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Was hinter dem Bunkerbau von Steinhausen steckt
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Kaum Fenster: neuer Bau der Kunstsammlerin Nicola Erni bei der Autobahn in Steinhausen. (Bild: mam)

Private Kunstgalerie als Bürogebäude getarnt Was hinter dem Bunkerbau von Steinhausen steckt

3 min Lesezeit 27.05.2019, 05:05 Uhr

Neben der Autobahn in Steinhausen entsteht ein voluminöser Betonklotz, der kaum Fensteröffnungen aufweist. Es ist der zweite Streich der Fotografie-Liebhaberin Nicola Erni, deren Mann mit der Vermögensverwaltungsfirma Partners Group steinreich geworden ist. Sie realisiert eine private Kunstgalerie, die als Bürogebäude getarnt ist.

Ein Bürogebäude weist üblicherweise zahlreiche Fensteröffnungen auf, damit die Arbeitsplätze der darin Beschäftigten vom Tageslicht erhellt werden.

Nicht so am Erlenweg in Steinhausen, direkt an der Autobahn A4 gelegen. Dort wächst seit einem guten halben Jahr ein dunkles Betongeviert in die Höhe, das kaum Löcher in der Aussenhülle aufweist.

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Schönes vermählt sich mit dem Zeitgeist

Vor sieben Jahren gabs das schon einmal in Steinhausen. Die «Zuger Zeitung» mutmasste über den Zweck des Steinklotzes, vermutete einen Luftschutzbunker, eine Garage für Luxusautos oder gar ein neues Gefängnis. Lokale Handwerker überboten sich in Erzählungen über profitable Aufträge.

«Nach meinem Wissenstand war das Projekt kein grosses Thema in der Gemeinde.»

Andreas Hürlimann, alt Gemeinderat, Steinhausen

Damals realisierte Fotografie-Liebhaberin Nicola Erni aus Zug gleich in der Nachbarschaft der gegenwärtigen Baustelle ein ähnliches Gebäude, in dem sie ihre Fotosammlung unterbrachte. Die deutschstämmige Ökonomin hatte einige Jahre zuvor begonnen, Fotoarbeiten aus den 1960er und 1970er Jahren zu sammeln.

Sie interessierte sich für «Zeitgeist & Glamour», gab auch einen gleichnamigen Bildband heraus. Erni reiste mehrere Jahre den Ikonen vergangener Glorie nach und sammelte Aufnahmen von Marlon Brando, Mick Jagger, Grace Jones, Yves Saint-Laurent, Jackie Kennedy oder Andy Warhol.

Künstler, Paparazzi, Pressefotografen

Festgehalten wurden sie von Paparazzo-Übervater Ron Galella oder dem Franzosen Jeanloup Sieff. Dem britischen Modefotografen David Bailey oder dem verstorbenen Amerikaner David Mattlethorpe, welchen in namhaften Kunstmuseen Einzelausstellungen gewidmet werden.

1000 Werke hatte Erni gesammelt, bevor sie sie 2011 an verschiedenen Orten zeigte: In Sankt Moritz, dann 80 Arbeiten im damaligen Chamer Restaurant  The Blinker, anschliessend nochmal 400 Fotografien in Düsseldorf.

Das New Yorker Branchenmagazin Artnews führt Nicola Erni seit 2018 in der Liste der 200 weltweit grössten Sammler. Demnach umfasst ihre Kollektion nicht mehr nur Fotografien, sondern auch zeitgenössische Kunst.

Segen des grossen Geldes

Das Geld für die umfangreiche Sammlung stammt aus dem Vermögensverwaltungsgeschäft: Genauer aus der Baarer Partners Group, gegründet 1996 von drei jungen Schweizer Investmentbankern, die ausser ein paar Interio-Möbeln nur erste Ersparnisse hatten – und ein paar Kunden aus früheren Zeiten im Hinterkopf.

Mittlerweile ist das Unternehmen eines der Aushängeschilder der Schweizer Finanzindustrie. Es beschäftigt über 1000 Mitarbeiter und verwaltet 62 Milliarden Franken an Vermögen. Einer der Gründer ist Marcel Erni, Nicola Ernis Gemahl – selber kunstsinnig und ein Liebhaber von klassischer Musik, die er monetär unterstützt.

Gut gesichert: Erster Bau von Nicola Erni in Steinhausen.

Gut gesichert: Erster Bau von Nicola Erni in Steinhausen.

(Bild: mam)

Heim für zwei juristische Personen

Untergebracht ist die Kollektion von Nicola Erni an der erwähnten, stark überwachten Liegenschaft nahe der Autobahn. Ob Ernis Kollektion mittlerweile derart gewachsen ist, dass es dafür einen zweiten Bunker braucht, ist nicht in Erfahrung zu bringen – denn die Sammlerin hält sich strikt im Hintergrund. Ihre Kunstagentin in München sagt auf Anfrage, dass sie nicht mit dem Projekt befasst sei – ihres Wissens handle es sich um ein normales Bürogebäude.

Im bereits realisierten Gebäude sind indes nur zwei Unternehmen zu Hause – die Managementfirma für die Nicola Erni Collection und eine Immobilienfirma eines Geschäftsfreunds aus der Partners Group.

Auskünfte der Gemeinde Steinhausen lassen darauf schliessen, dass es sich auch bei Ernis Neubau um eine Art Erweiterungsbau der privaten Kunstgalerie handelt. Das Bauprojekt lag vergangenes Jahr bei der Gemeinde auf.

Seit vergangenem Sommer wird gebaut

Anders als der erste Bau ist der zweite weitgehend unbeachtet geblieben. «Nach meinem Wissenstand war das Projekt kein grosses Thema in der Gemeinde», sagte der damalige Steinhauser Bauchef Andreas Hürlimann (ALG) gegenüber zentralplus.

Gebaut am Bunker wird übrigens schon eine ganze Weile. Nachdem keine Einsprachen gegen das Projekt eingegangen waren, wurde im vergangenen August eine Teil-Baufreigabe erteilt. Dann begannen die Tiefbauarbeiten, die sich über mehrere Monate hinzogen.

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