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Weniger Gepolter in der Stadt Luzern – Sicherheitskräfte rätseln
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Bei Junggesellenabschieden wird es gerne etwas lauter. (Bild: Adobe Stock)

Rückgang von Ruhestörungen trotz Supersommer Weniger Gepolter in der Stadt Luzern – Sicherheitskräfte rätseln

5 min Lesezeit 1 Kommentar 23.09.2019, 18:12 Uhr

Trotz lauten Böxli und illegal getunten Autos: Ruhestörungen in der Stadt Luzern sind weniger geworden. Unter anderem nehmen auch die Probleme wegen exzessiv gefeierter Polterabende ab. Die Sicherheitsexperten können das nicht erklären – der Hochzeitsprofi hat Antworten.

Ein Blick in den heute veröffentlichten Sicherheitsbericht der Stadt Luzern zeigt, dass Luzern eine sichere Stadt ist (zentralplus berichtete). Das ist nicht neu. Erstaunlich ist aber, wie leise es geworden ist: Die städtischen Behörden verzeichnen einen deutlichen Rückgang der Beschwerden wegen Partys im öffentlichen Raum.

Zur Erinnerung: Wer durch Lärm oder groben Unfug die Nachtruhe stört, kann gebüsst werden. So geschehen ist das im vergangenen Jahr rund 100 Mal in der Stadt Luzern. Zum Vergleich: Im ganzen Kanton waren es 2018 laut Polizeistatistik 188 Vorfälle. Die kantonale Spitze wurde im Fussball-WM-Jahr 2014 mit 255 Vorfällen registriert.

Böxli und Autos als Lärmquellen

Es gebe immer wieder «punktuelle Brennpunkte», an denen sich Ruhestörungen häuften, heisst es im Bericht. Ob abends am See oder frühmorgens in den Gassen: «Nebst lautem Verhalten stören auch immer wieder leistungsstarke, mobile Musikboxen.» Gruppen würden von der Einsatzgruppe SIP zunächst auf die Ruhestörungen hingewiesen. Nur falls die Lärmquelle – in selteneren Fällen – bestehen bleibt, interveniert die Polizei.

Eine weitere solche Quelle sind illegal getunte Autos, deren Motoren und Räder gerne nachts und in der Nähe von Clubs zum Aufheulen oder Quietschen gebracht werden. Die meist jungen Männer am Steuer erhaschen so nicht nur die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts (manchmal), sondern die ganzer Quartiere (öfters). Wie es im Bericht heisst, hat sich um dieses «neue Phänomen» gar ein spezialisierter Autovermietungsmarkt entwickelt, wo teure, getunte Fahrzeuge auch stundenweise vermietet werden.

«Weshalb in der Stadt Luzern weniger Polterabende stattfinden oder diese weniger exzessiv sind, ist unklar.»

Aus dem aktuellen Sicherheitsbericht der Stadt Luzern

Durch regelmässige Kontrollen habe die Luzerner Polizei das Problem inzwischen besser in den Griff gekriegt. So wurden etwa auch illegal getunte Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen (zentralplus berichtete). «Diese Massnahme zeigte starke Wirkung und hat sich in der Tuning-Szene rumgesprochen», heisst es schliesslich.

Sicherheitsprofis rätseln über ruhige Polterabende

Erklärt ist der Rückgang der Ruhestörungen mit ein paar aus dem Verkehr gezogenen Protzschlitten noch nicht. Eine weitere Beruhigung stellt die Verantwortlichen nämlich vor ein Rätsel: Lange waren in Luzern die gefürchteten Polterabende einheimischer, aber vor allem auswärtiger Gäste Garant für Konflikte mit den Stadtbewohnern (zentralplus berichtete).

«Mal ehrlich: Kaum einer mag es, als Clown verkleidet durch die Stadt gejagt zu werden.»

Paul Eduard Wüst, Hochzeitsplaner

Im Vergleich zu früheren Analysen würden Polterabende in der Öffentlichkeit heute weniger als Problem wahrgenommen. «Weshalb in der Stadt Luzern weniger Polterabende stattfinden oder diese weniger exzessiv sind, ist unklar», heisst es im Bericht.

Auch Maurice Illi, städtischer Sicherheitsmanager, hatte an der Pressekonferenz keine Erklärung zur Hand: «Es war ein aussergewöhnlich schöner Sommer, da hätte ich persönlich – nicht nur wegen der Polterabende – eher mehr Ruhestörungen erwartet.. Zwar wisse auch er nicht, wieso der Lärm um die Junggesellenabschiede geringer werde, aber er nehme es gerne «positiv» zur Kenntnis.

Gepoltert wird weiterhin, aber weniger peinlich

Wenn schon die Sicherheitsprofis keine Antworten mehr haben, dann vielleicht der Hochzeitsprofi. Paul Eduard Wüst plant, moderiert und berät als «Tätschmeischter» von Luzern aus Woche für Woche Hochzeiten. Sein Einzugsgebiet ist die ganze Zentralschweiz. Die Durchführung der Polterabende gehört dabei zwar nicht zu seinem Kerngebiet, im Kontakt mit den Heiratswilligen und ihren besten Freunden bekommt er aber einiges mit. Er sagt: «Ich denke, die Polterabende sind nicht weniger geworden, aber es wird anders gefeiert.»

Es entspreche immer mehr dem ausdrücklichen Wunsch des Bräutigams oder der Braut, dass ihnen Peinlichkeiten wie Betteln auf der Strasse, erniedrigende Aufzüge oder andere geschmacklose Aktionen erspart bleiben. «Mal ehrlich: Kaum einer mag es, als Clown verkleidet durch die Stadt gejagt zu werden.»

Sein Tipp: «Wenn man einem guten Freund oder einer guten Freundin die Planung überlässt, wird er oder sie diesen Wunsch auch respektieren.» Und das scheint heute immer mehr der Fall zu sein.

Paintball und Wellness statt betteln

Dabei stellt Wüst eindeutige Trends fest. Unter dem Motto: «cool statt peinlich». Seine Beobachtungen in Stichworten:

  • Gerade bei Jungs soll die Action durchaus drinbleiben. «Da geht es zum Beispiel ein Wochenende in die Natur, zum Biken», sagt Wüst. Neben Outdooraktivitäten sei etwa auch Paintball angesagt.
  • Bei beiden Geschlechtern erfreuten sich auch mehrtägige Städtetrips steigender Beliebtheit – «durchaus auch mit kulturellem Programm».
  • Eher typisch für die künftigen Ehefrauen seien klassische Mädelsabende, bei denen auch gerne Wellnessangebote auf dem Programm stehen dürfen.
  • Originelle Aktionen: «Es ist sympathischer, wenn der Junggeselle Rosen verteilt, als wenn er Frauen um Geld anbetteln muss», rät Wüst.

Wüst erzählt am Beispiel eines Polterabends, den er organisiert hat, wie das aussehen könnte:. «Als Gladiatoren verkleidet haben wir unseren Kollegen am Arbeitsplatz abgeholt.» Jeder der Teilnehmer stellte dem künftigen Ehemann eine olympische Aufgabe – vom Diskus- bis zum Speerwerfen.

«Schliesslich haben wir in einem Rittersaal gespiesen und gefeiert.» Auch gegen ein anschliessendes Tanzen im Club mit der einen oder anderen originellen Aktion sei nichts einzuwenden. Aber eben: «Es geht nicht nur darum, die Sau rauszulassen.»

Diese Trends stellt der Hochzeitsplaner nicht nur in Luzern fest. Freuen dürfen sich darüber nicht nur die künftigen Eheleute, sondern auch die Sicherheitsbehörden und vor allem die Stadtbevölkerung.

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1 Kommentare
  1. Joseph de Mol, 24.09.2019, 07:27 Uhr

    Eine Verzerrung sondergleichen. Von weniger Lärm und Gebrüll in den Nachtstunden habe ich persönlich keine Kenntnis genommen. Ganz im Gegenteil: Es wird immer nur noch schlimmer. Dazu recht krasses Littering. Am Sonntagmorgen sieht es jeweils aus, als hätte die Party-Bombe eingeschlagen. Der Bericht ist m.E. nach sehr thesengestützt. Man will ein Bild evozieren, das so nicht der Realität entspricht. Aber das kennen wir ja von der Politik und der Exekutive.