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Was vom Missen-Jahr bleibt? «Ich fand den Titel irgendwie peinlich»
  • Gesellschaft
Mit diesem Foto haben Ilena Fattori und ihr Fotograf den ersten Preis gewonnen. Aufgenommen wurde es abends am Sempachersee. (Bild: Patrick Odermatt/vip-fotodesign.com)

Ein Abendkleid und einige Follower mehr Was vom Missen-Jahr bleibt? «Ich fand den Titel irgendwie peinlich»

4 min Lesezeit 23.04.2018, 12:51 Uhr

Ende April 2018 gibt die aktuelle «Miss Zentralschweiz» Fabienne Paglia ihr Krönchen an ihre Nachfolgerin weiter. Dann gehört auch sie zum alten Eisen unter den Missen wie Sara Wicki und Ilena Fattori. Drei Schönheitsköniginnen lassen die Hüllen fallen und ziehen eine durchzogene Bilanz.

Fabienne Paglia, Ilena Fattori oder Sara Wicki kennen die Erwartungen und Versprechen der Welt der «Schönen». Paglia ist aktuelle «Miss Zentralschweiz». Sara Wicki hat den Titel «schönste Zentralschweizerin» im Jahr 2013 an Ilena Fattori übergeben. zentralplus wollte von den drei Frauen wissen, welche Bilanz sie nach dem Titel ziehen.

Sara Wicki hat den Titel im Jahr 2012 gewonnen. Heute arbeitet sie als Videojournalistin und Moderatorin bei «Tele1». Ihre berufliche Laufbahn verdanke sie zu einem Teil auch dem Titel zur «Miss Zentralschweiz 2011», sagt Wicki.

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«Plötzlich ist man ‹Cervelat-Promi›, ohne dass man dafür etwas geleistet hat.

Sara Wicki, «Miss Zentralschweiz 2012»

Durch die grössere mediale Präsenz hat Wicki während ihres Amtsjahres deutlich mehr Menschen kennengelernt als üblich. Wodurch sich noch während des Amtsjahres ein Türchen für Wicki öffnete: «Ich durfte für ‹Tele1› in einer Sendung den Lockvogel spielen und habe später die Sendung ‹Unterwegs› mit Kurt Zurfluh moderiert.»

Ein «peinlicher» Titel

Die Wahl habe Wicki von einem Tag auf den anderen in die Öffentlichkeit katapultiert. «Plötzlich ist man ‹Cervelat-Promi›, ohne dass man dafür etwas geleistet hat. Heute stört mich das – früher nicht. Dadurch habe ich mich nie richtig mit dem Titel identifizieren können – ich fand ihn irgendwie peinlich.»

Obschon Wicki viele tolle Menschen kennenlernte und auch beruflich von der Wahl profitierte; nüchtern betrachtet würde sie an der Wahl nicht mehr teilnehmen. Bereut sie die Teilnahme gar? «Nein, sicher nicht. Die Erfahrung war wichtig.»

 

Sara Wicki (r.) wird an der Miss-Schweiz-Wahl 2013 hinter Dominique Rinderknecht Zweite. Ein Jahr zuvor wird sie zur «Miss Zentralschweiz» gewählt.

Sara Wicki (r.) wird an der Miss-Schweiz-Wahl 2013 hinter Dominique Rinderknecht Zweite. Ein Jahr zuvor wird sie zur «Miss Zentralschweiz» gewählt.

Das «Ass im Ärmel» muss man zu nutzen wissen

Ilena Fattori hat das «Krönchen» von Sara Wicki im Jahr 2013 übernommen. Heute arbeitet Fattori als «Fachfrau Betreuung» und hat mit der Welt der «Schönen» ganz schön wenig zu tun. Damals, als «Miss Zentralschweiz» war der Titel ein Bonus im überschaubaren Zug. Fattori erinnert sich zurück: «Einmal erkannte mich jemand in einer Bar wieder und bot mir einen Job an.»

Dass man durch die Teilnahme an der Misswahl eine gute Ausgangsposition hat, eine Modelkarriere zu starten, bestätigt sich auch am Beispiel von Bloggerin und Social-Media-Ikone Anja Zeidler. «Anja ist noch während der Wahl zur ‹Miss Zentralschweiz› ausgestiegen. Dadurch erlangte sie enorme mediale Aufmerksamkeit, die sie geschickt zu nutzen wusste», sagt Fattori.

«Die jungen Frauen denken: Jetzt habe ich den Titel gewonnen, jetzt geht’s los – das ist aber nicht so.»

Ilena Fattori, «Miss Zentralschweiz 2013»

Bereits vor ihrer Wahl zur «schönsten Zentralschweizerin» hat Fattori an einem Schönheitswettbewerb teilgenommen. Vergleicht sie die beiden Erfahrungen heute, räumt sie ein, vom Titel als Zentralschweizer Gesicht/Modell mehr profitiert zu haben.

Für Fattori ist klar: «In diesem Alter hat man andere Vorstellungen. Die jungen Frauen denken: Jetzt habe ich den Titel gewonnen, jetzt geht’s los – das ist aber nicht so.» Ihrer persönlichen Entwicklung hätte die Wahl aber sicherlich geholfen. Trotzdem würde sie sich heute nicht mehr für die Wahl anmelden: «Damals hat es zu mir gepasst, heute sehe ich das Ganze anders.»

Ilena Fattori sieht den «Miss Zentralschweiz»-Titel zwar als Sprungbrett, aber nicht als Türöffner in die Model-Branche.

Ilena Fattori sieht den «Miss Zentralschweiz»-Titel zwar als Sprungbrett, aber nicht als Türöffner in die Model-Branche.

Aufträge lassen sich an einer Hand abzählen

Die Kandidatinnen haben hohe Erwartungen an die Veranstaltung. Zu hohe, wie Paglia feststellt. Auch sie hätte während ihrer Wahl mehr Aufträge erwartet. Ähnlich wie Sara Wicki vor sieben Jahren: «Es gab Tage, an denen ich mit der Wahl unzufrieden und sogar enttäuscht war.»

Paglia habe auch schon Anfragen von einem zwielichtigen Fotografen erhalten, der nur daran interessiert war, dass sie die Hüllen fallen lässt. Als angehende Primarlehrerin muss Paglia deshalb immer zuerst abwägen, ob sie einen Auftrag annimmt oder ablehnt.

Verändert hat sich im Leben von Paglia nach der Wahl zur «schönsten Zentralschweizerin» wenig. Zwei Tage nach dem Titel hatte sie 200 Follower mehr. Heute sind es knapp 1’900. Auch ihr Bekanntheitsgrad ist ähnlich hoch geblieben: «Ich kann heute ganz normal auf der Strasse herumlaufen, ohne dass mich jemand erkennt.» Allerdings sei es auch schon vorgekommen, dass sie jemand am Postschalter wiedererkannt und angesprochen habe.

Die Miss und der FCL-Spieler

Der Auftritt bei «Glanz & Gloria» mit ihrem Freund und FCL-Spieler Yannick Schmid schreibt sie auch ihm zu. Die Konstellation «Miss Zentralschweiz» und «FCL-Profi» schien für die Veranstalter interessant gewesen zu sein.

«Die Wahl bietet sicher ein ideales Sprungbrett, um sich medial besser ins Scheinwerferlicht zu spielen», sagt Paglia. Allerdings hänge es stark von den Zielen einer Miss ab, in welche Richtung sie sich entwickle. Auch Fattori bestätigt Paglias Aussage: «Vermutlich lag es auch zu einem Grossteil an mir selbst, dass ich nicht mehr aus dem Titel gemacht habe. Ich war nie verbissen, habe das Modeldasein immer als Nebenjob betrachtet.»

Viel verdient habe sie damals auch nicht. «Aber ich war sehr dankbar, dass ich während des Amtsjahres ein Sponsoren-Auto fahren und das Abendkleid behalten durfte.»

Fabienne Paglia wird im September 2017 zur «Miss Zentralschweiz» gewählt.

Fabienne Paglia wird im September 2017 zur «Miss Zentralschweiz» gewählt.

Wie weiter mit den Miss-Wahlen?

Der Leiter der «Miss Zentralschweiz»-Wahlen, Marc Zehnder, hat seine Aussagen nach Vorliegen des Artikels zurückgezogen. Wir wollten von ihm beispielsweise wissen, ob Misswahlen noch zeitgerecht sind und welche Chancen sich jungen Frauen mit der Wahl eröffnen. Zieht man unsere Bilanz zu Rate, so sind das nicht gerade viele.