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«Was heisst hier Erleichterung?»
  • Gesellschaft
Der Plakatentwurf zu einer Ausstellung der Wiener Secession, aus der Sammlung Kamm. Dr. Christine Kamm-Kyburz hat ihre eigene Sezession hinter sich: Vorstandsmitglieder der Kunstgesellschaft sind zurückgetreten, ein Präsident wird noch gesucht. (Bild: zvg )

Knatsch im Kunsthaus Teil 2 «Was heisst hier Erleichterung?»

7 Min 22.07.2014, 11:30 Uhr

Das Projekt «Neues Kunsthaus Zug» hat die altbekannten Gremien rund ums Kunsthaus Anfang Jahr heftig durchwirbelt: Rücktritte, Beschimpfungen, Kritik. Alles vorbei, sagt Christine Kamm-Kyburz. Aber die Kritik ist noch nicht verstummt. Der Einfluss der Kamms sei schlecht fürs Kunsthaus, die Situation immer noch ungesund. Stimmt nicht, sagt Christine Kamm.

zentral+: Dr. Christine Kamm-Kyburz, wie viel Einfluss hat die Familie Kamm aufs Kunsthaus?

Christine Kamm-Kyburz: Keinen. Die Familie Kamm hat gar nie eine tragende Rolle im Kunsthaus gespielt. Weder mein verstorbener Mann Peter Kamm, meine Schwägerin Christa Kamm noch ich hatten oder haben jemals in irgendeiner Weise Einfluss genommen, wie das Kunsthaus mit der Sammlung Kamm umgeht, welche Werke ausgestellt oder für Ausstellungen ausgeliehen werden und welche nicht.

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zentral+: Aber Sie sind ja beide in den Vorständen der Gremien, die das Kunsthaus leiten, insofern nehmen Sie direkt Einfluss auf die Geschicke des Kunsthauses.

Kamm-Kyburz: Das stimmt, aber die Zuger Kunstgesellschaft und die Stiftung der Freunde Kunsthaus Zug greifen nicht in das operative Geschäft des Kunsthauses ein. Übrigens war ich schon mehrere Jahre vorher im Vorstand der Zuger Kunstgesellschaft, bevor ich Peter Kamm geheiratet habe. Und ich bin Vorstandsmitglied, weil ich Kunsthistorikerin bin. Aus Leidenschaft und aus professionellem Interesse. Es ist ein gesellschaftliches, kulturpolitisches und gemeinnütziges Engagement, wie ich auch noch andere habe: Ich war lange in der Wakker-Kommission tätig und beim Schweizer Heimatschutz, bin immer noch bei dessen Zuger Sektion engagiert.

zentral+: Aber verleiht die Sammlung Kamm Ihrem Wort und dem Ihrer Schwägerin nicht automatisch mehr Gewicht, wenn es ums Kunsthaus geht?

Kamm-Kyburz: Nein, die Sammlung ist als Depositum im Kunsthaus Zug beheimatet. Und sie wurde schon vor über 60 Jahren von meinen Schwiegereltern Fritz und Dita Kamm gemeinsam mit dem österreichischen Bildhauer Fritz Wotruba begonnen. Peter Kamm, Christa Kamm und ich haben die Sammlung nur erweitert und arrondiert. Da muss man vielleicht einmal betrachten, wie es überhaupt zur Stiftung Sammlung Kamm gekommen ist: Der Schweizer Kunstverein, damals unter dem Präsidenten Rainer Peikert aus Zug, realisierte aus Anlass des 150. Geburtstags des Schweizerischen Bundesstaates ein breit angelegtes Ausstellungsprojekt unter dem Titel «Die Kunst zu sammeln. Schweizer Kunstsammlungen seit 1848». Auf Anfrage des Kunsthauses Zug haben wir drei Kamms nach einigem Überlegen damals beschlossen, mitzumachen.

Das Projekt des Schweizer Kunstvereins mit den vielen Ausstellungen und speziell jener im Kunsthaus Zug waren ein voller Erfolg. Viele, sehr viele waren aufrichtig interessiert und höchst wissbegierig, auch die Sammlung Kamm in Zug zu sehen. Selbst in nationalen und internationalen Museumskreisen wusste man damals nicht genau, was alles in der Sammlung ist, da wir darüber eigentlich nie gross gesprochen hatten.
Auf Grund der Sommer-Ausstellung 1998 im Kunsthaus Zug «Dialog mit der Moderne. Fritz Wotruba und die Sammlung Kamm», notabene vom damaligen Präsidenten der Zuger Kunstgesellschaft Hans Peter Gnos eröffnet, wurde die «Stiftung Sammlung Kamm» gegründet und als Anerkennung der Verdienste des Kunsthauses Zug unter Leitung des Direktors Matthias Haldemann eben dem Kunsthaus Zug als Depositum übergeben. Das schien uns vernünftig. Denn wir glauben, es sei in Zug – und auch dank Zug – etwas entstanden, das zu Zug gehören soll. Das ist auch ein Zitat aus dem Sammlungskatalog 1998.

zentral+: War das eine Erleichterung für die Familie, dass man die Sammlung dem Kunsthaus übergeben konnte? Nach der öffentlichen Ausstellung war die Sammlung bei Ihnen zu Hause wohl nicht mehr sehr sicher.

Kamm-Kyburz: Was heisst hier Erleichterung? Nachdem wir uns mit der erstmaligen Präsentation der Sammlung Kamm auf eine Einbahnstrasse begeben hatten und so und so viele Kunstwerke von Klimt, Schiele, Kokoschka, Josef Hoffmann, Kolo Moser und anderen öffentlich zeigten, haben wir drei Kamms unsere Kollektion in eine öffentlich-rechtliche Stiftung eingebracht. Selbstverständlich hätten wir bereits damals unzählige Werke zu fantastischen Höchstpreisen verkaufen können. Aber gerade die in der Schweiz einzigartige Entstehung der Sammlung Kamm in Zug zusammen mit Fritz Wotruba wollten und wollen wir in Zug und für Zug erhalten. Mit dem heute praktizierten Austausch zwischen Museen ist das Kunsthaus Zug ein gewichtiger, internationaler Ansprechpartner geworden und kann entsprechend immer wieder auf grosse Gegenleihgaben zählen, die sonst nicht möglich wären. Das Kunsthaus Zug ist ein Global Player geworden.

zentral+: Christine Kamm, könnte das Kunsthaus auch ohne Sie funktionieren?

Kamm-Kyburz: Sie meinen wohl die Zuger Kunstgesellschaft. Hier, auf jeden Fall, natürlich. Ich könnte mein Amt als Vorstandsmitglied sofort abgeben, das kann jemand anders genau so gut machen. Aber ich mache es gerne, und deshalb schon seit Zeiten und bin nur gerade jetzt in leitender Position, ad interim. Wir, meine Vorstandskollegen und ich als temporäre Leiterin des Vorstands Zuger Kunstgesellschaft, sind auf der Suche nach einem neuen Präsidenten für die Zuger Kunstgesellschaft. Und dies nach den strikten Vorgaben der vom Zuger Regierungsrat, vom Stadtrat und der Kunstgesellschaft eingeladenen Experten Peter Ess und Thomas Held. Die Krise, die wir hatten, ist allerdings nur eine Episode. Wir hatten immer einen sehr offenen Umgang miteinander, erst vor etwa zwei Jahren hat es angefangen, schwierig zu werden. Und jetzt nach der Krise die grosse Chance – mit einem guten und gross motivierten neuen Team in der Zuger Kunstgesellschaft.

zentral+: Was ist Ihrer Meinung nach der Grund für die momentane Krise?

Kamm-Kyburz: Nochmals: Es gibt keine momentane Krise mehr. In der Zuger Kunstgesellschaft beginnen wir wieder mit hoch motivierten jungen und für jedes Ressort speziell ausgewählten Fachleuten. Von wegen vergangener Krise: Vielleicht liegt das am Erfolg des Kunsthauses. Wir haben damals zu schnell neue Leute in den Vorstand geholt, haben nicht richtig geschaut, ob das passt. Und es hat nicht gepasst. Ich will hier nicht über ehemalige Präsidenten der zwei Gremien und über einstige Mitglieder urteilen. Wir hatten an der GV der Zuger Kunstgesellschaft am 20. Mai 2014 eine wunderschön gestaltete Verabschiedung und grosse Laudationen. Das reicht.

zentral+: Hat man jetzt mit den neuen Vorstandsmitgliedern die Unbequemen gegen Unauffällige eingetauscht?

Kamm-Kyburz: Im Gegenteil, das sind kompetente und auf ihrem Gebiet national anerkannte Fachleute und zudem grosse Kunstliebhaber. Wir haben jetzt ein tolles Team und sind gut aufgestellt, und ich kann optimistisch sagen: Ich glaube, das neue Kunsthaus kommt.

zentral+: Was sagen Sie zu Herrn Brütschs Kritik, dass die Kamms und Herr Haldemann zu eng verknüpft sind?

Kamm-Kyburz: Andres Brütsch ist als Präsident der Stiftung Freunde Kunsthaus Zug (2011-2013) nach kurzer Zeit zurückgetreten. Auf seine Behauptungen und oder Kritiken lasse ich mich nicht ein.

zentral+: Und zum Vorwurf, die Verhältnisse seien unklar, es werde gemauschelt, die Vorgänge seien nicht transparent?

Kamm-Kyburz: Wir sind hier vor Ort, im Kunsthaus, ja im Kunsthaus-Garten, es gibt einen Vorstand, wir nehmen Stellung, wir sind für Fragen da. Man kann Mitglied werden in der Kunstgesellschaft. Es gibt zuvorkommendes Personal in der Ausstellung und an der Bar, das auch Auskunft geben kann. Ich kann nicht nachvollziehen, was intransparent sein soll. Bei der letzten Generalversammlung der Zuger Kunstgesellschaft waren sogar über 90 Mitglieder anwesesend, die zur Unterstützung des neuen Vorstands und des Kunsthaus-Direktors Matthias Haldemann kamen.

zentral+: Was braucht es, damit es klappt mit dem neuen Kunsthaus?

Kamm-Kyburz: Wir erarbeiten gerade den Business-Plan, und unser Terminkalender sieht vor, dass wir ihn im August den politischen Gremien präsentieren. Das ist knapp gerechnet, aber wir sind sehr gut drin. Wir machen die neuen und die alten Hausaufgaben, und wir spüren auch grosse Unterstützung aus der Kunstgesellschaft: An der Generalversammlung waren 90 Leute, und sie haben uns mit grossem Applaus unterstützt. Die Krise war uns ein Lehrblätz, jetzt haben wir die Chance zu einem Neuanfang.

zentral+: Was wäre das beste, das in der Planung des neuen Kunsthauses passieren könnte?

Kamm-Kyburz: Dass es gebaut wird (lacht). Dass ein Haus gebaut wird, auf dem Areal des ehemaligen Kantonsspitals, in dem in grosszügigen Räumen unterschiedlichste Ausstellungen gemacht werden können. Ein Haus mit längeren Öffnungszeiten. Wir hatten in Zug noch nie ein ganz neues Gebäude fürs Kunsthaus. Es war zuerst in einem mittelalterlichen Haus in der Altstadt, in dem man genau wusste: Dieses Bild passt nur in den dritten Stock, das andere nur in den zweiten, rein von der Grösse her. Das momentane Kunsthaus ist in einem alten Herrenhaus untergebracht, wo man unter anderem die Kunstwerke, die per Lastwagen angeliefert werden, auf der offenen Strasse ausladen muss. Das ist nicht besonders sicher. Ein ganz neues Haus ohne Einschränkungen, das wäre das beste, was dem Kunsthaus Zug passieren könnte.

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