Was passiert nun im Eichwäldli in Luzern?
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Teilnehmer der Pro-Eichwäldi-Demo vom 31. Januar in Luzern. (Bild: uus)

Die fünf wichtigsten Punkte Was passiert nun im Eichwäldli in Luzern?

4 min Lesezeit 4 Kommentare 10.02.2021, 18:32 Uhr

Am Montag müssen die Bewohner des Eichwäldli in Luzern das Haus definitiv verlassen. Ob sie dieser Verpflichtung nachkommen, wissen sie selber noch nicht. Derweil werfen sie dem Stadtrat aber mangelnde Transparenz bei den Verhandlungen vor. Wir beantworten euch die wichtigsten Fragen.

Am kommenden Montag will die Stadt Luzern zum wiederholten Mal einen definitiven Schlussstrich unter die Causa Eichwäldli ziehen. Der Stadtrat erwartet, dass die Bewohner das Haus am Murmattweg 2 bei der Allmend verlassen haben. Zwar hatte die links-grüne Mehrheit ihn im Stadtparlament vergangene Woche dazu verdonnert, einen vorübergehenden Erhalt nochmals zu prüfen (zentralplus berichtete).

Die Regierung hält jedoch an ihrem Abrissentscheid fest. Eine Instandhaltung sei aus finanzieller Sicht nicht zu verantworten, so die abschliessende Begründung. Zur Erinnerung: Der Stadtrat rechnet für einen vorläufigen Erhalt des Hauses mit Kosten von rund 200’000 Franken.

Wie geht es jetzt also weiter? Wird die «Familie Eichwäldli» die alte Soldatenstube nun tatsächlich räumen? Und was sind die Pläne der Stadt, sollte das nicht der Fall sein? Wir haben für euch die fünf wichtigsten Fragen und Antworten zusammengetragen.

Werden die Bewohnerinnen das Haus verlassen?

Das ist derzeit nicht klar, es scheint aufgrund der gemachten Erfahrungen und den aktuellen Entwicklungen bei der Allmend indes wenig wahrscheinlich. So sagt Savino*, ein Mitglied des Kollektivs: «Wir sind daran, verschiedene Offerten für Instandhaltungsarbeiten einzuholen. Wir sind derzeit aber recht unentschlossen, was wir am  Montag tun werden.»

Auf die Frage, ob man mit den Kostenvoranschlägen nicht etwas spät dran sei, erwidert er: «Das Gutachten, auf das sich die Stadt stützt, wurde erst am Donnerstag anlässlich der Parlamentssitzung veröffentlicht und wir hatten kaum Zeit, uns damit auseinanderzusetzen. Eigentlich gingen wir nach der Überweisung des Postulats davon aus, dass wir nun wieder etwas Luft haben, eine auf Fakten basierende Diskussion zu führen. Vor allem, weil das veröffentlichte Gutachten nicht von einer akuten Gefährdung ausgeht.»

Denn laut Savino rechnet man für die Instandsetzung nicht mit allzu hohen Kosten. Dieser Punkt wurde von Jona Studhalter (Junge Grüne) auch in der Debatte des Grossstadtrates vergangene Woche eingebracht. «Wir sind gut 15 Personen, die sich daran beteiligen würden. Alle gehen einer Erwerbstätigkeit nach und können einen Teil dazu beitragen», hält Savino vom Eichwäldli dazu fest.

Worüber genau wird jetzt noch diskutiert?

Speziell stören sich die Eichwäldlerinnen daran, dass die Stadt bislang nicht offengelegt habe, wie sie auf ihre Zahlen für die Instandhaltungskosten kommt. «Uns geht es darum, endlich einmal faktenbasiert mit der Stadt zu sprechen. Das ist wegen der fehlenden Transparenz seitens der Stadt bislang aber nicht möglich gewesen», sagt Savino. Er kritisiert, dass man in der Vergangenheit wohl auf viele gemeinsame Sitzungen mit Vertreterinnen der Stadt hätte verzichten und somit einiges an Kosten hätte sparen können, wenn die Zahlen von Beginn weg vorgelegen hätten.

Ausserdem moniert Savino, dass im vergangene Woche veröffentlichten Gutachten nirgends explizit stehe, dass das Gebäude einsturzgefährdet sei. Tatsächlich sucht man eine solche Feststellung vergebens. Im Bericht heisst es jedoch: «Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es zu gravierenden und bedrohlichen Situationen kommen kann.»

Wie plant und reagiert man bei der Stadt?

Da Baudirektorin Manuela Jost (GLP) und Stadtpräsident Beat Züsli (SP) momentan in den Ferien weilen, nimmt Immobilienchef Marko Virant Stellung: «Von einem Haus kann nur eine Bedrohung ausgehen, wenn es sich bewegt. Ein sich bewegendes Haus ist die Definition für einen Einsturz.»

Damit betont Virant erneut, dass die Stadt als Eigentümerin schlicht keine andere Wahl habe, als auf den Auszug der Familie Eichwäldli zu bestehen (zentraplus berichtete). Zum Vorwurf der mangelnden Transparenz wollte sich Virant auf Nachfrage nicht weiter äussern. Nur so viel: «Die Kostenangaben stützen sich auf Gutachten, Offerten, Kostenschätzungen sowie eine Auswertung der Aufwände, die wir bisher für die Liegenschaft hatten.»

Wird die Stadt also eine Anzeige machen?

Wie Stadtpräsident Beat Züsli vergangene Woche gegenüber zentralplus sagte, werde der Stadt nichts anderes übrig bleiben, als eine Anzeige zu machen, sollten die Eichwäldler das Haus am Montag nicht verlassen (zentralplus berichtete).

Virant hingegen wiegelt am Donnerstag auf Nachfrage ab. «Wir gehen davon aus, dass die Schlüsselübergabe am Montag wie vereinbart stattfindet. Danach erfolgt der Rückbau des Hauses. Es gibt keine anderen Optionen oder Pläne.»

Was würde eine Anzeige für den weiteren Zeitplan und das weitere Vorgehen bedeuten?

Auf Anfrage will man sich bei der Staatsanwaltschaft nicht dazu äussern, solange die Stadt nichts Neues und Konkretes kommuniziert. «Wir kommunizieren nicht via Medien über allfällige Massnahmen oder Vorgehensweisen», schreibt der Medienverantwortliche Simon Kopp. Im Falle einer Anzeige sei das Vorgehen der Untersuchungsbehörden aber anders also ohne, so die Antwort auf die Frage, ob gleich die Polizei anrücken und die Bagger auffahren könnten.

*Savinos vollständiger Name ist der Redaktion bekannt.

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4 Kommentare
  1. Peter Bitterli, 11.02.2021, 11:47 Uhr

    Transparenz einfordern und sich selber „Familie“ und „Savino“ nennen. Ist es noch Blödheit oder schon Niedertracht?

  2. Kapitalist, 11.02.2021, 10:57 Uhr

    In ihrem Manifest schreibt die «Eichwäldli Familie» wörtlich:
    «Wir fordern, dass die Häuser denen gehören, die sie beleben. Wir wollen frei sein von jeglichen Zwängen. Wir leben anarchistische Ideen.»
    Zudem beklagt die «Familie», das in keinem Gutachten schwarz auf weiss stehe, dass das Gebäude einsturzgefährdet sei. In einem anderen Papier steht aber sicher unmissverständlich, dass die Schlüsselübergabe am 15.02.2021 stattfinden wird.
    PS: In Hochdorf wäre gerade ein Haus leer, welches belebt werden möchte….

    Wer mit Anarchisten, Träumern und Gutmenschen Verträge schliesst ist zu bedauern.

  3. Der hellblaue Abt, 11.02.2021, 06:59 Uhr

    Insgesamt muss man resümieren, dass die «Einmietung» für die Familie Eichwäldli in der Liegenschaft Murmattweg 2 letztlich ein grosser und einzigartiger Erfolg war. Wer kann sich schon rühmen, in einer Mietliegenschaft umsonst gewohnt zu haben. Gratisparkplätze inklusive.

    Das gleiche Theater wird, Ende September 2021 beim Auslauf der Baubewilligung für die Wagenburg gegenüber beim Salzlager, mutmasslich dann nochmals von vorne beginnen.

    Letztlich erwarte ich vom städtischen Parlament eine Kostenaufstellung, was diese Possen den Steuerzahler gekostet haben und was für konkrete Lehren für die Zukunft aus diesem Bevorzugungs-Desaster abgeleitet werden.

  4. Steuerzahler Toni, 10.02.2021, 20:19 Uhr

    Also – habe ich das jetzt richtig verstanden. Zuerst einen Vertrag aushandeln und sich dann nicht daran halten. Tolle linke Welt…

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