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Was macht denn der FCL im Kunstmuseum?
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Zusammengekommen, um über Luzern 2118 zu reden: Mitglieder des FC Luzern und des Vereins «Hello Welcome». (Bild: jwy)

«Vereinslokal Utopia»: Visionen für Luzern gesucht Was macht denn der FCL im Kunstmuseum?

4 min Lesezeit 15.03.2018, 10:29 Uhr

Wie wird Luzern in 100 Jahren aussehen? Wie werden wir dann zusammenleben? Solche Fragen wurden am Mittwochabend bei Spiel und Speis in einem inszenierten Vereinslokal im Kunstmuseum diskutiert. Mit dem FC Luzern und dem Flüchtlingstreff «Hello Welcome». Die Resultate fliessen in eine Ausstellung.

Mittwochabend im Pilatussaal des Luzerner Kunstmuseums: Der Raum ist hergerichtet zu einem heimeligen Lokal. Kugelige Lampen hängen über einem Tisch, tapezierte Wände machen es wohlig eng.

An diesem Abend sitzen sich hier zwei Vereine gegenüber, die ansonsten wenig Berührungspunkte haben: der FC Luzern und «Hello Welcome». Ein Fussballclub sowie ein Treffpunkt für Asylsuchende und Migrantinnen. Thema des Abends: Zukunft und Macht.

Christin Glauser und Seraina Dür vom freien Zürcher Theater-Kollektiv Goldproduktionen haben eingeladen – und den Pilatussaal in ein Zukunftslaboratorium verwandelt. Ähnlich wie das zuvor schon in Aarau und Zürich ausprobierten.

Mitlauschen und mitessen

Luzern 2118: Wie wird das aussehen? Diese Frage stand im Raum und lud zu Visionen ein. Das mag zunächst etwas wirr klingen, hat aber einen spielerischen Reiz. Das Setting ist Teil der Ausstellung «Vereinslokal Utopia», die noch bis 1. April zu sehen ist. Die Ausstellung – eine Zusammenarbeit zwischen Kunstmuseum und Kleintheater – ist eine Art wachsende und begehbare Installation (siehe Box).

Zusammengekommen, um über Luzern 2118 zu reden: Mitglieder des FC Luzern und des Vereins «Hello Welcome». Ganz links: Christin Glauser.

Thema am Stammtisch des Vereinslokals ist «Zukunft und Macht». Mitglieder des FC Luzern und des Vereins «Hello Welcome», ganz links stehend: Christin Glauser.

(Bild: jwy)

Die insgesamt vier Vereinsabende sind nicht öffentlich, zentralplus durfte während einem Teil des Abends mitlauschen (und mitessen, danke an dieser Stelle, es war vorzüglich). «Es sollen ohne Druck möglichst offene Gespräche um gute Ideen stattfinden», so Glauser. Sie und Seraina Dür moderieren, wählen die passende Musik, managen und halten die Ideen fest. Als fixes Team ist zudem Patric Gehrig als Performer, ein Team von Koch Moritz Stiefel und Elke Mulders (Fetter Vetter) als Assistentin dabei.

Herrschaft des Volkes

Zunächst brachte der Gast Hans Ruh seine Expertensicht ein. Der Sozialethiker sprach über den Einfluss von Macht, über strukturelle Gewalt und mögliche Lösungen. Wer hat Macht? Gott, Geld, Menschen und Medien. Seine Ausführungen hatten eher pessimistischen Charakter, wenn er von der Herrschaft des Volkes und Robotern warnte, vor zunehmendem Populismus und Terror (und man hätte hier gern kurz in die Köpfe der Anwesenden geguckt).

Vereinslokal Utopia

Bis 1. April im Kunstmuseum Luzern. Offen jeweils Fr, Sa, So 11–18 Uhr. Auf dem Blog wird die wachsende Installation laufend dokumentiert.

Die beteiligten Vereine: Stadtorchester, Mannebüro, Rosalische Gesellschaft, Tauschnetz, FC Luzern, Hello Welcome, Maskenliebhaber-Gesellschaft und Kopfkino.

Auf was Ruh aber hinauswollte – und so kam er elegant wieder auf den Boden des Stammtischs zurück: Lösungen liegen in der Dezentralisierung und Regionalisierung. Was liegt da also näher, als Visionen in Vereinen zu diskutieren – Vereine als Abbild der Gesellschaft? Der düsteren Weltlage soll im Lokalen etwas Positives gegenübergestellt werden, um das Gefühl der Machtlosigkeit aufzubrechen.

Rückzug ins Séparée

Die Gruppen zogen sich daraufhin in zwei Séparées zurück, wo sie bei einem Spiel konkrete Wünsche, Utopien und Visionen für Luzern diskutierten und zusammentrugen. Beim FCL waren CEO Marcel Kälin dabei, Spieler Remo Arnold, Kommunikationschef Reto Anderhub und Teammanager Dante Carecci. Sie mischten sich mit Mitgliedern von «Hello Welcome»: Belhadri Benmia, Luisa Grünenfelder (Vorstand), Mohammed Rihan und Marco Perucchi.

Was dabei herauskommt? Keine Ahnung, der Journalist blieb draussen, hatte aber Gelegenheit, einen Augenschein in der Ausstellung daneben zu nehmen. Denn Mitschnitte, Gedanken und Landschaften mit Bauklötzen fliessen in die «Mikro-Makro-Kosmos-Installation» ein, wie Dür und Glaus das nennen.

Mitbringsel des FCL: Ein Bild von ihrem Nachwuchs. Passend zum Motto «Zukunft und Macht».

Mitbringsel des FCL: Ein Bild von ihrem Nachwuchs. Passend zum Motto «Zukunft und Macht».

(Bild: jwy)

Die Resultate vom Mittwoch wird man erstmals am Freitag sehen, wenn die Ausstellung wieder für die Öffentlichkeit geöffnet ist. «Wir picken aus den Vereinsabenden Sachen heraus, die uns wichtig sind und denken sie weiter», sagt Glauser. Szenograph Chasper Bertschinger und Illustrator Andreas Bertschi helfen mit.

Glauser und Dür sind bei den Öffnungszeiten anwesend und arbeiten am offenen Objekt. Sie wollen mit Besuchern ins Gespräch kommen – jeder kann das Werk mitprägen. «Es ist keine tote Installation, sondern der jeweilige Stand der Ideen. Man kann nicht nur konsumieren, sondern hat einen Impact auf die Installation, wenn man das wünscht», so Glauser.

Zukunft mit Bauklötzen

Nach dem Essen hielt Patric Gehrig eine Performance, in der er die Gedanken von Ruh weiterspann und von einem total abgeschotteten, aber in sich funktionierenden Luzern in 100 Jahren fabulierte. Mit Grünflächen und einer verdichteten Skyline. Optimistische Utopie oder das Gegenteil, eine pessimistische Dystopie?

Die Mitglieder vom FCL und von «Hello Welcome» zogen sich daraufhin für eine weitere Spielrunde zurück, um mit Bauklötzen an der Zukunft weiterzubauen. Und für den Journalisten war es an der Zeit, das Vereinslokal zu verlassen, hinaus in die gar nicht so unwirtliche Frühlingsnacht.

Das Vereinslokal: eng und gemütlich.

Das Vereinslokal: eng und gemütlich.

(Bild: jwy)

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