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Wem das Luzerner Model Helena Fritz das letzte Foto geben würde
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«Während der eine dein Aussehen mag, gefällst du einem anderen überhaupt nicht auf den Catwalk oder vor die Kamera», sagt Helena Fritz. (Bild: ida)

Luzerner steht im Finale einer Model-Castingshow Wem das Luzerner Model Helena Fritz das letzte Foto geben würde

6 min Lesezeit 22.11.2018, 14:05 Uhr

Sie schmiss bei Heidi Klum das Handtuch und steht nun im Weltfinale von Elite Model Look. Gemeinsam mit zentralplus schaute sie eine Folge von «Switzerland’s next Topmodel». Ob der Luzerner Kandidat Sandro Weder das Zeug zum Modeln hat – und auf den Titel hoffen darf?

«Ich habe auch schon einmal reingesehen – dann jedoch schnell wieder weitergezappt», erzählt Helena Fritz, bevor die neuste Folge von «Switzerland’s next Topmodel» über den Bildschirm flimmert. Es war just die Folge, in der sich die Haarfriseure ans Werk machten. Die ersten Haare fielen – und somit auch die ersten Tränen. «Das war mir zu viel Drama», meint Fritz lachend. Und die 20-Jährige weiss, wovon sie spricht.

2017 kämpfte sie um den Titel «Germany’s Next Topmodel». Freiwillig trat sie damals jedoch ihre Heimreise an und packte ihre Koffer. Dies, weil Heidi Klum ihr beim berüchtigten Umstyling nicht verraten wollte, was mit ihren Haaren geschehe. «Ich setzte mich damals selbst zu stark unter Druck und fühlte mich als 18-Jährige schlichtweg überfordert», sagt die 1,80 Meter grosse Luzernerin.

Tattoos als Model: «Eingeschränkt» durch individuellen Look

Was Heidi Klum im deutschen Fernsehen seit 2006 Jahr für Jahr macht, macht nun auch Manuela Frey in der Show «Switzerland’s next Topmodel», dem Schweizer Pendant. «Denn ihr wisst, nur einer kann Switzerland’s next Topmodel werden», sagt denn auch Frey in die Kamera.

Anders als bei der deutschen Version kämpfen jedoch Frauen und Männer um den Titel. Ins Final geschafft hat es auch der 26-jährige Sandro Weder aus Luzern  (zentralplus berichtete). Für viele ist er der heimliche Gewinner. Diverse Medien titelten, dass Weder bereits der klare Favorit sei. zentralplus nutzte die Gunst der Stunde und sieht sich mit Helena Fritz eine Folge von «Switzerland’s next Topmodel» an.

«So jemanden wie Sandro findet man so schnell nicht wieder.»

Helena Fritz, Model aus Luzern

Das Markenzeichen Weders: Sein ganzer Körper ist übersät mit Tattoos. Ein Problem? «Nein, überhaupt nicht», sagt Helena Fritz. «Aussergewöhnliche Typen sind immer mehr gefragt. Und Tattoos gehören für die Identität vieler dazu.» Weder könne sowohl in der High-Fashion- aber auch in der kommerziellen Modewelt als Model gebucht werden, so Fritz. Viele würden Tätowierungen heutzutage begrüssen – wenn auch nicht jeder. Denn bei einem Casting in Mailand hiess es von einem Kunden gegenüber Weder dann schnell: «Mir gefällt dein Gesichtsausdruck, aber wegen deiner Tattoos passt du nicht für diesen Job.»

«Klar ist man als Model mit vielen Tattoos eingeschränkt», sagt nun auch Fritz. «Aber als Model ist man bei einem Kunden nur schon aufgrund des Gesicht ‹eingeschränkt›. Während der eine dein Aussehen mag, passt du bei einem anderen überhaupt nicht auf den Catwalk oder vor die Kamera. Ändern kannst und sollst du dies auch nicht.»

Fritz selbst kennt diese Situation. Wie sie erzählt, ginge es bei einem Casting zumeist nur wenige Minuten. «Du stellst dich vor, läufst und verabschiedest dich.» Nur wenn man Glück habe, werde von einem ein Foto geschossen.

«Keine Marionetten mehr»

Auch für Helena Fritz ist Sandro Weder der Favorit bei der Modelshow. «So jemanden wie ihn findet man so schnell nicht wieder», sagt sie. Das Aussehen Weders sei deshalb so eigen, weil mit den Tattoos eine Härte geschaffen werde, das Gesicht jedoch sehr fein sei. Insbesondere seine blauen Augen hätten etwas «Süsses» und Sympathisches an sich, wie die bodenständige Nebikonerin meint: «Er ist sehr wandelbar, kann sehr taff sein – aber auch wenn er breitgrinsend in die Kamera blickt, kauft man ihm seine Natürlichkeit ab.» Auch auf dem Catwalk könne er überzeugen.

Doch nicht nur das Aussehen sei als Model wichtig, auch der Charakter zähle. Und das stimme beim 26-Jährigen Finalisten. «Mir gefällt seine relaxte und gechillte Art. Sandro ist sehr ehrgeizig, dennoch nimmt er alles sehr gelassen und er wirkt auf mich authentisch», so Fritz.

«Ich habe einmal einen Auftrag abgelehnt, bei dem ich Echtpelz hätte tragen müssen.»

Helena Fritz

Zudem lasse er sich nicht verbiegen. Klar könne er es nicht ändern, wenn einem Kunden seine Tattoos nicht gefallen. Aber darüber stehen zu können und voll motiviert ans nächste Casting zu gehen, sei die Crux. Weder sei ambitioniert für das Model-Dasein, wie Helena Fritz meint. Dieser sagte nach dem Aus beim Casting dann auch schnell: «Ich bin jetzt so wie ich bin und kann es nicht ändern.»

«Sandro ist sehr unkompliziert», so Fritz, die selbst schon an Castings bei der Fashionweek in Paris teilgenommen hat. «Man spürt, dass er viele Erfahrungen als Model gemacht hat und kein Problem hat, in verschiedene Rollen zu schlüpfen.» Als Weder bei einem Shooting Lack-Schnürpumps und ein Rock zugeteilt werden, griff dieser zu, ohne mit der Wimper zu zucken. Anders wie einer seiner Mitstreiter, der sich vehement dagegen sträubte, sich mit knallroten Overknee-Stiefel und einem Glitzer-Tanga zu bekleiden.

Für Fritz ist so etwas jedoch verständlich: «Ein Model darf auch Nein sagen. Die Zeiten, in denen Models Marionetten waren, sind vorbei.» Es sei wichtig, eine klare Message zu vertreten: «Ich finde es wichtig, dass man sich selbst treu bleibt und hinter den Klamotten, die man als Model trägt, stehen kann», sagt die 20-Jährige.

Fritz selbst fahre eine klare Linie. «Ich habe auch schon einen Auftrag abgelehnt, bei dem ich Echtpelz hätte tragen müssen. Als Veganerin kommt das für mich überhaupt nicht in Frage.» Seit einem guten halben Jahr ernährte sich Fritz vegan, um Tierleid zu verhindern. Ihre Verbundenheit zu Natur und Tier hat sie wohl von ihrem Vater, der im Emmental in Bern einen Bauernhof hat. In Nebikon, wo die 20-Jährige mit ihrer Mutter lebt, hat sie eine Katze und einen Pudel.

Helena Fritz darf im November am internationalen «Elite Model Look» teilnehmen.

Helena Fritz darf im November am internationalen «Elite Model Look» teilnehmen.

(Bild: Torvioll// Facebook Elite Model Look)

Modeln oder Matura?

Fritz denkt gerne an ihre Zeit bei «Germany’s Next Topmodel» zurück und bereut ihre Teilnahme nicht. «Aber ich war damals ein wenig blauäugig», sagt sie. Vieles würde sie heute anders machen: «Es war damals naiv von mir, alles hinzuschmeissen. Und auf etwas zu setzen, bei dem ich noch keine Erfahrungen hatte, geschweige denn die Gewissheit hatte, mir als Model eine Zukunft aufbauen zu können.»

Weil sie damals gedacht hat, dass sich Modeln und Schule nicht vereinbaren lassen, hat sie das Gymnasium abgebrochen. Auch eine begonnene Schauspiel- und Musicalschule brachte sie nicht zu Ende. Es sei nicht das Richtige gewesen, sagt Fritz. Deshalb hole sie nun ihre Matura im Selbststudium nach. Später strebe sie ein Studium in Psychologie oder Literaturwissenschaften an. Denn in ihrer Freizeit liest die 20-Jährige gerne und schreibt an ihrem eigenen Fantasy-Roman.

Jedoch ist das Modeln keineswegs vom Tisch. Dieses Jahr hat Fritz den Elite Model Look 2018 gewonnen (zentralplus berichtete). Im Januar steht das grosse Weltfinale in Gran Canaria an. «Ich will alles geben, sodass ich am Ende mit meiner Leistung zufrieden bin», sagt Fritz. «Falls ich gewinnen würde, würde ich wahrscheinlich vermehrt aufs Modeln setzen.»

Auch für Helena Fritz ist der Luzerner Kandidat Sandro Weder bei «Switzerland’s next Topmodel» der Favorit.

Auch für Helena Fritz ist der Luzerner Kandidat Sandro Weder bei «Switzerland’s next Topmodel» der Favorit.

(Bild: ida)

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