<p>Es regnete in Strömen und die Schweiz verlor gegen Polen: Fussballfans im Garten der Schüür (Bild: zvg).</p>
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Es regnete in Strömen und die Schweiz verlor gegen Polen: Fussballfans im Garten der Schüür (Bild: zvg).

Durchzogene Bilanz bei Luzerner Public Viewings «Was wir anders machen würden? Das Wetter!»

4 min Lesezeit 13.07.2016, 09:36 Uhr

Fussball-EM-Schauen im Freien macht bei Regen keinen Spass. Doch die Bilanz der Luzerner Public Viewings ist nicht so schlecht wie befürchtet. Die Veranstalter legen ihre Zahlen offen – und berichten von einem schlafenden Portugiesen, fliegenden Bechern und einem Flitzer.

Für die Public Viewings war es eine Europameisterschaft zum Vergessen. Das zumindest könnte man meinen, wenn man sich das Wetter anschaut. Wer steht schon gerne im Regen? Doch die meisten Betreiber sind zufrieden – und haben einiges erlebt. Eine Rückschau in sechs Fragen.

Wie viele Leute sind gekommen?

  • «Zwischen 20 und 30 bei schlechtem Wetter, Full House bei Sonnenschein. Wir hatten sechs wirklich gute Abende.» (Andreas Troxler, Mitorganisator Ufschütti)
  • «80 Leute bei schlechtem Wetter, ungefähr 300 bei schönem Wetter und 800 bei Schweiz–Polen.» (Marco Liembd, Konzerthaus Schüür)
  • «Bei zehn Spielen waren wir wirklich voll.» (Clemens Hunziker, Hotel Schweizerhof)
  • «Zwischen 50 und pumpenvoll – insgesamt rund 6000.» (Aurelia Meier, Neubad)

Das Public Viewing des Hotels Schweizerhof bot Platz für 1000 Leute (Bild: zvg).

Das Public Viewing des Hotels Schweizerhof bot Platz für 1000 Leute (Bild: zvg).

Hat das Wetter den ganzen Spass verdorben?

  • «Es hat beim ehrenamtlichen OK und den 123 Helfern schon etwas auf die Stimmung geschlagen. Unser Problem: In früheren Jahren sind die Leute oft direkt aus der Badi zu uns gekommen. Die haben gefehlt.» (Ufschütti)
  • «Das Wetter ist das A und O für Public Viewing. Wenn es nicht mitgespielt hat, ist auch bei uns weniger gelaufen. Dafür haben dann die Beizen rundherum profitiert, das ist auch schön.» (Schüür)
  • «Es war die einzige Herausforderung für unser Public Viewing. Das schlechte Wetter hat einige Nerven und auch Gäste gekostet. Glücklicherweise hatten wir noch den grossen Zeugheersaal zur Verfügung.» (Schweizerhof)
  • «Ganz im Gegenteil, das Wetter hat in unsere Karten gespielt. Immer wenn es geregnet hat, war unser Pool voll. Beim Finale waren dann dafür nur etwa 120 Leute da.» (Neubad)

Bei schlechtem Wetter voll: Der Pool des Neubads (Bild: zvg/Christian Felber).

Bei schlechtem Wetter voll: Der Pool des Neubads (Bild: zvg/Christian Felber).

Was wird in Erinnerung bleiben?

  • «Am Montag nach der EM haben wir beim Aufräumen einen schlafenden Portugiesen gefunden. Wir haben ihn dann rausgeschickt.» (Ufschütti)
  • «Ich war so nervös und habe Schweiz–Polen an meinem kleinen Fernseher alleine bei mir im Büro geschaut. Beim wunderschönen Ausgleich durch Shaqiri ist ein kleines Erdbeben durch dieses Haus gegangen, alles hat gezittert. Das war wahnsinnig. Laut Aussagen des Bar-Teams sind die Becher in alle Richtungen geflogen.» (Marco Liembd, Schüür)
  • «Wie das Spiel Schweiz–Albanien Hand in Hand und ohne Aggressionen abgelaufen ist. Man dachte, es könnte kritisch werden, doch dann verlief es sehr friedlich und die Albanien-Fans haben sich ebenso über den Schweizer Sieg gefreut.» (Schweizerhof)
  • «Beim Finale ist jemand splitternackt vor der Leinwand vorbeigeflitzt – einer unserer Mitarbeiter hat so seinen letzten Arbeitstag gefeiert. Leider konnte ihn unsere Security nicht so schnell wieder einfangen – dafür hat er vom Publikum einen grossen Applaus gekriegt.» (Neubad)

Der beste Match?

  • «Umsatzmässig: Deutschland–Frankreich.» (Ufschütti)
  • «Bei Schweiz–Polen war der Konzertsaal pumpenvoll. Schön war auch das Spiel Albanien–Rumänien: Wir waren fast die einzigen, die es gezeigt haben, weil gleichzeitig auch die Schweiz spielte. Da hatten wir viele Albaner im Haus.» (Schüür)
  • «Ganz klar die Schweizer Spiele. Und überraschenderweise haben auch viele Leute für die Isländer und die Waliser mitgefiebert.» (Schweizerhof)
  • «Das letzte Gruppenspiel der Schweiz gegen Frankreich. Wir hatten am selben Tag noch unseren Flohmarkt im Pool, haben danach alle zusammen geputzt. Und ein paar Stunden später war der Pool bereits wieder zum Bersten voll.» (Neubad)

Public Viewing bei Regenwetter ist eine trostlose Sache. Hier auf der Ufschütti (Bild: zvg).

Public Viewing bei Regenwetter ist eine trostlose Sache. Hier auf der Ufschütti (Bild: zvg).

Hat sich der Aufwand gelohnt?

  • «Ja. Trotz schlechtem Wetter können wir auch dieses Jahr wieder einen Gewinn an Strassenkinder spenden. Bei den letzten Ausgaben waren es rund 100’000 Franken, diesmal voraussichtlich zwischen 30’000 und 50’000 Franken.» (Ufschütti)
  • «Absolut. Das Bedürfnis der Leute ist es, sich den Match gemeinsam anzusehen. Daher ist ein Public Viewing sehr dankbar zu veranstalten. Aber bloss für einen Beamer kommt niemand mehr. Es braucht hohe technische Investitionen, diese haben sich aber finanziell gelohnt.» (Schüür)
  • «Den Aufwand zu amortisieren, ist schwierig und wäre nur bei unglaublich tollem Wetter und der Schweizer Nati im Viertelfinal möglich gewesen. Die technische Ausrüstung und die Infrastruktur ist sehr aufwändig. Doch unser Public Viewing hat auch viel mit Marketing zu tun. Wir hatten viele sympathische Gäste, darum: Auf jeden Fall.» (Schweizerhof)
  • «Für uns war es ein No-Budget-Projekt, Beamer und Leinwand hatten wir schon. Daher: Ja, absolut. Es wurde viel Bier getrunken und Würste gegessen.» (Neubad)

Auch in der Schüür füllte sich der Saal beim Spiel Schweiz–Polen (Bild: zvg).

Auch in der Schüür füllte sich der Saal beim Spiel Schweiz–Polen (Bild: zvg).

Gibt es ein nächstes Mal?

  • «Ja. Dann wollen wir noch besser herausstreichen, dass wir ein karitatives Projekt sind.» (Ufschütti)
  • «Ganz klar. Es war extrem schön, so viele Leute hier anzutreffen. Der Sommer ist eine schwere Zeit, um Konzerte zu veranstalten, und wir möchten das Haus grundsätzlich so oft wie möglich offen haben.» (Schüür)
  • «Ja. Unter der Prämisse, dass wir wieder Partner und Sponsoren finden, die uns unterstützen. Aber es sieht gut aus. Was wir anders machen würden? Schöneres Wetter bestellen!» (Schweizerhof)
  • «Ja. Die EM war eine super Gelegenheit, um Leute ins Neubad zu locken, die sonst nie hier sind. Beim nächsten Mal gibt es vermutlich auch eine Schönwetter-Variante.» (Neubad)

Hinweis: KKL und Gewerbehalle konnten bis Redaktionsschluss keine Antworten liefern.

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