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Wechselt die SVP ihren Kandidaten aus?
  • Politik
Sie kämpfen um den SVP-Sitz im Krienser Gemeinderat: Simon Konrad (FDP, links), Patrick Koch (SVP) und Franco Faé (CVP). (Bild: Montage, bra)

Kampfwahl um Krienser Gemeinderatssitz Wechselt die SVP ihren Kandidaten aus?

5 min Lesezeit 30.06.2015, 22:31 Uhr

Der SVP-Sitz im Krienser Gemeinderat wird von der CVP und der FDP angegriffen. Das sorgt für rote Köpfe. Denn die FDP wartet mit einem Kandidaten auf, den die Volkspartei lieber in den eigenen Reihen gehabt hätte. Nun könnte es für die SVP äusserst peinlich werden.

Am 23. August sind in Kriens Ersatzwahlen angesagt. Und die Krienser SVP dürfte dabei ist Schwitzen kommen. Denn die Partei will eigentlich mit ihrem Einwohnerrat Patrick Koch den frei werdenden Gemeinderatssitz von Neo-Regierungsrat Paul Winiker verteidigen (siehe Box).

Doch nun formieren sich die anderen Parteien. CVP und FDP preschen mit Gegenkandidaten vor. Beide halten Koch für nicht wählbar. Er sei zu wenig qualifiziert. Das heisst für die SVP: Ihr Kandidat wird nicht einfach so in stiller Wahl gewählt: Es kommt zur Kampfwahl.

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«Für die CVP Kriens erfüllt der nominierte SVP-Kandidat die Anforderungen nicht.»

CVP-Parteileitung

Kandidat der FDP: Simon Konrad 

Die FDP nominierte diesen Dienstagabend Simon Konrad als Sprengkandidaten. Der 51-Jährige gilt als FDP-Urgestein, politisch erfahren und ist in der Gemeinde gut bekannt. Von 2005 bis 2012 war er Krienser Einwohnerrat. Vier Jahre lang präsidierte er dort die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission. 

FDP-Präsident Robert Marty sagt über seinen Schützling: «Konrad ist ein politisches Schwergewicht und ein waschechter Krienser. Er ging hier zur Schule, ist Vorstandsmitglied des Gewerbeverbandes und hat hier sein eigenes Modegeschäft.» Eine Website für seine Kandidatur wurde in diesen Stunden aufgeschaltet. 

Dieses Bild postete die FDP nach der Nominationsversammlung am Dienstagabend auf Facebook: Sprengkandidat Simon Konrad (von links), Parteipräsident Robert Marty und Gemeindeammann und Gemeindepräsidentenkandidat Matthias Senn.

Dieses Bild postete die FDP nach der Nominationsversammlung am Dienstagabend auf Facebook: Sprengkandidat Simon Konrad (von links), Parteipräsident Robert Marty und Gemeindeammann und Gemeindepräsidentenkandidat Matthias Senn.

(Bild: FDP Kriens)

Kandidat der CVP: Franco Faé

Heisser Politsommer

Bis zum 6. Juli müssen die Krienser Parteien Kandidaten für die Nachfolge von ex-Gemeindepräsident und Finanzchef sowie Neo-Regierungsrat Paul Winiker (SVP) nominieren. Die Ersatzwahlen sind am 23. August. Ein allfälliger zweiter Wahlgang findet am 27. September statt. Und im Mai 2016 stehen Gesamterneuerungswahlen an. 

Die CVP hat es ebenfalls auf den SVP-Sitz abgesehen und schickt mit Franco Faé (56) ihren eigenen Parteipräsidenten ins Rennen. Der Anspruch der SVP auf einen Sitz in der Krienser Exekutive werde zwar grundsätzlich anerkannt, so die Partei. Es gehe darum, dass ein Gemeinderat gewisse Voraussetzungen mitbringen müsse.

Ein Kandidat müsse den Richtlinien des Verbandes Luzerner Gemeinden genügen sowie auch «internen CVP-Anforderungen». «Für die CVP Kriens erfüllt der nominierte SVP-Kandidat diese als Gemeinderat leider nicht», schreibt Parteistratege Rolf Schmid. Faé hingegegen wurde von seiner Partei aufgrund seiner «politischen Erfahrung, seinem grossen Netzwerk und seinem Herzblut für die Gemeinde Kriens» nominiert. Zwischen 1995 und 2009 amtete Faé als Gemeinderat in Rain. Er führt eine gleichnamige Firma in Kriens, die auf den Verkauf und die Wartung von Rasenmähern spezialisiert ist.

Allerdings: Nach ersten Einschätzungen werden Faé nicht so gute Chancen eingeräumt. Der FDP-Kandidat Konrad ist da schon eher eine Herausforderung für die SVP. Konrad hat als bürgerlicher Ex-Politiker und gut bekannter Einheimischer bessere Karten. Konrad wurde sogar als Kandidat für die SVP gehandelt, wie gut informierte Kreise wissen. Kurzum hätte Konrad also das Heu ziemlich auf der gleichen politischen Bühne wie die Partei mit dem «Sünneli». Ein idealer Sprengkandidat also für die FDP, um anzugreifen.

«Wir wissen noch nicht genau, was wir machen.»

Peter Portmann, Präsident SVP Kriens

Kandidat der SVP: wirklich Patrick Koch?

Strategisch kommt die SVP jetzt gehörig ins Strudeln. Es sei nun nicht ausgeschlossen, dass die Partei ihren Kandidaten wieder zurückziehen werde, sagt Parteipräsident Peter Portmann auf Anfrage. Er zeigt sich sehr irritiert ob der FDP-Kandidatur. «Wir wissen noch nicht genau, was wir machen. Vielleicht werden wir Patrick Koch mit Martin Zellweger auswechseln. Dann müsste aber die FDP bedingungslos die SVP unterstützen.» Der politisch bislang nicht in Erscheinung getretene Martin Zellweger war der zweite Kandidat der SVP, wurde aber an der Versammlung nicht nominiert (zentral+ berichtete). Vielerorts wird gemunkelt, dass Zellweger für die anderen bürgerlichen Parteien eher wählbar gewesen wäre als Patrick Koch. Zeit zum Auswechseln hätte die Partei noch bis zum 6. Juli, dann müssen die Vorschläge bei der Gemeinde Kriens eingereicht sein. 

Patrick Koch (42) war diesen Dienstagabend für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er wird von Seiten der FDP und CVP kritisiert, weil er im Parlament zwar eifrig Vorstösse einreiche, diese aber oft nicht mehrheitsfähig seien. Seit fast elf Jahren ist er für die SVP im Einwohnerrat. Er ist das jüngste Mitglied der SVP-Fraktion und arbeitet im Personalwesen der Post und als Berufsbildner am KV. Zudem ist er Präsident der Krienser Rebbaugenossenschaft.  

Gerangel um Präsidium

Neben den Kampfkandidaten stellt sich der bisherige FDP-Gemeinderat und Leiter des Baudepartements Matthias Senn zur Wiederwahl. Dieser greift gleichzeitig nach dem Gemeindepräsidium, das bislang Paul Winiker inne hatte. Matthias Senn konkurrenziert damit den bisherigen grünen Gemeinderatskollegen Cyrill Wiget. Wiget hat als Erster sein Interesse am Präsidium angemeldet (zentral+ berichtete).

Das Präsidium wird neu als separate Aufgabe funktionieren, ohne Departementsleitung. Ab dem 1. September 2016 soll es für den Krienser Gemeinderat nur noch fünf Verwaltungen zu führen geben. Im Falle einer Wahl von Matthias Senn stellt sich deshalb die Frage, ob die FDP wirklich ihr Schlüsseldepartement Bau aufgeben will. 

Parteipräsident Robert Marty: «Wir haben uns das lange überlegt und sind zum Schluss gekommen, dass das geht. In vielen anderen Gemeinden führen Personen aus anderen Parteien das Baudepartement. Wenn wir es abgeben müssten und dafür ein Gemeindepräsidium gewinnen würden, wäre das nicht so tragisch.»

Auch die bisherige SP-Gemeinderätin Judith Luthiger-Senn wird wieder nächsten Frühling zur Wiederwahl antreten. Diesen Sommer ums Präsidium zu kämpfen, will sie aber nicht. Dies gab die SP in einer Mitteilung bekannt. Die SP unterstützt die Präsidiumskandidatur von Cyrill Wiget. 

Der bisherige CVP-Vertreter im Gemeinderat, Lothar Sidler, hat schon lange bekannt gegeben, dass er nicht Gemeindepräsident werden will. Eine weitere Amtszeit jedoch strebe er an.

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