht der Bus bei besagtem Freund.

Von der Farbe der Sitzpolster bis zum Ticket-Entwerter, die Details stimmen (und dank Farbe auch die Haltestangen). (Bild: zvg)

Wie sieht es heute aus? Hat der medial weit gereiste VBL-Bus Früchte getragen? «Von Lego selbst habe ich nie eine Reaktion erhalten», sagt Läubli leicht enttäuscht. Dafür seien sonst viele positive Reaktionen aus dem Netz eingetrudelt. Aktuell arbeitet der Masseur an einem neuen grossen Lego-Projekt, über das er noch nicht viel sagen möchte. Fakt ist: «Im Vergleich zum neuen Projekt war der VBL-Bus fast leicht zu bauen.»

Schiff Ahoi

Den Luzerner Fahrzeugen ganz den Rücken kehren will Jules Läubli jedoch nicht: «Ich spiele mit dem Gedanken, die Yacht Saphir nachzubauen. Da würde mich die Herausforderung reizen.» Denn anders als bei einem Bus, der grösstenteils rechteckig ist, müssten bei einem Schiff auch viele abgerundete Teile verbaut werden – Teile, die es bei Lego nicht häufig gibt.

Darum baut er, quasi als Übung, parallel zu seinem Geheimprojekt an einem Modell seines eigenen Schiffes. «Um zu schauen, wie es ist, eine Bootsform mit Lego zu gestalten.»

Jules Läublis nächstes Projekt? Die Yacht Saphir auf dem Vierwaldstättersee. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)
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1 Kommentare
  1. Ursi, 18.03.2021, 17:47 Uhr

    Ich liebe Lego und diesen Bericht!!!

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