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Wegen Rassismus auf dem Fussballplatz: Polizeieinsatz im Krienser Kleinfeld
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Im Krienser Kleinfeld werden am Freitag gegen Kroatien und am Montag gegen Italien an die 3'000 Besucher erwartet. (Bild: jal)

Eskalation bei Freizeitfussballspiel am Wochenende Wegen Rassismus auf dem Fussballplatz: Polizeieinsatz im Krienser Kleinfeld

4 min Lesezeit 2 Kommentare 22.10.2018, 13:47 Uhr

Ein Mann soll vergangenen Samstag bei einem Freizeitfussballspiel auf dem Krienser Kleinfeld einen Jugendlichen rassistisch beschimpft haben. Nun geht ein Verdacht um: War es ein Trainer des SC Kriens? Der Verein will davon nichts wissen.

Rassismus im Fussball ist die hässliche Seite des emotionsgeladenen Sports. Nicht selten kommt es zumindest auf internationaler Ebene vor, dass Fans Affenlaute an farbige Spieler richten. Oder dass ein Spieler nach einem verschossenen Penalty oder einem Foul rassistisch beschimpft wird.

Die Fifa kämpft seit Jahren dagegen an. Im April 2018 eröffnete sie beispielsweise ein Disziplinarverfahren wegen Rassismus-Verdacht. Dies, weil russische Fussballfans im Spiel gegen Frankreich im April 2018 Affenlaute von sich gegeben hatten.

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Auch vor lokalen Fussballspielen scheint Rassismus nicht Halt zu machen. Denn nun gibt es happige Vorwürfe gegen den SC Kriens, die auf diesen Bereich zielen.

Mann beschimpft Jungen als Affen

In der Facebook-Gruppe «Du besch vo Kriens wenn …» schildert eine Frau einen Vorfall, der sich laut ihr bei einem Juniorenspiel des Clubs vergangenen Samstag ereignet haben soll. Neben dem eigentlichen Spiel habe auf der anderen Seite des Feldes eine Gruppe Kinder miteinander gespielt.

«Ich habe gespannt das Spiel verfolgt, als im Hintergrund ein Streit entfachte», schreibt sie. «Ein Trainer vom Krienserclub beschimpfte den schwarzen Jungen als ‹Neger› und sagte nochmals laut: ‹Wenn ich eine Banane werfen würde, würdest du wie ein Affe springen›.» Der Mann soll daraufhin Tierlaute von sich gegeben und den Jungen als Affen beschimpft haben.

Die Situation sei daraufhin aus den Fugen geraten. Die Frau, die den Vorfall auf Facebook erzählt, sei dazwischengegangen – und daraufhin selbst beleidigt und bedroht worden. Sie zeigt sich sichtlich erschüttert: «Ich lebe seit zehn Jahren hier in der Gemeinde und bin entsetzt, dass Rassismus auf dem Fussballfeld noch ein Thema ist.»

Polizei bestätigt Einsatz

Gestritten wird in den sozialen Medien auch darüber, ob ein Trainer des SC Kriens selbst für die rassistischen Bemerkungen verantwortlich ist. Scheinbar habe der Mann, der den Jungen rassistisch angegriffen haben soll, ein T-Shirt des SC Kriens getragen. Auf Facebook gehen die Meinungen kontrovers auseinander. «Der Mann ist ein Trainer, die Junioren, die gespielt haben, haben es bestätigt», schreibt eine Frau, während eine andere ihr vehement widerspricht.

Die Luzerner Polizei bestätigt, dass sie am Samstag in Kriens vor Ort war und eine Patrouille ausgerückt ist. Sie seien informiert worden, dass sich eine Person gegenüber jemand anderem rassistisch geäussert habe. Beim Eintreffen der Polizei habe sich der «Störenfried» jedoch bereits wieder aus dem Staub gemacht. «Die Polizei hat die Sachverhalte entgegengenommen und die Beteiligten auf ihre rechtlichen Möglichkeiten hingewiesen», sagt Kurt Graf, der Pressesprecher der Luzerner Polizei. «Es wird sicherlich eine Anzeige gegen Unbekannt erfolgen, bewahrheitet sich der Vorfall», so Graf weiter. «Denn Rassismus ist ein Offizialdelikt.»

SC Kriens klärt Vorfall ab – Nulltoleranz gegenüber Rassismus

«Der Vorfall ereignete sich nicht während eines Juniorenspiels des SC Kriens, sondern beim Freizeitfussball im Kleinfeld auf Platz drei», stellt Thomas Tobler, Kommunikationsverantwortlicher des Vereins, klar. Dieser Platz werde der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Der Verein leitet nun Gespräche mit den Beteiligten ein, um sich selbst ein Bild des geschilderten Vorfalls zu machen. «Was sich konkret ereignet hat, wissen wir im Moment nicht», sagt Tobler. Er selbst sei per Facebook über den Vorfall informiert worden.

Tobler hofft natürlich nicht, dass ein Trainer des SC Kriens für den Vorfall verantwortlich ist. «Wenn sich der Vorfall aber bestätigt wie auf Facebook geschildert, ist dies ein absoluter Einzelfall.»

Und weiter: «Wir pflegen eine absolute Nulltoleranz gegenüber Rassismus.» Und davon habe jeder Junior, jeder Trainer und auch die Junioreneltern Kenntnis: «In einem Verhaltenskodex hält der Verein fest, dass keine Form von Gewalt und Diskriminierung toleriert wird. Dieser Verhaltenskodex wird von allen Spielern und Trainern unterschrieben und ist für alle verbindlich.»

Auch sei man sich der Konsequenzen eines Regelbruchs bewusst: Wer gegen diese Vereinsrichtlinien verstösst, muss im schlimmsten Fall mit dem Ausschluss aus dem SC Kriens rechnen. Wird der Vorfall bestätigt und der Unbekannte gefunden, kann diesem eine saftige Busse aufgebrummt werden. Bei rassistischen Beschimpfungen droht in der Schweiz eine Geldstrafe von bis zu 90 Tagessätzen.

So wurde auf Facebook rund um den Rassismus-Vorfall beim Freizeitfussballspiel auf dem Krienser Kleinfeld diskutiert:

Auf sozialen Medien wird der Vorfall bereits kontrovers diskutiert.

Auf sozialen Medien wird der Vorfall bereits kontrovers diskutiert.

(Bild: Screenshot Facebook-Gruppe «Du besch vo Kriens wenn …»)

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2 Kommentare
  1. Thomas Felder, 22.10.2018, 17:31 Uhr

    Sorry, die Medien sind für mich unmöglich. Eine Geschichte, welche sicher nicht vorkommen darf. Jedoch einen Bericht zu schreiben, ohne abzuklären, was wirklich Sache ist, für mich unverständlich und auch unterste Schublade. Dazu kommt, ein Spielbericht des SC Kriens Challenge League vom Wochenende zu schreiben, fühlt man sich nicht verpflichtet. Die Presse ist nicht besser, als jene, die sich unakzeptabel verhalten haben.

    1. Redaktion Isabelle Dahinden, 22.10.2018, 18:37 Uhr

      Lieber Caruso. Bei den Verantwortlichen haben wir die Meinung eingeholt. Nun ist es jedoch so, dass zum jetzigen Zeitpunkt keine der beiden Seiten (Polizei wie der SC Kriens) sagen kann, was sich effektiv bei diesem Freizeitfussballspiel ereignet hat. Fakt ist: Die Polizei erhielt die Meldung, dass sich eine Person gegenüber jemand anderem rassistisch geäussert hat. Und Fakt ist: Die Polizei rückte deswegen am Samstag aus.

      In einigen Tagen, vielleicht auch Wochen, kann die Polizei und auch der SC Kriens mehr zu geschildertem Vorfall sagen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist dies jedoch schlichtweg nicht möglich, da die Abklärungen noch in vollem Gange sind. Wir bleiben am Ball und berichten gerne wieder darüber, wenn man mehr weiss. Beste Grüsse, Isabelle Dahinden