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Was lange währt … Die Beiz auf dem Wasser kommt
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Das Siegerprojekt für das Seerestaurant Tivoli, wie es auf dem Plan aussieht.  (Bild: zvg)

Siegerprojekt für Seerestaurant beim Tivoli Was lange währt … Die Beiz auf dem Wasser kommt

5 min Lesezeit 26.10.2016, 21:48 Uhr

Am Carl-Spitteler-Quai in Luzern, beim Hotel Tivoli, wurde vor zehn Jahren das Bootshaus abgerissen. Seither plant man ein neues Restaurant auf dem Wasser. Nun scheint man einen Schritt weiter: Ein Siegerprojekt steht fest. Einsprachen befürchtet man keine mehr, trotzdem ist noch etwas Geduld gefragt.

Die Idee ist bestechend: Am Quai dem See entlang flanieren und auf Höhe des ehemaligen Hotels Tivoli, über dem Wasser und mit Blick auf die Stadt, einen Apéro oder ein Nachtessen geniessen. Das dürfte bald Realität werden. Eine über zehn Jahre alte Idee, die immer wieder blockiert war, rückt jetzt einen entscheidenden Schritt näher.

2006 wurde das damalige Bootshaus aus den 50er-Jahren abgerissen – zur gleichen Zeit, als auch das Hotel Tivoli dem Erdboden gleichgemacht wurde (siehe unten). Nun gibt’s ein neues Siegerprojekt. Wenn alles glatt läuft und es keine Einsprachen mehr gibt, kann man 2018 mit dem Bau beginnen.

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Projekt «Lucerna» überzeugte

Juryvorstand Marc Syfrig, selber Architekt, hat am Mittwochabend das Projekt präsentiert. Aus einem Wettbewerb mit acht Teilnehmern setzte sich das Berner Projekt «Lucerna» um den Architekten Rolf Mühlethaler letztlich einstimmig durch. Den Wettbewerb lanciert hat die Remimag, die in Luzern bereits mehrere Betriebe führt, unter anderem das neue Hotel Anker oder das Opus.

Nehmen das Modell genau unter die Lupe: Bauherr Peter Eltschinger (links), Juryvorsitzender Marc Syfrig (Mitte) und Andreas Binkert, Vizepräsident des Yachtclubs.  (Bild: jwy)

Nehmen das Modell genau unter die Lupe: Bauherr Peter Eltschinger (links), Juryvorsitzender Marc Syfrig (Mitte) und Andreas Binkert, Vizepräsident des Yachtclubs.  (Bild: jwy)

Das Berner Projekt hat sich durchgesetzt, weil der Architekt eher konservativ an die Sache heranging. «Es hält sich streng an die Tradition der Holzbauten in Luzern», sagt Marc Syfrig. Auf dem See an dieser Lage einen Neubau zu planen, sei eine sehr heikle Angelegenheit – aber die Mühlethaler Architekten hätten das mustergültig umgesetzt. «Der einfache Holzbau nimmt sich zurück, der Star bleibt die Umgebung, die Stadt», so Syfrig. Zudem stelle das Projekt einen klaren Bezug zu den bestehenden Bauten her.

100 Sitzplätze und 120 auf der Terrasse

Öffentliche Ausstellung

Das Siegerprojekt sowie die sieben weiteren Wettbewerbsbeiträge sind noch bis Sonntag, 30. Oktober, ausgestellt: Wirtschaft zum Schützenhaus, Allmend Luzern. Geöffnet jeweils zwischen 8 und 20 Uhr.

Der Ort am Ende des Luzerner Seebeckens, der einen Blick zurück auf die Stadt erlaube, sei perfekt für ein Restaurant. «Es ist ein Gewinn für die Bürger», ist Syfrig überzeugt. Der Bau sei einfach konstruiert – eine filigrane Holzarchitektur. «Das Gebäude sucht nicht die grosse Geste, sondern lebt von der Holzstruktur», sagt Syfrig.

Es ist ein zweistöckiger Bau mit insgesamt 800 Quadratmetern Fläche: Im Erdgeschoss wird es eine Bar geben, in der oberen Etage ein Speiserestaurant. Insgesamt wird der Betrieb rund 100 Innenplätze bieten, dazu kommen 120 Plätze auf der Terrasse. Betreiben wird das Restaurant die Remimag um Peter Eltschinger. Das Holzhaus wird auch dem Yachtclub Tivoli eine neue Heimat bieten.

Das geplante Seerestaurant am See: Modell des Siegerprojekts.  (Bild: jwy)

Das geplante Seerestaurant am See: Modell des Siegerprojekts.  (Bild: jwy)

Das Haus wird auf Pfählen quasi über dem Wasser schweben und über Stege mit dem Land verbunden sein – ganz in der Tradition des ehemaligen Badhauses von 1939, das an dieser Stelle einmal stand. Aber auch als Referenz zur nahen Seebadi und des in Sichtweite liegenden Bootshauses.

Name ist noch offen

Wie das geplante Restaurant heissen wird, ist noch offen, ebenfalls, wann es eröffnet wird. «Ich wünsche mir, dass es bald so weit ist, alle baurechtlichen Probleme sind gelöst», sagt Syfrig. Auch in der Funktionalität sei das Projekt «Lucerne» überzeugender als die anderen sieben – für einen Gastrobetrieb entscheidend.

Das Siegerprojekt muss nun noch ausgearbeitet werden. Baurechtsnehmerin ist die Remimag – das Grundstück wiederum gehört wie alle Gewässer dem Kanton. Trotz der sensiblen Zone und der komplizierten Konstellation erwartet Peter Eltschinger keine Hürden mehr. Die Luzerner Bau- und Zonenordnung ist rechtskräftig – und auch die umstrittene Tourismuszone, die momentan vor Bundesgericht hängig ist, sollte für das Projekt kein Hindernis sein.

Zudem weist das Siegerprojekt von allen den kleinsten Grundriss auf und es nehme am besten Rücksicht auf die Unterwasservegetation. «Ich gehe davon aus, dass auch der Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee Freude am Projekt hat», sagt Peter Eltschinger mit einem Augenzwinkern.

Bauherr und Gastronom Peter Eltschinger (mit Gips), Architekt und Juryvorsitzender Marc Syfrig (Mitte) und Yachtclub-Vizepräsident Andreas Binkert.  (Bild: jwy)

Bauherr und Gastronom Peter Eltschinger (mit Gips), Architekt und Juryvorsitzender Marc Syfrig (Mitte) und Yachtclub-Vizepräsident Andreas Binkert.  (Bild: jwy)

Eröffnung war auf 2009 geplant

Dass ein solches Projekt nicht vor Überraschungen gefeit ist, weiss Peter Eltschinger aus der langen Geschichte voller Rückschläge zu gut. Schon vor über 10 Jahren, Anfang 2005, hiess es in der Presse: «Das Bootshaus vor den Tivoli-Tennisplätzen wird abgerissen und neu gebaut.» Ein zweistöckiges Restaurant mit 100 Plätzen – das einzige in Luzern, das auf dem Wasser gebaut ist. Der Stadtrat hatte eine Baubewilligung für das private Projekt bereits erteilt.

Geschlossen wurde das alte Seerestaurant bereits 2003, als das alte Hotel Tivoli an der Haldenstrasse weichen musste. Abgerissen wurde das Bootshaus schliesslich 2006. Das Gastrounternehmen Remimag hatte den Baugrund daraufhin im Baurecht von der Stadt erworben und plante die Eröffnung ursprünglich auf 2009.

Keine Unterkellerung mehr

Doch es war dann alles etwas komplizierter und dauerte viel länger: Zankapfel war eine geplante Unterkellerung unter dem zweistöckigen Restaurant, die als Lagerraum und für die technischen Anlagen dienen sollte. Im jetzigen Wettbewerb war eine Unterkellerung im Vornherein ausgeschlossen – beim Siegerprojekt kommt die Gebäudetechnik in der Dachhaube unter.

Es war damals nämlich das Untergeschoss, gegen welches der Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee (LSVV), der schon so manches Projekt zu Fall brachte, Einsprache erhob. Die Unterkellerung sei ein «unzulässiger Eingriff in den Seegrund», sagte Pius Stadelmann vom Verband 2008 zur «Luzerner Zeitung». Man fürchtete, dass der Lebensraum von Fischen, Muscheln und Insekten zerstört würde. Das Verwaltungsgericht gab dem LSVV 2009 recht – das Projekt war vorerst auf Eis gelegt.

2011 dann startete der neue Anlauf. Dass es wieder so lange dauerte, bis nun ein Siegerprojekt vorliegt, liegt daran, dass man erst die revidierte Bau- und Zonenordnung und die Volksabstimmung 2013 darüber abwarten musste.

Das Siegerprojekt «Lucerne» auf dem Plan.  (Bild: zvg)

Das Siegerprojekt «Lucerne» auf dem Plan.  (Bild: zvg)

Auch die unterlegenen Wettbewerbsbeiträge sind momentan ausgestellt.  (Bild: jwy)

Auch die unterlegenen Wettbewerbsbeiträge sind momentan ausgestellt.  (Bild: jwy)

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