Was zum Teufel soll ich mit Jackfruit-Dosen anstellen?
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Wenn alles Handelsübliche weg ist, fallen die abenteuerlichen Lebensmittelbüchsen erst recht auf. (Bild: wia)

Teil 2: Kochen mit Ladenhütern Was zum Teufel soll ich mit Jackfruit-Dosen anstellen?

6 min Lesezeit 1 Kommentar 31.03.2020, 12:09 Uhr

Ungewohnte Leere beim Detailhändler. Frische Tomaten? Fehlanzeige. Zitronen? Weg. Ganz zu schweigen von Dosentomaten. So gross die Kaufwut ist: Es gibt Lebensmittel, welche die Stellung im Laden wacker halten. Doch was kocht man aus diesen Ladenhütern? Im zweiten Teil der Serie erklärt uns die Zuger Köchin Astrid Oehen, wie aufregend man Dosen-Jackfruit zubereiten kann.

Die Pasta-Gestelle beim Grossverteiler des Vertrauens bieten derzeit einen traurigen Anblick. 08-15-Pasta ohne Bündner Hochlandvollkorn, ohne seltsame Form, und das zu einem vernünftigen Preis. Fehlanzeige. Auch andere Lebensmittel sind rar geworden. Zu fürchten braucht man sich dennoch nicht. Denn in den Gestellen ist noch genug vorhanden. In der Regel sind es die gleichen Regale, die voll sind. Und genau hier setzen wir an. Wir stellen Lebensmittel in den Fokus, die sonst keiner will. Und lassen die Köchin daraus Menüs kreieren. Hier gehts zu Teil 1.

Astrid Oehen ist Küchenchefin im Restaurant Meating in Zug. Und sie weiss mit unserer Herausforderung umzugehen. Was wir ihr dieses Mal vorsetzen, ist nicht von schlechten Eltern.

Es hat, solange es hat. In diesem Fall: Immer.

Cheddar findet man so gut wie immer im Käseregal. Für die meisten Schweizer ist das orangefarbene gummiartige Produkt eine Beleidigung und wird deshalb ignoriert. Doch auch aus diesem lässt sich etwas Lustiges machen, denn Oehen findet: «Cheddar eignet sich für Saucen oder zum Überbacken.»

Cheddarsauce für Nachos

Mut zum kulturellen Austausch. Zeit, seinen Expat-Nachbarn wenn nicht physisch, so wenigstens kulinarisch etwas näherzukommen.

Für zwei Personen nimmt man:

300 g geriebenen Cheddar
250 ml Milch oder Bier (sic!)
3 TL Mehl
1 TL schwarzer Pfeffer
1 TL Senfpulver oder frischer Senf
0,5 TL Knoblauchpulver oder frische Zwiebel
0,5 TL Zwiebelpulver oder frischer Knoblauch
1 Prise Salz
1 Prise Zucker

Die Hälfte der Milch oder des Biers in einen Topf geben und erhitzen. Wenn die Milch oder das Bier stark zu dampfen beginnt, werden 3 TL Mehl eingesiebt und mit einem Schneebesen untergerührt.

«Jetzt darf das Gemisch nicht mehr zum Stehen kommen und man muss wirklich ständig rühren, bis die Masse kurz aufkocht und dicker wird», mahnt Oehen. Dann kann in zwei Schritten der Rest der Milch/des Biers untergerührt werden. Auch hier sollte man den Schneebesen nicht aus der Hand legen.

Wenn die Hitze wieder etwas angestiegen ist und die Mischung wieder ordentlich dampft, kann der Käse langsam und in drei Schritten eingerührt werden. Das muss bei niedriger Flamme erfolgen, weil der Käse sonst später minimal klumpen kann. Zwischen den drei Ladungen Käse sollte man wieder ordentlich rühren, bis der Käse komplett aufgelöst ist.

«Grundsätzlich gilt: Je mehr Käse, desto besser. Die Sauce wird kräftiger im Geschmack, dicker und erhält auch eine gelbere Farbe», so die Köchin.

Zuletzt folgen die Gewürze Pfeffer, Senfpulver, Knoblauchpulver, Zwiebelpulver und Schnittlauch. Das Ganze wird abgeschmeckt und mit Nachos gegessen.

Die letzte Packung Pasta: Nochmals Glück gehabt.

Mit Pasta wirds zu Mac’n’Cheese!

Und solltest du doch noch zu einem Beutel Pasta gekommen sein (in unserem Fall wars Vollkornpasta), gibt es folgende Möglichkeit:

Penne kochen und mit der Cheddar-Sauce vermischen, Röstzwiebeln zugeben. Und fertig ist das deftige Gericht. (Und dank Vollkornpasta total gesund.)

Zu primitiv? Es geht auch anders. Denn in den Regalen tummeln sich auch einige exotische Produkte, deren Verwendung sich uns noch nicht erschlossen hat. Darum: Zu Hilfe, Frau Oehen, was macht man mit Dosen-Jackfruit?

«Jackfruit ist in der Schweiz noch nicht sehr bekannt. In der asiatischen und der amerikanischen Küche ist die Jackfruit sehr beliebt, vor allem als Fleischersatz in der veganen Küche.» Frisch, als Salat, frittiert oder als Burger seien dieser sonderbaren Frucht keine Grenzen gesetzt, findet Oehen.

«Der Geschmack einer reifen Jackfruit ist eine Mischung zwischen Banane und Ananas. Wenn sie warm sei, habe sie jedoch einen neutralen Geschmack.

Fun Fact: «Reif geerntete Früchte werden wie Obst zubereitet und gegessen. Unreif geerntete Jackfrüchte hingegen gelten als Gemüse.»

Pulled Jackfruit Burger, Pita oder Wrap

Es geht ans Eingemachte. Für die Burger (gerechnet wird für zwei Menschen in gemeinsamer Quarantäne) brauchts:

1 Dose Jackfruit in Salzlake oder Wasser (nicht im Sirup!!)
1 EL Öl
1 kleine Zwiebel
1 Knoblauchzehe
½ Jalapeño, entkernt und fein gehackt
½ TL Paprikapulver
1 TL Kreuzkümmel gemahlen
1 TL Oregano getrocknet
1 TL Koriander gemahlen
½ TL Salz
Pfeffer
2 Burgerbrote, Pita oder Wrap

Dazu wird eine schnelle BBQ-Sauce und ein veganes Tsaziki serviert. Die Rezepte folgen sogleich.

So gehts: Die Jackfruit abtropfen lassen, gründlich abspülen und etwas trocknen. Dann in eine Schüssel geben.

Die Jackfruitstücke mit den Fingern oder zwei Gabeln zerzupfen. Die Gewürze und die Hälfte des Öls dazugeben und vermischen. Das Ganze 5 Minuten ziehen lassen.

Etwas Öl in einer grossen Pfanne erhitzen und die Zwiebeln anbraten. Den Knoblauch und den Jalapeño hinzugeben und eine weitere Minute lang dünsten.

«Nun wird die Jackfruit dazugegeben und unter gelegentlichem Rühren angebraten, bis sie sich bräunlich färbt und leicht knusprig wird», erklärt Oehen. Dauer: ca. 3-5 Minuten.

Nun die BBQ-Sauce dazugeben und gut umrühren. Die Pfanne abdecken und weitere 10 Minunten auf niedriger Stufe köcheln lassen. Je länger man die Jackfruit kocht, desto weicher wird sie.

Burgerbrot, Pita oder Wrap kurz im Ofen vorwärmen, anschliessend das vegane Tsaziki drauflegen und das BBQ-Pulled-Jackfruit verteilen.

Anstelle des Tsaziki kann auch Coleslaw-Salat verwendet werden. Und wer noch kein Trauma hat: «Die Burger können natürlich auch mit Cheddarkäse-Scheiben überbacken werden.»

Astrid Oehen kocht für uns aus der Distanz. (Bild: zvg)

Die schnelle BBQ-Sauce zum Burger

50 ml Ketchup
30 g brauner Zucker
10 ml Wasser
10 ml Apfelessig (oder anderer Essig)
1 TL Worcestershiresauce (oder Soja- oder Teriyakisauce)
1 TL Tabasco (oder Chiliflocken)
1 TL Olivenöl
½ TL Paprikapulver (mild)
wenig schwarzer Pfeffer aus der Mühle
1 TL Salz

Alle Zutaten nacheinander in einen Topf geben.

Zutaten unter Rühren aufkochen lassen, dann bei schwacher Hitze ca. 10 Minuten köcheln lassen, zwischendurch umrühren.

Sauce abschmecken. «Wer es schärfer mag, kann mehr Tabasco oder Chiliflocken nehmen», rät die Köchin.

Das Ganze lasse sich auch leicht lagern:

BBQ-Sauce heiss in eine saubere Flasche füllen, am besten mit einem Trichter. Dann die Flasche verschliessen. Auskühlen lassen. So ist sie gut verschlossen, ähnlich wie bei einem Glas eben abgefüllter Konfitüre, das man noch auf den «Kopf» stellt, damit ein Vakuum entsteht, erklärt Oehen.

Veganes Tsaziki

1/3 Stück Gurke
250 g Sojajoghurt
1 Knoblauchzehe gehackt
½ EL Olivenöl
½ EL Zitronensaft
Meersalz, Pfeffer

Die ungeschälte Gurke raffeln. Gut salzen und etwa 5-10 Minuten ziehen lassen. Gut ausdrücken und die salzige Flüssigkeit abschütten. Alle Zutaten dazugeben und gut vermischen.

Abschmecken und bei Bedarf mehr Salz, Knoblauch oder Kräuter hinzufügen.

Nach diesem Menü, egal ob Mac’n’Cheese oder Burger, dürfte man satt sein. Wir lassen das Dessert also aus und gehen gleich zum Hochprozentigen über. Denn bei den letzten Besuchen im Coop haben wir entdeckt, dass trotz der wilden Zeiten offenbar niemand nach Ananas lechzt. Astrid Oehen hat da eine Idee …

Warum will keiner Ananas?

In finsteren Zeiten: Piña colada!

In den sozialen Medien werden mit Eifer Videos geteilt, die einen zum Sport zu Hause animieren wollen. Man kann sich stattdessen auch einfach einen schönen Cocktail genehmigen, sich damit auf den Balkon setzen und in die Weite blicken. Für ein Glas brauchts:

100 g Ananas-Fruchtfleisch
5 EL Kokosmilch
3 EL weisser Rum
1 –2 EL Rahm

Das Ananas-Fruchtfleisch in Stücke schneiden und mit der Kokosmilch und dem Rum im Küchenmixer oder in einem hohen Rührbecher mit dem Stabmixer fein pürieren.

Ein Longdrink-Glas halb mit zerstossenem Eis füllen. Das Püree hineingiessen und den Rahm unterrühren. Den Piña Colada nach Belieben mit 1 Ananasscheibe garnieren und mit Bambus-Strohhalmen servieren.

In der nächsten und letzten Etappe übrigens gehts der Mini-Weisswurst in ungewohnter Manier an den Kragen.

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1 Kommentare
  1. Alois Iten, 31.03.2020, 12:30 Uhr

    Was soll dieser Titel? Habt ihr das wirklich nötig?

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