Wegen mangelnder Ressourcen: Organisierte Kriminalität verlagert sich nach Luzern
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Bei der Luzerner Staatsanwaltschaft fehlt das Fachwissen, um Cyberkriminalität zu bekämpfen. (Bild: Zuger Polizei)

400 Fälle im Jahr pro Staatsanwalt Wegen mangelnder Ressourcen: Organisierte Kriminalität verlagert sich nach Luzern

2 min Lesezeit 1 Kommentar 10.12.2019, 04:23 Uhr

Die Regierung befürchtet, dass sich in Luzern vermehrt Menschenhändler und Drogendealer «einnisten». Die Staatsanwaltschaft habe zu wenig Kapazität, um solche Verbrechen zu ahnden – zumal die Fälle immer komplexer würden. Jetzt soll aufgerüstet werden.

Im Vergleich mit anderen Kantonen steht Luzern schlecht da, was die Ressourcen in der Strafverfolgung angeht. Während hier die Staatsanwaltschaft mit 121 Vollzeitstellen auf Verbrecherjagd geht, sind es im fast gleich grossen Kanton St. Gallen genau 200.

Das hat massive Auswirkungen auf die Arbeitsbelastung: Ein Staatsanwalt, der in Luzern 100 Prozent arbeitet, muss pro Jahr durchschnittlich 400 Fälle bearbeiten. Wäre er in St. Gallen angestellt, so wären es «nur» 250.

Der Regierung macht dies Sorgen. Man wisse aus Verfahren in anderen Kantonen, schreibt sie in einer Botschaft an den Kantonsrat, dass «eine Verlagerung der organisierten Kriminalität, insbesondere des Drogen- und Menschenhandels in den Kanton Luzern stattfindet».

Verbrechen werden im Darknet geplant

Eine proaktive Bekämpfung der Kriminalität sei in diesen Bereichen mangels Ressourcen seit einigen Jahren nicht mehr möglich. Um ein «Einnisten der organisierten Kriminalität zu verhindern», brauche es eine personelle Aufstockung.

Die Regierung beantragt dem Kantonsrat die Schaffung von einer zusätzlichen Vollzeit- und zwei Teilzeitstellen. Die neuen Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sollen zudem von Assistenten unterstützt werden, die im gleichem Pensum arbeiten werden.

Kosten würde der Ausbau der Staatsanwaltsstellen rund 720’000 Franken. Besetzt werden sollen die Stellen mit Fachpersonen die speziell für die Bekämpfung von Cyberkriminalität geschult sind. Man habe nämlich festgestellt, dass die Delikte in diesem Bereich stetig zunehmen.

«Aufgrund des digitalen Wandels hält die Kriminalität vermehrt im Cyber-Raum Einzug», schreibt die Regierung. Die Täterschaft sei schnell und mache sich jeweils die neuste Infrastruktur zunutze. «Selbst wenn die eigentlichen Delikte nicht im Cyber-Raum verübt werden, kommuniziert die Täterschaft meist im geschützten digitalen Raum beziehungsweise im Darknet.»

Das nötige Fachwissen fehlt

Heute ist das für die Staatsanwaltschaft Luzern ein grosses Problem, wie die Regierung einräumt. Die Mehrheit der 469 Fälle mit Cyberkriminalitätsbezug musste 2018 sistiert werden, weil die Täterschaft nicht eruiert werden konnte. Den Staatsanwältinnen und -anwälten fehle «weitestgehend» das nötige Fachwissen.

Der neue Bereich Cyberkriminalität soll der Staatsanwaltschaft 4 in Kriens angegliedert werden. Diese untersucht Spezialdelikte im ganzen Kantonsgebiet – also hauptsächlich grosse Drogenfälle, Internet-Betrugsfälle sowie banden- und gewerbsmässige Vermögensdelikte.

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1 Kommentare
  1. Heinz Horni, 10.12.2019, 06:44 Uhr

    Das ist nun das Resultat der absolut verfehlten Sparpolitik im Kanton … Anschluss verpasst und nun Jammern … Ein grosses Bravo für Parlament und im speziellen die Regierung ….

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