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Keine Reklamation der Schülerinnen
Wegen Gespräch über Sex: Zuger Lehrerin ist Job los

  • Lesezeit: 3 min
  • Kommentare: 5
<p>Imposantes Gebäudeensemble: Die Kantonsschule Menzingen, die für 10 Millionen Franken umgebaut und erweitert wurde.</p>
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Was bei den Schülerinnen der Kantonsschule Menzingen gut ankam, war für die Schulleitung ein Trennungsgrund. (Bild: woz)

Einer Lehrerin der Kantonsschule Menzingen ist eine Doppellektion zum Verhängnis geworden. Während die Schülerinnen die Diskussion um den gesellschaftlichen Umgang mit der weiblichen Sexualität schätzten, sah die Schulleitung dies als Entlassungsgrund.

Eine Zuger Lehrerin hat mit einer offenen Diskussion die Selbstsicherheit ihrer volljährigen Schülerinnen in Bezug auf die eigene Sexualität stärken wollen. In einer Doppellektion Ende September 2020 schaute sie mit ihren Schülerinnen – der einzige Schüler wurde vorab dispensiert – den Vorspann des Films «Female Pleasure». In einem freiwilligen Fragebogen sollte mit den eigenen Erfahrungen der Bezug zur Lebenswelt hergestellt werden, wie die «Luzerner Zeitung» berichtet.

Darin ist unter anderem nach deren Meinung zu Selbstbefriedigung, deren Vorstellung einer Beziehung und Erfahrungen zu missachteter Selbstachtung gefragt worden. Die Lehrerin ist der festen Überzeugung, die Schülerinnen gut genug zu kennen, weshalb die Fragen für sie in Ordnung sind.

Schülerinnen empfanden Diskussion positiv

Die Schulleitung findet diese jedoch «zum Teil grenzwertig», wie die Zeitung in einer Aktennotiz des Gesprächs zwischen der Schulleitung und der Lehrerin entnommen hat. Sie werfen der Lehrerin unter anderem vor, dass die Schülerinnen sich eventuell zu Aussagen gedrängt gefühlt hätten. Und dass sie unangemessenerweise mit persönlichen Erfahrungsberichten an der Diskussion teilgenommen hätte.

Ein Brief der Schülerinnen an das Rektorat zeigt jedoch das Gegenteil. «Jede einzelne an besagtem Gespräch Anwesende ging nicht nur mit einem guten Gefühl aus der Stunde, sondern mit einem Gefühl von Selbstbefähigung, bekräftigter Autonomie, Eigenmacht und Stolz», wie die Zeitung aus dem Brief entnimmt. Zudem haben sie betont, dass der Verlauf der Diskussion massgeblich von den Schülerinnen selbst gestaltet wurde.

Keine Reklamation dazu eingegangen

Durch das gute Verhältnis zur Lehrerin hätten sie sich auch ohne Furcht gemeldet, falls eine Grenze überschritten worden wäre. Sie kritisieren den Entscheid der Schulleitung und insbesondere, dass deren Meinung nicht berücksichtigt wurde: «Ironischerweise waren einige der Hauptpunkte in unserer Diskussion, dass ein offener Austausch normalisiert werden soll, um so besonders Frauen zu bestärken, selbstbestimmt und mit Selbstsicherheit ihre Sexualität auszuleben», schreiben die Schülerinnen im Brief weiter. Auch die Nachfrage der Zeitung bei der Schulleitung zeigt: Weder vonseiten der Eltern, noch der Schülerinnen selbst hätte es eine Reklamation gegeben.

Die Schulleitung kommentiert gegenüber der Zeitung, dass «ein schulaufsichtlicher, direkter Austausch zwischen Lehrperson und Schulleitung» stattgefunden hätte. In der Aktennotiz zum Gespräch wird begründet, dass wegen der «unterschiedlichen Auffassungen der Rolle von Lehrpersonen» der Jahresvertrag per Ende Schuljahr nicht mehr verlängert werde. Zu weiteren Punkten und den Inhalten der Diskussion zwischen den betroffenen Schülerinnen und der Schulleitung wollte das Rektorat aus Persönlichkeitsschutzgründen keine Stellung nehmen.

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5 Kommentare
  1. David L, 22.11.2021, 19:02 Uhr

    An der KS Menzingen laufen ja schon Dinge, bei denen man einmal genauer hinaschauen sollte… das hier gehört aber nicht dazu. Unverständlich (aber vielleicht nicht überraschend), dass die Schulleitung ausgerechnet hier ein Theater macht.

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  2. Hans Peter Roth, 19.11.2021, 20:48 Uhr

    Unglaublich, und dies im Jahr 2021! Da ist wohl eine Schulleitung stark überfordert. Ich hoffe sehr, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

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  3. René Gruber, 19.11.2021, 14:26 Uhr

    Gratulation der Lehrerin für einen offenen, ungezwungenen Umgang mit diesem Thema. Für das prüde wirkende Verhalten der Schulleitung habe ich wenig Verständnis. Sexualität ist ein wichtigs Thema, gerade die Selbstsicherheit der Mädchen (aber auch der Jungs) in diesem Bereich sollte deutlich gestärkt werden!

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    1. Lussi Erwin, 19.11.2021, 16:39 Uhr

      Der frühere Klosterfrauen-Geist ist wohl noch nicht ganz besiegt !

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    2. …alter Geist…, 19.11.2021, 16:46 Uhr

      Der frühere Klosterfrauen-Geist ist wohl noch nicht ganz besiegt !

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