Wasserratten und Anwohnerinnen fordern  einen schöneren Geissmattpark
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Wollen das Geissmattpärkli aufwerten: Quartierbewohnerinnen und Bewohner sowie die Reuss-Surfer. (Bild: bic)

Viel Grün und eine Treppe in die Reuss Wasserratten und Anwohnerinnen fordern einen schöneren Geissmattpark

4 min Lesezeit 3 Kommentare 11.09.2020, 13:45 Uhr

Der kleine Park bei der Geissmattbrücke soll aufgewertet werden. Die Quartierbewohner wollen mehr Grünfläche und eine Einstiegsstelle in die Reuss. Sollte das Projekt umgesetzt werden, wären auch Parkplätze betroffen – allerdings nicht so, wie es andernorts der Fall ist.

Das Geissmattpärkli am Rand des Luzerner Stadtzentrums ist heute wenig einladend. Viel Asphalt, einige Parkplätze sowie eine Recyclingstelle prägen das Bild. Und obwohl direkt an der Reuss gelegen, ist es heute nur mit einigem Kraftaufwand möglich, vom Park in den Fluss zu gelangen.

Doch weil insbesondere das Reussschwimmen in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Trend geworden ist, wollen viele Bewohnerinnen und Bewohner des angrenzenden Quartiers sowie die Surfer, die bei der Geissmattbrücke auf den kleinen Reusswellen reiten, den kleinen Park aufwerten und die Aufenthaltsqualität steigern.

Für ihre Pläne haben sie auch schon die Politik ins Boot geholt. GLP-Grossstadtrat Jules Gut reichte im März ein Postulat ein, mit dem er den Stadtrat auffordert, entsprechende Aufwertungsmassnahmen zu prüfen. Das Parlament wird sich voraussichtlich noch diesen Herbst damit befassen.

Eine Treppe in den Fluss

Einer der Köpfe hinter dem Projekt ist Quartierbewohner Josef Jans. «Das Geissmattpärkli soll ein Zentrum für das Luegisland-Quartier werden. Da unter dem Park in den kommenden Jahren diverse Leitungen ersetzt werden müssen, fordern wir die Stadt auf, dies gleich mit einer Attraktivierung zu verbinden.»

Konkret wünschen sich die Quartierbewohnerinnen, Reussschwimmer und -Surferinnen einen Ein- und Ausstieg in die Reuss inklusive eines Flosses aus Beton. Weiter soll das Rohr, welches das bei Starkregen anschwellende Abwasser in die Reuss leitet, bis in die Flussmitte verlängert werden. Damit soll die Wasserqualität in Ufernähe aufrechterhalten werden. Eine entsprechende Hülle aus Beton soll ausserdem die Strömung eindämmen und das Einsteigen in die Reuss erleichtern (siehe Visualisierung).

«Es tut mir leid, aber das ist einfach kein Gesamtkonzept, obwohl dieser Platz das verdient hätte.»

Josef Jans, Quartierbewohner

Die Sicherheit ist auch für den Stadtrat ein zentraler Punkt bei der Realisierung neuer Einstiegsstellen, wie aus dessen Antwort auf Guts Vorstoss zu entnehmen ist. «Aus Sicherheitsgründen und gestützt auf eine Studie der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft sieht der Stadtrat (…) keine Möglichkeiten, beim Geissmattpark zusätzliche Einstiegsstellen zu realisieren», heisst es dort. Unter anderem deshalb ist der Stadtrat bereit, das Postulat nur teilweise entgegenzunehmen. Wie er sich zum Vorschlag der Quartierbewohner zur Sicherung der Einstiegsstelle stellt, wird sich weisen müssen.

So stellen sich die Quartierbewohner die Einstiegsstelle und den begrünten Park vor. (Visualisierung: zvg)

Auch Parkplätze sind betroffen, verschwinden aber nicht

Damit die bestehenden, kleinen Grünflächen im Park vergrössert werden können, sollen die vorhandenen privaten und öffentlichen Parkplätze gemäss Konzept der Quartierbewohner anders angeordnet und teilweise um 90 Grad gedreht werden. «Auf diese Weise schaffen wir es, Asphalt in Wiese umzuwandeln, ohne einen einzigen Parkplatz zu opfern», erklärt Josef Jans. Der Eigentümer des angrenzenden Grundstücks habe sich bereit erklärt, bei den privaten Stellplätzen die nötigen Änderungen vorzunehmen.

Mit dem Vorschlag kommen die Initiantinnen den Autofahrern, im Gegensatz zum Stadtrat, entgegen. Denn wie die Regierung in der Antwort auf Guts Vorstoss ausführt, sieht sie die Möglichkeit, kurzfristige Aufwertungsmassnahmen vorzunehmen und dafür drei öffentliche Parkplätze «aufzuheben und zu entsiegeln».

Verschiebung oder Aufhebung der Glassammelstelle

Mit verschiedenen kleineren Massnahmen hat die Stadt bereits in den letzten Jahren im Park ein paar Grünflächen geschaffen und Sitzbänke installiert. Josef Jans reicht das aber nicht. «Es tut mir leid, aber das ist einfach kein Gesamtkonzept, obwohl dieser Platz das verdient hätte.»

Damit tatsächlich eine Parkatmosphäre geschaffen werden kann, wollen die Quartierbewohner die Glassammelstelle verschieben oder gleich ganz entfernen. «Wir sehen die Option, sie beim Parkhaus Altstadt oder beim Carparking auf dem Kasernenplatz zu platzieren», so Jans. Abklärungen hätten aber ergeben, dass sie auch ganz verschwinden könnte, da die Dichte der Sammelstellen in der Stadt genug gross ist.

Hier wollen die Quartierbewohnerinnen «Urban Gardening» betreiben. Die Glascontainer müssten dafür verschwinden. (Bild: bic)

Stadtrat rechnet mit Zeithorizont von mindestens vier Jahren

Geht es nach dem Stadtrat, müssen sich die Quartierbewohner aber noch etwas gedulden. Zwar sei es der Regierung ein Anliegen, den öffentlichen Stadtraum für verschiedene Gruppen niederschwellig nutzbar zu machen und Aspekte des Stadtklimas zu berücksichtigen. «Eine Aufnahme der Arbeiten für ein Gesamtprojekt zur Aufwertung des Geissmattparks, wie im Postulat gefordert, ist jedoch aus Ressourcengründen frühestens ab 2024 möglich», schreibt sie dazu. Denn weitere und vor allem grössere Veränderungen im Geissmattpärkli bedingten eine umfangreiche Planung.

Diese wollte der Stadtrat ursprünglich eigentlich angehen und hat dem Parlament im Frühling 2019 verschiedene Aufwertungsprojekte in der Innenstadt vorgelegt. Die Aufwertung des Geissmattpärklis und des St. Karli-Quais wurden im entsprechenden Antrag von der Exekutive sogar priorisiert.

Hoffen auf das Parlament – oder das Volk

Allerdings wurden die für die Planung nötigen finanziellen Mittel nicht gesprochen. Da ein Grünen- und ein GLP-Grossstadtrat an der Sitzung abwesend waren, versenkten die Bürgerlichen aus diversen Gründen die Vorlage (zentralplus berichtete).

Die Quartierbewohnerinnen hoffen nun auf das Parlament. «Wir sind guter Dinge, dass unsere Idee als Einzelprojekt Chancen hat», sagt Josef Jans. Sollten man indes nicht durchkommen, behalte man sich vor, einen Bevölkerungsantrag einzureichen, um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen.

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3 Kommentare
  1. Astrid, 11.09.2020, 22:39 Uhr

    Es tut mir leid, aber diese gruselige Anfänger Treppenanlage ist auch kein Gesamtkonzept. In diesem Fall bin ich ausnahmsweise froh, haben die Bünzlis die Petition versenkt. Macht einen zweiten Versuch und lasst lieber Profis ran.

    1. Josef Jans, 12.09.2020, 22:05 Uhr

      Wunderschönen guten Abend. Ich bin Josef Jans vom Komitee und möchte mich bei Ihnen für Ihren Kommentar bedanken. Unsere Skizze (Visualisierung) einer Skizze haben wir erstellt um die Diskussion anzuregen was in Ihrem Falle zum Glück auch Funktioniert hat. Wie ein Gesamtkonzept am Ende umgesetzt wird und aussieht ist uns momentan zweitrangig. Was wir verlangen ist, dass das Luzerner Parlament einem Gesamtkonzept (Postulat 399) ganz zustimmt, damit die professionelle Planungen starten kann und das Geissmatt-Pärkli für die Gesamtbevölkerung positiv verändert werden kann.

  2. CScherrer, 11.09.2020, 14:29 Uhr

    Macht absolut Sinn! Aber das geht noch Schöner.

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