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Wellnesstempel statt Sportstätte – geplant für Auswärtige
  • Gesellschaft
Im Ägerital entsteht ein neues Wellness- und Erlebnisbad. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Bäderprojekt in Ägeri Wellnesstempel statt Sportstätte – geplant für Auswärtige

5 min Lesezeit 12.08.2013, 06:00 Uhr

Die Wasserballer des Schwimmclub Frosch Ägeri kämpfen regelmässig um den Schweizermeistertitel. Dabei steht ihnen zuhause nicht einmal eine Halle für das Training zur Verfügung. Jetzt soll im Ägerital ein Hallenbad entstehen – aber es wird viel kleiner, als von den Sportlern erhofft. Als Sportstätte eher ungeeignet, soll das Bad mit seinem Wellness- und Freizeitbereich zu einem Ausflugsziel werden. Daran beteiligt: Ein Berater aus dem Umfeld eines direkten Konkurrenten.

«Manchmal haben wir Mühe, im See eine Wassertemperatur von 20 Grad zu gewährleisten», sagt Peter Braunreiter, der Präsident des Sportvorstand des SC Frosch Ägeri. Mit diesem ironisch wirkenden Satz fasst er die Problematik des Schwimmclubs in Worte: Es fehlt in Ägeri an einem geeigneten Trainingsort für die kalten Tage.

Beim Ausfluss des Ägerisees in Unterägeri befinden sich das Vereinshaus und das Wasserballfeld des Klubs. Hier werden in der warmen Jahreszeit Wettkämpfe der unteren Ligen ausgetragen, hier trainiert man, solange es möglich ist und hier führt man Mitte August das grosse Plauschturnier durch, welches dem Verein als Hauptevent Geld in die Kasse spült und für Goodwill bei Sponsoren und Bevölkerung sorgt.

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Zum Training nach Zürich und Rothenthurm

Ist die Badesaison vorbei, müssen die Spieler in eine Halle wechseln. Allerdings gibt es im Ägerital bekanntlich kein Hallenbad. Im gesamten Kanton herrscht ein Mangel an beheizter Wasserfläche. Deswegen müssen die Spitzenmannschaften von Frosch Ägeri zum Training bis nach Zürich fahren. «Pro Weg sind das jedesmal 35 Minuten», sagt Braunreiter. Auch für die Wettkämpfe in der nationalen Meisterschaft steigen die Frosch-Spieler in den Bus oder ins Auto, denn diese finden im Schwimmbad Lättich in Baar statt, wo das einzige 50-Meter-Becken des Kantons Zug steht.

Selbst den Junioren wird einiges zugemutet: Sie werden zum Training über den zeitweise tief verschneiten Ratenpass chauffiert und fahren übers Moor nach Rothenthurm im Kanton Schwyz, wo sie das kleine Lehrschwimmbecken im Schulhaus benützen. Manchmal ist auch abends in Zug eine Halle frei. So oder so kommen die Kinder im Winter erst um 22 Uhr nach Hause. «Das ist einfach zu spät», ärgert sich Braunreiter. «Versuchen Sie einmal den Eltern eines Zehnjährigen schmackhaft zu machen, dass ihr Kind Wasserball spielen soll, wenn es zu solchen Zeiten trainieren und am nächsten Morgen trotzdem in die Schule gehen muss.»

Die Klagen der Vereinsverantwortlichen haben in den vergangenen Jahren die Diskussion um den Bau eines Hallenbads im Ägerital immer wieder angeheizt. Nun soll ein solches Bad gebaut werden. Im Frühjahr orientierten die Gemeinden Oberägeri und Unterägeri über ihr Projekt eines Erlebnisbades, das für 36 Millionen Franken auf dem Areal des heutigen Strandbades Oberägeri enstehen soll.

Zuwenig Platz für ein reguläres Wasserballfeld

Geplant ist ein Hallenbad, das ausser einem eigentlichen Schwimmbecken ein Kinderplanschbecken, ein Warmwasser-Aussenbecken, eine Rutschbahn, ein grosszügiger Wellness-Bereich und ein Restaurant umfasst. Allerdings lässt sich ein reguläres Wasserballfeld, das 30 auf 20 Meter misst, darin nicht ausstecken, denn das neue Becken ist in einer Länge von 25 Meter und einer Breite von 20 Meter (8 Bahnen) geplant.

Freizeitspass lockt mehr Besucher an

Der Grund: Die Ägeritaler Gemeinden wollen nur eine festgelegte Maximal-Summe investieren und sind von der Idee abgekommen, ein reines Schwimmbad für die 1’400 Ägerer Schulkinder, Sportbegeisterte und den Schwimmverein zu bauen. «Ein Wellness- und Erlebnisbad verspricht mehr Besucher und lässt sich über Eintrittspreise besser finanzieren», sagt Thomas Spengler. Der Schaffhauser ist der Präsident des schweizerischen Verbands der Hallen- und Freibäder und berät seit Jahren Gemeinden bei der Konzeptionierung und beim Bau von Bädern – so auch Unter- und Oberägeri.

Pikant ist, dass Spengler gleichzeitig auch Direktor des Freizeitparks Schaffhausen ist. Dort trainieren und spielen die Wasserballer des SC Schaffhausen, ein direkter Konkurrent von Frosch Ägeri. Die Schaffhauser Herrenmannschaft gewann im Frühsommer die zweite Wasserball-Liga und stieg auf. Im Herbst wird sie daher in der höchsten Spielklasse auf Frosch Ägeri treffen. Erst kürzlich erklärte Thomas Spengler in den «Schaffhauser Nachrichten», dass der SC Schaffhausen gegenüber anderen Vereinen einen grossen Vorteil habe, was den Trainingsbetrieb anbelangt: «In Schaffhausen sind die Bedingungen schweizweit am besten.» Das 50-Meter-Becken wird im Winter überdacht und steht den Athleten so das ganze Jahr zur Verfügung.

Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass nun ausgerechnet Spengler mit seiner Beratertätigkeit dafür sorgt, dass Frosch Ägeri keine optimalen Bedingungen erhält.

Nochmal 10 Millionen wäre zu viel

Spengler weist jedoch jeden Zusammenhang zwischen dem SC Schaffhausen und dem Ägeritaler Bäderprojekt zurück. Er sei kein Mitglied des SC Schaffhausen. «Als Berater bin ich absolut neutral und versuche nach bestem Wissen und Gewissen ein für den jeweiligen Ort optimales, aber gleichzeitig auch finanzierbares  Projekt zu entwickeln.»

Josef Ribary, Gemeindepräsident von Unterägeri, nimmt Spengler in Schutz: «Schaffhausen ist eine Stadt mit 37‘000 Einwohnern und mit dem Ägerital und seinen 13‘000 Einwohnern nicht zu vergleichen.» Ein Schwimmbecken mit einer Breite von 13 Bahnen (32,5 Metern) wie man es anfangs in Erwägung gezogen habe, sei fürs Ägerital nicht zu finanzieren. «Das kostet noch 10 Millionen Franken mehr.» Das vorliegende Projekt weise das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis auf.

Ribary ist überzeugt, dass das Erlebnisbad, das gleich neben einem Busknotenpunkt liegen wird und Seeanstoss hat, für Besucher ein attraktives Package darstellt. Das glaubt auch sein Kollege Pius Meier, Gemeindepräsident von Oberägeri. «Durch die Nutzung für Sport, Freizeit und Wellness steigert sich für die Ägeritaler Bevölkerung die Lebensqualität», sagt er.

Nicht nur für Ägeritaler, ist man versucht zu ergänzen. Das bestehende Strandbad in Oberägeri ist heute schon ein Geheimtipp für Familien. Mit dem Erlebnisbad könnte die Bekanntheit steigen und Besucher aus der ganzen Zentralschweiz anziehen. So wie es das Hallen- und Freibad Lättich in Baar heute schon tut, das von zahlreichen Luzernern, Aargauern und Zürchern besucht wird.

Ausnahmebewilligung für Heimspiele?

Nächstes Jahr kommt die Vorlage  an die Urne. Die Gemeindevertreter sind guter Dinge: «Die Stimmung ist gut», sagt Pius Meier. In den vergangenen Monaten hat man auch die Enttäuschten und Zweifler bei SC Frosch Aegeri mit einigem Aufwand vom Erlebnisbad überzeugt. Mittlerweile steht der Schwimmclub voll hinter dem Projekt. «Mit dem Bad können wir 100 Prozent der Trainings und 80 Prozent der Wettkämpfe abdecken», sagt Peter Braunreiter. Möglichweise erhalte man vom Verband auch eine Ausnahmebewilligung, damit man die Heimspiele in der höchsten Spielklasse trotzdem in der Ägerer Halle abhalten könne. «Sonst fahren wir halt weiter nach Baar», sagt Braunreiter. «Für den Verein ist dieses Projekt überlebenswichtig, da spielen die paar Meter Beckenlänge mehr oder weniger keine Rolle», sagt er.

Wichtig seien die Fortschritte. Auch wenn das Bäderprojekt im kommenden Jahr genehmigt werde, so dauere es nochmal einige Jahre, bis das Hallenbad in Betrieb genommen werden könne. Bis dahin trainieren die Spitzensportler aus dem Zuger Hochtal weiter in Zürich und die Junioren fahren wie bisher über den Berg nach Rothenthurm.

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