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Weinflaschen: Zug sammelt, Luzern hat aufgegeben
  • Wirtschaft
Das ist einer von hunderten Weinflaschenbehältern, die aus dem Kanton Zug nach Wettswil geliefert werden. (Bild: Raphael Zemp)

Recycling ist zu teuer Weinflaschen: Zug sammelt, Luzern hat aufgegeben

3 min Lesezeit 2 Kommentare 16.08.2019, 16:15 Uhr

Die Gemeinde Unterägeri war die Vorreiterin im Kanton Zug. Sie sammelt schon seit 1993 Mehrwegflaschen. Ihrem Beispiel folgten fünf weitere Gemeinden. Aber wieso ist dieses Recycling in Luzern abgeschafft worden?

Sechs Zuger Gemeinden stellen nebst konventionellen Altglascontainern auch Sammelgitter für ganze Weinflaschen zur Verfügung. Es sind dies: Cham, Hünenberg, Menzingen, Steinhausen, Unterägeri und Walchwil. Die Annahme erfolgt dabei stets in betreuten und überwachten Ökihöfen.

Vorreiterin war die Gemeinde Unterägeri, wo schon seit 1993 Mehrwegflaschen gesammelt werden. Ihrem Vorbild folgten bald weitere Gemeinden. Inzwischen aufgegeben wurde lediglich die Sammelstelle in der Stadt Zug – aus Platzgründen.

Teurer als konventionelle Glassammlung

Die Zuger Sammelstellen liefern pro Jahr aktuell rund 400 Tonnen Weinflaschen an die Vetrum AG im zürcherischen Wettswil (zentralplus berichtete). Diese Menge ist über die letzten Jahre relativ stabil geblieben – und macht fast einen Fünftel dessen aus, was das Zürcher Sortier- und Reinigungswerk jährlich verwertet. Dabei könnte der Zuger Beitrag noch grösser sein, denn noch immer landen viele Weinflaschen im Container statt im Sammelgitter.

Das weiss auch Hans Ulrich Schwarzenbach, Geschäftsführer des Zweckverbands der Zuger Einwohnergemeinden für die Bewirtschaftung von Abfall (ZEBA). Er bekräftigt zwar, Mehrwegglas sei eine «gute regionale Lösung», wenn auch teurer als die konventionelle Glassammlung. Forcieren wolle man den umweltfreundlicheren Weg aber nicht. Denn letztlich soll der Entsorger entscheiden, ob er die ökologischere oder die ökonomischere Variante bevorzuge.

Stadt Luzern: «finanziell uninteressant»

Auch in der Stadt Luzern wurden einst Weinflaschen separat gesammelt – aus ökologischen Gründen. Zwischen 1995 und 2005 standen dazu an bis zu 40 Sammelstellen offene Gitterpaletten zur Verfügung. Eine Reihe von Faktoren führte allerdings dazu, dass die Stadt Luzern das Projekt als «finanziell uninteressant» taxierte und schliesslich aufgab.

Zum einen schloss das Glasreinigungswerk in Littau, was längere und teurere Transportwege zur Folge hatte. Wobei das neu belieferte Werk Vetrum in Wettswil (ZH) erst noch höhere Annahmegebühren verlangt habe, sagt Othmar Fries vom Stadtluzerner Strasseninspektorat.

Sammelarbeit erwies sich als «sehr arbeitsintensiv»

Zudem habe sich die Sammelart als «sehr arbeitsintensiv» erwiesen: In den offenen Gitterpaletten landete vieles, was dort nicht hingehörte. «Von Bier- über Cola- bis hin zu Petflaschen.» All das habe man jeweils von Hand aussortiert, so Fries. Nur damit im Reinigungswerk ein Grossteil davon trotzdem als Scherben endeten. Zu guter Letzt wurden immer wieder auch Fälle von Vandalismus beklagt.

Allen ökologischen Vorteilen zum Trotz: Eine Wiedereinführung einer separaten Weinflaschensammlung steht nicht zur Diskussion. Das sagt Yudi Seren, Kommunikationsverantwortliche von Recycling Entsorgung Abwasser Luzern (REAL), jenes Unternehmen, das heute die Sammelstellen der Stadt Luzern sowie 21 andere Luzerner Gemeinden bewirtschaftet. Zu tief sei der Wiederverwertungsgrad, zu aufwändig die Sammellogistik. Zudem gäbe es keine Normierung der Flaschen im Weltmarkt.

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2 Kommentare
  1. Jean-P. Vogel, 17.08.2019, 17:05 Uhr

    Das ist wieder einmal Typisch. Es geht immer nur um das liebe Geld. Ökologie ist halt nur auf dem Papier oder vor Wahlen/Abstimmungen interessant. Und wer denkt, dass man heutzutage die Menschen über gudwill zum Ökologischem Denken bringt, lebt sicher nicht in der hiesigen Gesellschaft. Die Lenkung kommt, wenn, nur über das Portemonnaie oder harte Masnahmen. Sichet nicht, oh das ist zu Teuer. Im Moment scheint das sicher so, aber die richtige gesalzene Rechnung bekommen wir bestimmt, nur erst in 10 – 20 Jahren. Ah ja, dann sind “wir” ja nicht mehr in der Regierung…

  2. Sigmund Sig, 17.08.2019, 12:55 Uhr

    Vertum bekommt eine Entsorgungsgebühr pro 500cl Flasche 5 Rappen 750 ml 7 Rappen ,500 ml hat ein Gewicht von 380 Gr 750 ca 500 bis 600 Fr ,da wird dann richtig abkassiert