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Welche FCL-Spieler hat Häberli besser gemacht?
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FCL-Captain Pascal Schürpf freute sich darauf, mit Thomas Häberli (rechts) in eine ganze Saison steigen zu können – jetzt steckt er in einer Schaffenskrise. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Mit dem FCL-Trainer auf rasanter Talfahrt Welche FCL-Spieler hat Häberli besser gemacht?

7 min Lesezeit 11 Kommentare 13.11.2019, 10:56 Uhr

Den FC Luzern hat Thomas Häberli seit seinem Jobantritt im Februar nicht weiterentwickeln können. Dieses Zeugnis stellt ihm kein Geringerer als sein Vorgesetzter Remo Meyer aus. Aber auch bei der individuellen Förderung der FCL-Spieler sieht Häberlis Zwischenbilanz nicht besser aus.

Wer wird den FCL, der zuletzt drei Niederlagen gegen Neuchâtel Xamax, Lugano und Aufsteiger Servette kassierte, im nächsten Auswärtsspiel am 23. November gegen den FC Zürich coachen? Nach dem Exklusivinterview von FCL-Sportchef Remo Meyer auf zentralplus liegt es auf der Hand: wenn Meyer genug viele der heillos zerstrittenen FCL-Aktionäre hinter seine Einschätzung scharen kann, sind die Tage von Thomas Häberli als Trainer der Luzerner gezählt.

Denn inhaltlich gibt es wohl keine Argumente, um Meyers Kritik an Häberli zu entkräften (zentralplus berichtete). Der Sportchef stellte am Tag nach dem 1:2 gegen Servette fest: «Das Potenzial der Mannschaft wurde nicht ausgeschöpft.»

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Zeit also, sich mit den einzelnen Spielern und deren Leistungskurven zu befassen. In erster Linie berücksichtigt wurden dabei Protagonisten, die schon beim Jobantritt von Thomas Häberli am 21. Februar dieses Jahres zum Kader der 1. Mannschaft gehörten:

Die Verteidiger

  • Silvan Sidler: Junge Spieler dürfen Fehler im Pass- und Stellungsspiel machen. Das gehört zum Entwicklungsprozess. Doch beim 21-jährigen Aussenverteidiger scheint sich kein Lerneffekt einzustellen. Obwohl Sidler zur aktuellen U21 der Schweiz gehört, scheint er in diesen Tagen, Wochen und Monaten mit dem Niveau der Super League überfordert zu sein. Formstand: 👎🏻
  • Otar Kakabadze: Der georgische Internationale bringt Zug nach vorne und wurde deshalb von Häberli gelegentlich ins Mittelfeld beordert. Aber der Feind seines Tempos sind die eigene Technik und Übersicht. Darum enden viele Aktionen des 24-Jährigen letztlich im Nichts. Formstand: 👉🏻
  • Lucas Alves: Er hat unter Häberlis Ägide noch kein Meisterschaftsspiel verpasst. Der über 1,90 Meter grosse Brasilianer ist der Turm der Abwehr und so etwas wie der Lieblingsspieler des FCL-Trainers. Alves hat vor beiden Toren die Lufthoheit und kann kompromisslos aufräumen. An ihm muss ein Gegenspieler erst mal vorbeikommen. Sportlich erleben wir wohl gerade den besten Alves, seit der Innenverteidiger im Januar 2017 zum FCL gestossen ist. Sein grösstes Defizit: Der 27-Jährige ist technisch zu limitiert, um einen gepflegten Angriff auslösen zu können. Formstand: 👍🏻
  • Stefan Knezevic: Das grösste Verteidiger-Talent der Luzerner ist noch ein ziemliches Stück entfernt von dem Leistungsvermögen, das ihn vor dem Kreuzbandriss im letzten Dezember ausgezeichnet hat. Seine Fehlerhaftigkeit im Defensivspiel ist ungewohnt hoch und offensiv findet der 23-jährige Innenverteidiger praktisch nicht mehr statt. Knezevic kann viel mehr und hat das Zeug zum Denker und Lenker der FCL-Abwehr. Formstand: 👎🏻
  • Lazar Cirkovic: Der 27-jährige Serbe hat seinen Stammplatz an Knezevic verloren, weil er mit seiner Behäbigkeit und Fehleranfälligkeit ein noch grösseres Risiko fürs Luzerner Tor darstellt. Von einem ehemaligen Perspektiv- hat er sich zu einem Ergänzungsspieler entwickelt. Einer der Verlierer unter Häberli. Formstand: 👎🏻
  • Christian Schwegler: Der 35-jährige Routinier hat einst mit seinem Trainer bei den Young Boys gespielt, als Häberli noch Stürmer war. Im Wissen um seine Führungsqualitäten im Team und seine solide Arbeit hat die sportliche Führung seinen Vertrag im Sommer um ein Jahr verlängert. So lange die jüngeren Konkurrenten nicht besser sind als er, ist Schwegler unverzichtbar. Derzeit fehlt der Ettiswiler wegen einer Knieverletzung. Formstand: 👉🏻
  • Simon Grether: In seinem Fall müssen wir Häberli und wohl jeden anderen Trainer in Schutz nehmen. Grethers fussballerischen Qualitäten sind derart enge Grenzen gesetzt, dass eine Weiterentwicklung auszuschliessen ist. Formstand: 👉🏻

Die Mittelfeldspieler

  • Pascal Schürpf: Zieht ihn die Bürde des Captainamtes runter? Oder was ist bloss mit dem FCL-Vorkämpfer los? Noch im Mai sagte Schürpf zu zentralplus: «Häberlis offensive Art, Fussball spielen zu lassen, kommt mir sehr entgegen.» Doch jetzt ist der 30-Jährige nur noch ein Schatten seiner besten FCL-Tage. In der aktuellen Statistik liest sich das so: 14 Meisterschaftsspiele, 1 Tor, 2 Assists. In der letzten Saison waren es 9 Tore und 9 Assists in 34 Matches, davor 11 Tore und 5 Assists in 22 Partien. Leidet er unter dem aktuellen 4-4-2-System mit den offensiven Freigeistern Margiotta und Ndiaye? Formstand: 👎🏻
  • Idriz Voca: Im defensiven Mittelfeld der Luzerner ist er ein Abfangjäger. Aber er kann dem Offensivspiel keine Impulse verleihen. Dafür ist sein Passspiel zu limitiert. Mittlerweile traut sich der 22-jährige Vizecaptain nicht einmal mehr zu, einen Distanzschuss anzubringen. Er bringt schlicht nicht das Leistungsvolumen, um schon ein Leader des FCL sein zu können. Unter Häberli hat Voca stagniert. Der vom Fussballportal Transfermarkt.ch geschätzte Marktwert des Kosovo-Internationalen von rund 4,5 Millionen Franken entspringt dergestalt wohl eher einer fantastischen Träumerei als der Realität. Formstand: 👉🏻
  • Marvin Schulz: Der Deutsche hat sich in der letzten Saison zu einem Leistungsträger im FCL aufgeschwungen. Er kann im Mittelfeld für defensive Stabilität sorgen und mit seiner Wucht und seinem Distanzschuss in der Offensive Gutes tun. Aber Häberli hat Schulz mit seinem missglückten Plan, ihn zu einem Aussenläufer zu machen (zentralplus berichtete), den Schwung genommen. Sein Leistungsabfall schmerzt den FCL. Seit drei Spielen fehlt der 24-Jährige verletzungsbedingt. Formstand: 👎🏻
  • William Tsiy Ndenge: Thomas Häberli und der im Sommer 2018 trotz Verletzung neuverpflichtete Ndenge feierten gemeinsam ihren FCL-Einstand beim 1:1 gegen den FC Zürich – und der dunkelhäutige Spieler wusste sogleich mit seinem gepflegten Passspiel und seiner Übersicht im Mittelfeld zu überzeugen. Ndenge mauserte sich zu einer festen Grösse im Team, bis ihn im YB-Heimspiel (2:2) Anfang September abermals eine Knieverletzung ausser Gefecht setzte. Dieser Match bedeutete für ihn auch aus einem zweiten Grund Ungemach: Häberli stellte sein System von da an von einem 4-2-3-1 auf ein 4-4-2 um. Beim aktuellen Personalangebot ist das kein Vorteil für den Deutschen. Formstand: 👎🏻
  • Eric Tia: Er kam als Ergänzungsspieler und wird, ob unter Häberli oder einem anderen Übungsleiter, kaum je über diese Rolle hinauskommen. Der 22-Jährige ist zwar schnell und wendig, aber für Mitspieler hat er kein Auge. Formstand: 👉🏻

Die Stürmer

  • Blessing Eleke: Häberli hat es verpasst, den 23-Jährigen Nigerianer zur Brust zu nehmen, als er in der Startphase der Saison ein erstes Mal aufmüpfig wurde. Mittlerweile scheint so viel vorgefallen zu sein zwischen dem wuchtigen Mittelstürmer, der letzte Saison 13 Tore und 4 Assists in 32 Meisterschaftsspielen machte, und dem Trainer, dass man sich gegenseitig die kalte Schulter zeigt. Eleke kriegt auf dem Platz kaum mehr etwas Vernünftiges hin, falls er das überhaupt noch will. Aber wer soll für den FCL die Tore schiessen? Häberli hat im Fall Eleke kein gutes Handling bewiesen – weder für sich selber noch für das sportliche Wohl seines Arbeitgebers. Formstand: 👎🏻
  • Shkelqim Demhasaj: Auch der zweite gelernte Mittelstürmer hat sich unter dem früheren Goalgetter Thomas Häberli rückwärts entwickelt. Man muss dabei aber auch sagen: Demhasaj, dessen Vertrag am Ende dieser Saison ausläuft, hat keine der wenigen Chancen nutzen können, um sich zu empfehlen. Mittlerweile ist er zwischen Stuhl und Bank gefallen – in den letzten sechs Spielen kam er, wenn überhaupt, nur noch im einstelligen Minutenbereich zum Einsatz. Formstand: 👎🏻

Die Verstärkungen von Meyer

Mit Goalie Marius Müller, Flügelläufer Ibrahima Ndiaye und Offensivspieler Francesco Margiotta hat FCL-Sportchef Remo Meyer drei interessante Verstärkungen nach Luzern geholt. Ryder Matos hingegen erweckte bislang nicht den Eindruck, mehr als eine Ergänzung zu sein und Remo Arnold als auch Salah Aziz Binous sind derzeit verletzt.

Man darf getrost festhalten: Ohne Müller sähe die sportliche Situation für Häberlis Team noch trister aus. Und Ndiaye hat den Abgang von Ruben Vargas zu Bundesligist Augsburg gut abfedern können.

Die passende Rolle für Margiotta hat Häberli indes noch nicht gefunden. Der Italiener ist kein klassischer Goalgetter, doch das will der Trainer offensichtlich nicht akzeptieren. Immer wieder lässt er Margiotta als Sturmspitze statt als Vorbereiter hinter einem Mittelstürmer laufen.

Mit Darian Males steht Häberli eine vielversprechende Begabung aus dem eigenen Nachwuchs für die Offensivabteilung zur Verfügung – und damit eine Alternative zu Margiotta. Aber es geht nicht auf, beide gleichzeitig im Sturmzentrum spielen zu lassen.

Sicher ist: Häberlis Konstrukt hat bislang weder Meyer noch die immer weniger werdenden Zuschauer in der Swissporarena überzeugen können. Dem 45-jährigen Ballwiler gelingt es in seinem ersten Job als Cheftrainer offensichtlich nicht, den Spielern Lösungsansätze mit aufs Feld zu geben.

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11 Kommentare
  1. Nemo, 14.11.2019, 16:27 Uhr

    Vielleicht zuerst Remo Meyer in die Wüste schicken und Häberli noch etwas Zeit geben.
    Aber was mich richtig nervt, dieses Getue von Alpsteag!

  2. weissblau1910, 14.11.2019, 07:31 Uhr

    Mir ist es ehrlich gesagt ein Rätsel, warum Herr Ineichen immer noch für ein Regionalmedium schreibt und nicht schon längst die grossen Medienhäuser auf ihn aufmerksam geworden sind. Seine Artikel sind immer sehr kompetent und zeugen von grossem Fussballwissen! Einzig so lächeln wie auf dem Profilbild hab ich ihn leider noch nicht gesehen (auch nicht wenn der FCL gegen YB 4:0 gewonnen hat) 🙂

  3. Basil Bühler, 13.11.2019, 14:20 Uhr

    Sehr geehrte Damen und Herren

    Mir ist bewusst, dass man in einem doch auch der Unterhaltung verpflichteten Regionalmedium auch mehr als nur sportliche Statistiken zu einzelnen Akteuren des FCL notieren kann. Doch wieviel die Information zur Hautfarbe William Tsiy Ndenges zu der Einordnung des Leistungsstandes des Spielers beiträgt, ist mir doch sehr schleierhaft.

    Freundliche Grüsse

    Basil Bühler, hellhäutiger Leser

    1. weissblau1910, 14.11.2019, 07:38 Uhr

      Diese Bemerkung fand ich allerdings auch eher fragwürdig….

  4. Kaufmann, 13.11.2019, 14:10 Uhr

    Die Qualität dieses Berichts lässt sich an der Beurteilung von Marwin Schulz ablesen. Bis zu seiner Verletzung war Marwin ein echter Führungsspieler. Meine Frage an Herr Andreas Ineichen: Haben Sie eine Ausbildung oder Erfahrung im Leistungssport oder gar im Fussballsport?
    Häbi hat Pech mit den vielen Verletzten, wie andere Trainer auch. Ihm aber fehlen Alternativen!

    1. Aratim, 13.11.2019, 14:43 Uhr

      Haben Sie den Abschnitt zu Marvin Schulz richtig gelesen? “Der Deutsche hat sich in der letzten Saison zu einem Leistungsträger im FCL aufgeschwungen.”

      Ich bin absolut der Meinung von Herr Ineichen – Schulz zeigt niemals die Leistungen der letzten Saison seit Häberli als Trainer beim FCL aktiv ist und Schulz unter anderem als Flügelspieler aufgestellt hat.

  5. Hansjörg Kaufmann, 13.11.2019, 14:08 Uhr

    Die Qualität dieses Berichts lässt sich an der Beurteilung von Marwin Schulz ablesen. Bis zu seiner Verletzung war Marwin ein echter Führungsspieler. Meine Frage an Herr Andreas Ineichen: Haben Sie eine Ausbildung oder Erfahrung im Leistungssport oder gar im Fussballsport?
    Häbi hat Pech mit den vielen Verletzten, wie andere Trainer auch. Ihm aber fehlen Alternativen!

  6. Karl ottiger, 13.11.2019, 13:41 Uhr

    Was Andreas Ineichen geschrieben hat sehen viele meiner Fussballfreunde auch so und meine Fussballfreunde haben in der gleichen Liga gespielt wie Häberli und Meyer

  7. Karl ottiger, 13.11.2019, 13:32 Uhr

    Es ist nicht nur der Zeitpunkt gekommen wo man nur über den Trainer reden muss es ist auch Zeit das man sich Gedanken macht welche Spieler kann man noch weiter entwickeln und welche schiebt man ab in die Ligen wo sie eigentlich von der Leistung her hingehören so wie die Spiele laufen hat es ein paar Spieler die sind nicht superlig tauglich also macht der Sportchef auch nicht so eine glückliche Figur obwohl er mit der Potential frage seinen Kopf retten wollte

    1. weissblau1910, 14.11.2019, 07:24 Uhr

      Da will der Ottiger Kari wohl seinen Freund René Van Eck ins Spiel bringen, der zweifellos eine valable Lösung wäre. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass sich der FCL beim SC Kriens bedienen wird und Bruno Berner an Bord holt.

    2. Ottiger Karl, 14.11.2019, 11:31 Uhr

      Nein ich will nicht René als Trainer beim FCL als Freund von René würde ich es ihm abraten sich je einmal auf die Bank von Luzern zu setzten was er mit Luzern erreicht hat war damals einmalig und das soll auch so bleiben in der momentanen Situation musst du eigentlich mit Häberli weiter arbeiten und hoffen das er mit den selbsternanten Profis die Kurve kriegt oder wir machen einen Neustart eine Liga tiefer dann wird sich bei den Investoren auch der Spreu vom Weizen trennen.