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Was nur wollen all diese Kanadier in Zug?
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So müsste das eigentlich aussehen bei der aktuellen Kanadierdichte in Zug. Tut es aber nicht. (Bild: Montage wia )

Jährliche Verdoppelung von kanadischen Touristen Was nur wollen all diese Kanadier in Zug?

4 min Lesezeit 19.10.2016, 16:30 Uhr

Die jährliche Broschüre «Zug in Zahlen» offenbart alles, was der Nummernfanatiker will. Heuer versteckt sich zwischen Steuereinnahmen und Wachstumsrate eine ominöse Zahl: Die Dichte der kanadischen Touristen ist ganz gewaltig. Was wollen die hier? Ahornbäume pflanzen? Lachse aussetzen?

Schön ist es ja in Zug. Wissen wir alle. Wissen mittlerweile auch eine Handvoll Inder und ein paar Chinesen, welche meist mittels Car anreisen, ein paar Fotos vom Zytturm knipsen, schicken Schmuck kaufen und ein paar Stunden später wieder auf dem Weg zur Kapellbrücke sind. Dass offenbar auch die Kanadier wissen, dass es bei uns schön ist, erstaunt hingegen.

Blickt man auf die Tourismusstatistik des Kantons Zug, fällt nämlich eine Zahl besonders auf. Die durchschnittliche Zunahme bei den Logiernächten liegt bei 9,5 Prozent. Zugenommen hat erwartungsgemäss die Zahl der Chinesen und auch – das finden wir höchst ominös – die Zahl der Kanadier. Und zwar um saftige 87,8 Prozent! Waren es im Jahr 2014 noch 1633 Kanadier, die in Zug nächtigten, kletterte die Zahl ein Jahr später auf 3067.

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Uns fällt als Erstes ein, dass 2015 die Streethockey-WM in Zug stattfand, und da war auch der eine oder andere Kanadier mit seinem Gefolge da (zentralplus berichtete). Ein Blick in die Tourismusstatistik vom vorletzten Jahr macht die ganze Besserwisserei zunichte. Denn bereits 2014 kamen sie zuhauf, die Herren und Damen aus dem hohen amerikanischen Norden. Die Zunahme zwischen 2013 und 2014 lag bei satten 68,9 Prozent. Gopf.

Nein, wir sind sicher keine Amis!

Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Denn: Nicht ein einziges Mal sind sie uns aufgefallen, die Bärtigen im Karomuster-Flanellhemd. Und wir ärgern uns, dass uns die Kanadier, womöglich aufgrund der inflationär vorhandenen Hipster, durch die Lappen gegangen sind. Nichts haben wir gemerkt, keine Axtträger angetroffen, keine Backpack-Rucksäcke mit stolz demonstrierter Ahornblatt-Flagge entdeckt.

Diese aufgenähte Flagge hat, das weiss jedes Kind, nur den einen Zweck: sich abzugrenzen. Zu zeigen, dass man mit dem Trumpschen Theater so gar nichts am Hut hat und haben will und man viel eher einen jungen, dynamischen Trudeau gewählt hat, der es auf der Sympathieskala sogar mit Obama aufnehmen kann.

Wie kann es also sein, dass wir diese Kanadier übersehen haben? Und was machen die alle hier? Wo verbergen sie sich? Gibt es eine kanadische Untergrund-Forstorganisation, die sich seit Neustem in einer Jagdhütte auf dem Zugerberg trifft und über den Borkenkäfer fachsimpelt? Gibt es ein geheimes Projekt zur Ansiedlung des kanadischen Wildlachses in der Lorze, für dessen Gelingen es explizit Abgänger des Studiengangs «Fisheries and Aquaculture» braucht? (Den gibt es nämlich wirklich, und zwar an der Vancouver Island University.)

Die Schweiz liegt … oh, ein Bär!

Ob sie wohl alle nach Schweden wollten und sich bloss im Land geirrt haben? Denn, jeder Schweizer Weltenbummler weiss, dass nicht nur die Amerikaner über massenhaft Fensterplätze im Geografieunterricht verfügen. Und wenn ein kanadischer Schüler erst mal rausguckt aus dem Fenster der Blockhausschule, ist er ob der Elche, Bären und Wölfe so fasziniert, dass ihm gern mal entrinnt, dass die Schweiz nicht Schweden ist. Und dann geht besagter Kanadier zum Flughafen, bestellt sich ein Ticket nach «Suggebaden in Switzerland» und die Dame beim Schalter denkt, momoll, das Schweizerdeutsch ist schon super, und bestellt dem Herrn ein Billett nach Zug: Denn dieser wolle ja schliesslich «nach Zug go baden!».

Und schwupps landet er am Kolinplatz, steht da, präventiv mit gelb-blauen Plastikhörnern und langen Zöpfen geschmückt, und weiss gar nicht, wie ihm geschieht. Könnte eine Erklärung sein. Offen bleibt, warum das den US-Amerikanern nicht passiert. Vielleicht, weil die sowieso alle nur nach Cinque Terre wollen.

In unserer voranschreitenden Verwirrung wählen wir die einzige Nummer, die uns Licht ins Dunkel bringen kann. Die Zuger Fachstelle für Statistik. Herr Lischer, zu Hilfe! Stefan Lischer ist nämlich der Projektleiter Volkszählung und Registerharmonisierung und wir wollen von ihm wissen, warum er das kanadische Volk so zahlreich gezählt hat.

Dann spekulieren wir lieber weiter

Und dieser sagt, so mir nichts dir nichts, er habe keine Ahnung. Verspricht aber – wohl weil er merkt, wie desolat unsere Lage ist –, die Sache für uns abzuklären. Er tut wie geheissen und löst das Rätsel kurzum. «Laut Volkswirtschaftsdirektion gibt es kanadische Firmen im Kanton Zug, die in den letzten Jahren ausgebaut haben. Die Zunahme könnte also in diesem Zusammenhang gesehen werden», sagt er.

Die Erklärung ist also weit weniger spannend, als wir sie uns gewünscht hätten. Lieber klammern wir uns an diesem «könnte» fest, denn damit steht nichts fest, es ist alles nur Spekulation. Und wir glauben weiterhin fest daran, dass in der Lorze bald Lachse bachauf schwimmen werden.

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