Was vom diesjährigen Schmudo in Luzern bleiben wird
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Zwei der wenigen Masken, die am Schmudo in der Altstadt Luzern zu sehen waren. Ob der grimmige Blick bewusst gewählt wurde? (Bild: bic)

Gelöste Stimmung trotz Fasnachtsverbot Was vom diesjährigen Schmudo in Luzern bleiben wird

3 min Lesezeit 1 Kommentar 11.02.2021, 20:00 Uhr

Die Bilder des Schmudo 2021 werden sich ins Gedächtnis der Luzerner einbrennen und uns aufzeigen, dass auf dieser Welt nichts sicher ist. Doch obwohl die Fasnacht heuer nicht annähernd im gewohnten Kostüm daherkommt, scheint zumindest eines klar: Die Fasnachtsgeister haben unsere Stadt noch nicht verlassen.

Fasnacht 2021 ist, wenn die Polizei am Schmudo um 5.30 Uhr die auf dem Kapellplatz versammelten, gut hundert Personen auffordert, den Platz zu verlassen. Fasnacht 2021 ist, wenn nicht verkleidete Menschen, sondern ebendiese Polizisten das Stadtbild prägen. Fasnacht 2021 ist aber auch, wenn einem ein halbes Dutzend leere Bierdosen und eine leere Schnapsflasche auf einem Güselchübel ins Auge stechen.

Tausenden Fasnächtlerinnen dürfte beim Lesen dieser Zeilen das Herz bluten. Doch in diesem Jahr ist bekanntlich alles anders. So mutet es auch irgendwie skurril an, wenn bereits überall eine «rüüdig verreckte Fasnacht 2022» gewünscht wird, bevor die diesjährige Fasnacht überhaupt begonnen hat.

Dieser «Müllhaufen» wäre im letzten Jahr wohl kaum jemandem aufgefallen.

Dass es mit gewohnter Fasnachtsstimmung heuer nichts wird, zeigte sich auch nach Tagesanbruch. Obwohl hier und dort kleine Gruppen anzutreffen waren, die sich ein «Shöttli» oder ein Holdrio gönnten. So wie die vier Frauen der Gruppe «Roséé-Möven», die in normalen Jahren zusammen mit einer Handvoll Kindern vor der Guuggenmusig läuft, die einen ähnlich klingenden Namen hat. «Wir wollten trotz allem einfach zusammen unter dem Guugger-Baum anstossen», nennen sie den Grund für ihr kurzes Zusammenkommen. Dabei haben sie Schnapsfläschchen und eine Kanne mit Kaffee.

Stossen trotz allem an: Vier Mitglieder der «Roséé Möven».

Mit der Situation etwas mehr zu hadern scheint ein Ehepaar, das bei einem symbolischen Sarg beim Fritschi-Brunnen eine Kerze hinstellt. Gedacht wird hier der toten «Fasi 2021». «Wir haben vor exakt zehn Jahren geheiratet und feiern heute unseren Hochzeitstag. Wir haben uns folglich seit zehn Jahren extrem darauf gefreut, ihn am Schmudo feiern zu können», erzählen die beiden. Dass sie heuer das Jubiläum ihrer Trauung begehen, haben sie auf dem Oberarm gut sichtbar vermerkt.

Sie wollten am Schmudo eigentlich so richtig ihren 10. Hochzeitstag feiern.

Luzern wäre aber nicht Luzern, wenn sich trotz allem immer wieder ein paar Maskierte zeigen würden, die dem kalten und garstigen Wetter trotzen. Und Luzern wäre nicht Luzern, wenn die Einheimischen am Nachmittag des nur im Kalender stattfindenden Schmudo nicht doch ein Schrittchen in die Altstadt wagten, um doch noch einen Hauch holdrio-durchtränkte Fasnachtsluft zu erhaschen.

Zumindest traf man zur fortgeschrittenen Tageszeit auf dem Kornmarkt auf das eine oder andere bekannte Gesicht. Nicht wenige wollten sich auf der von den «Vereinigten Guuggenmusigen» aufgestellten Wand beim Guugger-Baum in diesem historischen Augenblick verewigen. Und trotz allem war die Atmosphäre irgendwie heiter und es war der eine oder andere flotte Spruch zu hören.

Am Nachmittag fanden viele Luzerner den Weg in die Altstadt und zum Guugger-Baum.

Die Fasnacht kommt zurück – ganz sicher

Für die eingefleischten Fasnächtlerinnen sind das gute Zeichen, die einiges für die Zukunft erwarten lassen. Denn dem, der sich mit den Fasnächtlern an diesem speziellen Schmudo austauschte, wurde rasch klar: Die Lozärner Fasnacht wird mit voller Wucht zurückkommen. Oder, anders ausgedrückt: Luzern kann Fasnacht, auch wenn es mal eine Pause gibt.

So wurde nämlich offensichtlich, dass die Fasnachtsgeister dieses Jahr zwar nicht unmittelbar auf den Pflastersteinen der Altstadt zu finden waren, aber ganz sicher von den Dächern auf ihre zivil gekleideten und zurückhaltenden Schützlinge hinunterschauten. Es war jedenfalls zu spüren, dass sie die Leuchtenstadt nicht verlassen haben und sich, wenn nicht im nächsten, dann hoffentlich allerspätestens im übernächsten Jahr wieder unter die Luzerner mischen werden.

Hunderte haben sich schon verewigt.

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1 Kommentare
  1. Muusig, 12.02.2021, 09:39 Uhr

    Von der diesjährigen Fasnacht bleibt, dass jetzt offenbar organisierte Banden oder Clans mit orangen Westen die Strasse und die Plätze übernommen hat und jeden weg weist, welcher ihnen nicht passt, welche aber durchaus die Coronaregeln mit Abstand usw. eingehalten haben. Auch wurden diverse Take aways geschlossen und mit Bussen belegt, auch hier, obwohl sie die verlangten Regeln eingehalten haben. Da diese „Clans“ sicher viel Personal für ihre Repressalien benötigten, ist zu hoffen, dass dieses Personal anderswo für sinnvolleres nicht gefehlt hat. Leider ist die Polizei in meinem Ansehen in diesen Tagen auf einen Tiefpunkt gesunken, obwohl ich diese bei anderer Gelegenheit jeweils verteidigt habe. Immerhin gab es bei den Bandenmitgliedern auch einige, die in einer vernünftigen Weise das Gespräch gesucht haben, diesen möchte ich danken. Andere hatte es allerdings, welche offenbar gerne ihre Position ausnutzen und Leute drangsalieren. Und das nächstes Jahr eine normale Fasnacht stattfindet wie der Artikelschreiber mit grosser Sicherheit verkündet, nun, dass wird sich zuerst noch weisen müssen. Möglicherweise hat der Schreiberling letztes Jahr das selbe über die Basler Fasnacht geschrieben. Ich wünsche allen eine gute Gesundheit und dass der Wahnsinn bald enden werde.

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