Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Wenn Angestellte lieber Fussball-WM schauen statt arbeiten
  • Wirtschaft
  • Arbeiten
  • Fussball
Im Büro auf dem Smartphone heimlich WM-Spiele anschauen? Das kommt nicht gut, wenn es der Chef nicht erlaubt. In Zuger Firmen gibt es teilweise flexible Lösungen. (Bild: zvg)

Zuger Firmen bieten flexible Lösungen an Wenn Angestellte lieber Fussball-WM schauen statt arbeiten

5 min Lesezeit 14.06.2018, 14:13 Uhr

Die Fussball-Weltmeisterschaft in Russland steht vor der Tür. Das interessiert in Zug, wo rund 120 Nationen leben, besonders viele. Aber was ist, wenn ein Spiel am Nachmittag während der Arbeitszeit läuft? Dürfen Mitarbeiter einen Blick live auf den Fernseher riskieren? zentralplus hörte sich bei Zuger Firmen um – und klärte auch die Frage, ob man im Nati-Trikot ins Büro gehen darf.

Was die Spiele der Schweizer Nati in der Vorrunde angehen, können die Fans aufatmen: Die Fussballmatches gegen Brasilien, Costa Rica und Serbien finden entweder am Sonntag oder am Abend statt. Da können alle Zuger ihrer Mannschaft live die Daumen drücken, ohne dass der Chef im Büro einen roten Kopf bekommt.

Siemens hat keine speziellen Regelungen

«Die Gruppenspiele der Schweizer Nationalmannschaft finden ja alle am Abend statt», sagt Benno Estermann, Public-Relations-Chef der Siemens Schweiz AG. Von daher halte sich der Koordinationsaufwand in Grenzen.

Unterstütze Zentralplus

«Unsere Fussballfans können die flexiblen Arbeitszeiten nutzen und in Absprache mit dem Vorgesetzten auch problemlos frei nehmen oder Überzeiten kompensieren.»

Benno Estermann, PR-Chef der Siemens AG

In Büros mit vielen Österreichern ist Fanen bei Sportveranstaltungen zumeist kein Problem – egal, obs um eine Ski-Abfahrt oder um ein WM-Match der österreichischen Fussballmannschaft geht. Der Chef drückt meist ein Auge zu.

In Büros mit vielen Österreichern ist Fanen bei Sportveranstaltungen zumeist kein Problem – egal, ob’s um eine Ski-Abfahrt oder um einen WM-Match der österreichischen Fussballmannschaft geht. Der Chef drückt meist ein Auge zu.

(Bild: zvg)

Doch solche internationale Firmen wie Siemens in Zug verfügen natürlich auch über eine Menge internationaler Mitarbeiter: Deutsche, Engländer, Franzosen, Spanier, und und und. Dürfen die denn während der Arbeitszeit Fussball-WM schauen, wenn ihr Team spielt? Oder müssen die heimlich auf ihrem Laptop den Live-Ticker oder den Stream verfolgen?

«Während der Fussball-WM haben wir bei Siemens keine speziellen Regelungen für unsere Mitarbeitenden», sagt Estermann. «Unsere Fussballfans können die flexiblen Arbeitszeiten nutzen und in Absprache mit dem Vorgesetzten auch problemlos frei nehmen oder Überzeiten kompensieren.» Es gebe Teams und Abteilungen, die gewisse Spiele gemeinsam anschauen und auf privater Basis einen Grillabend organisieren.

Nicht schlecht. Auch Glencore in Baar ist beispielsweise ein multinationaler Konzern. Wie ist das dort geregelt?

«Der Arbeitsbetrieb sollte aber trotz Fussballeuphorie nicht gestört werden.»

Sarah Antenore, Glencore

«Bei Glencore entscheidet jede Abteilung selbst, wie sie sich während der Fussball-Weltmeisterschaften organisieren möchte», sagt Sarah Antenore, Sprecherin der Glencore International AG. Ein unternehmeninternes Public Viewing von WM-Spielen sei nicht vorgesehen.

«Den Abteilungen steht es aber frei, WM-Wetten oder entsprechende Teamevents zu organisieren. Der Arbeitsbetrieb sollte aber trotz Fussballeuphorie nicht gestört werden.»

Aber wie ist das eigentlich grundsätzlich rechtlich geregelt? Dürfen Arbeitnehmer im Büro WM-Fussballspiele anschauen?

Das sagt der Arbeitsrechtsexperte

Im Prinzip Nein. Zumindest nicht ohne die ausdrückliche Genehmigung des Arbeitgebers. Das ergibt sich aus dem Arbeitsvertrag, der Mitarbeitern vorschreibt, während ihres Dienstes keine Freizeittätigkeiten auszuüben. WM-Spiele zu schauen, ist eindeutig eine solche Freizeitaktivität.

Laut Arbeitsrechtsexperte Thomas Geiser kann der Arbeitgeber das WM-Gucken im Büro tolerieren – er muss es aber nicht. Wenn der Chef das Fussballschauen verbieten will, gebe es aber noch eine andere Möglichkeit, erklärt Geiser: Man könne das Spiel in der Pause anschauen.

«Die Arbeitgeberin hat beim Legen der Pausen auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer Rücksicht zu nehmen.» Insofern könnten die Arbeitnehmer verlangen, dass die Pausen so gelegt werden, dass ein Spiel angesehen werden kann, wenn das betrieblich möglich ist.

Schweizer Nati-Fans – nicht unbedingt bürotauglich.

Schweizer Nati-Fans – nicht unbedingt bürotauglich.

(Bild: zvg)

Und wie ist es, wenn jemand im Fan-Trikot zur Arbeit erscheinen möchte? Im Grunde spricht nichts dagegen, erklärt Thomas Geiser – den man aus dem Fernsehen ja nur mit flotter Fliege und Gilet kennt.

Schwierig sei es allerdings, wenn im Unternehmen Kleidervorschriften gelten, etwa in Banken an der Kundenfront. Sonst sei es aber ohne Weiteres zulässig, im Trikot zur Arbeit zu kommen. «Ob das in ästhetischer Hinsicht angebracht ist, sei dann jedem selber überlassen», ergänzt Geiser.

«Der Arbeitgeber muss aber keine Fernsehgeräte dafür zur Verfügung stellen – denn er ist dazu nicht verpflichtet.»

Manuel Brandenberg, Zuger Anwalt

Auch der Zuger Anwalt Manuel Brandenberg hält fest, dass Arbeitnehmer nur in der Freizeit oder in der Pause im Büro arbeitsrechtlich gesehen Fussball gucken dürften. «Der Arbeitgeber muss aber keine Fernsehgeräte dafür zur Verfügung stellen – denn er ist dazu nicht verpflichtet.»

Wenn jemand während der Arbeitszeit ungefragt WM-Matches anschaue, könne dieser Verstoss durchaus mit einer Abmahnung geahndet werden. Brandenberg: «Denn jeder Verstoss gegen das Arbeitsrecht kann abgemahnt werden.»

Besonders WM-flexibel: Roche Diagnostics in Rotkreuz. Zum Achtelfinale gibt es sogar ein firmeneigenes Public Viewing.

Besonders WM-flexibel: Roche Diagnostics in Rotkreuz. Zum Achtelfinale gibt es sogar ein firmeneigenes Public Viewing.

(Bild: woz)

Und wie ist es aus seiner Sicht, wenn jemand etwa im Brasilien-Tenü oder im Nati-Trikot zur Arbeit erscheint? «Wenn es in der Firma keine speziellen Kleidervorschriften gibt, ist das kein Problem, wenn einer im gelben Libli und mit Stulpen aufläuft», so Brandenberg. Allerdings mit einer Einschränkung: «Wenn der Chef findet, dass dies etwa lächerlich oder störend wirkt im Kontakt mit Kunden, kann dies auch verboten werden.» 

«Wir setzen uns für flexibles Arbeiten ein. Dies gilt natürlich auch während der WM.»
 
Amira Hamami, Roche Diagnostics in Rotkreuz
Als Standort mit Mitarbeitern aus über 65 Nationen ist die WM bei Roche Diagnostics International in Rotkreuz ein verbindendes Thema.

Kein Trikotverbot und Public Viewing bei Roche

«Bei Roche Diagnostics International setzen wir uns für flexibles Arbeiten ein. Dies gilt natürlich auch während der WM. Unsere Mitarbeitenden können sich ihre Arbeitszeit so zu gestalten, dass sie – soweit es den Jobanforderungen entspricht – ihren persönlichen Bedürfnissen und Interessen nachgehen können», sagt Amira Hamami von Roche Diagnostics in Rotkreuz. «Bei uns herrscht auch keine Kleiderordnung und entsprechend auch kein Trikotverbot.»
 
Ein Achtelfinalspiel wird bei Roche sogar auf Grossleinwand übertragen. Hamami: «Dazu gibt es Verpflegung vom Grill, Salate und Getränke für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zusätzlich findet im Personalrestaurant ein WM-Tippspiel statt, bei dem man täglich ein Mittagessen gewinnen kann.»

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare