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Was hat die «Tour de Suisse» Zug eigentlich gebracht?
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Die Tour de Suisse in Allenwinden – regnerisch zwar, aber die harten Fans harrten aus. (Bild: Laura Livers)

Im Juni startet das Radrennen nicht mehr von hier Was hat die «Tour de Suisse» Zug eigentlich gebracht?

4 min Lesezeit 1 Kommentar 01.05.2018, 10:53 Uhr

Rotkreuz, Baar, Cham: das waren die «Hubs» im Kanton Zug in den drei vergangenen Sommern, wo jeweils die «Tour de Suisse» startete. Nun ist es vorbei damit. Ein Schaden?

Kommenden Juni startet die «Tour de Suisse» in Frauenfeld im Thurgau – im «Mostkanton», also. In den vergangenen drei Jahren nahm die viertwichtigste Radrundfahrt der Welt – nach der «Tour de France», der «Vuelta» und dem «Giro d’Italia» – ihren Ausgang im Kanton Zug. In Rotkreuz, Baar und in Cham.

Was hat das Zug und den Gemeinden eigentlich gebracht – ausser Aufwänden und einer grossen Party? 

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zentralplus fragte nach bei Zugs Regierungsrat Beat Villiger – dem ehemaligen OK-Chef der Tour. Und bei Peter Hausherr, dem Rischer Gemeindepräsidenten.

zentralplus: Gibt es schon Ergebnisse und Fakten darüber, was die «Tour de Suisse» für Zug und Rotkreuz gebracht hat? 

Beat Villiger: Einen Reingewinn erzielt man mit solchen Veranstaltungen nie. Nach der Morgartenfeier 2015, einem vergleichbaren Grossereignis, kann man sagen, dass es 1’000 Übernachtungen mehr gegeben hat. Man darf davon ausgehen, dass die Rennen der «Tour de Suisse» rund 300’000 Personen angelockt haben. Man musste nirgends Eintritt bezahlen, konnte diesen Sport aus nächster Nähe mitverfolgen. Es hat mich zudem gefreut, dass viele Private an den Strecken und Vereine in den Durchfahrtsgemeinden kleinere und grössere Festivitäten organisierten.

Reto Pfister und seine Familie geniessen in Cham auf dem Papieri-Areal die Tour de Suisse im offenen Festzelt.

Reto Pfister und seine Familie geniessen in Cham auf dem Papieri-Areal die Tour de Suisse im offenen Festzelt.

(Bild: woz)

Peter Hausherr: Tatsächlich war die Tour de Suisse ein grosses Volksfest, welches ein bleibendes Erlebnis für die vielen Besucher war. Ein toller Sportanlass, eindrückliche Bilder, ein gewaltiger Einsatz der Vereine, ein grosser Aufmarsch und geniale Stimmung. Risch zeigte sich von seiner besten Seite und erhielt medial eine grosse Aufmerksamkeit.

«Der Kanton unterstützte die Organisation mit je 100’000 Franken pro Durchführungsjahr.»

zentralplus: Was hat der «Hub Zug» den Kanton respektive Risch insgesamt gekostet?

Villiger: Solche Anlässe sind aufwändig. Der Kanton unterstützte die Organisation mit je 100’000 Franken pro Durchführungsjahr. Das war rund ein Siebtel der Gesamtkosten. Wir haben bei diesen Anlässen aber auch einen Beitrag für die Schulen und für den Breitensport geleistet. Wir waren dort mit Rennvelos präsent. Die Schulklassen konnten auf ein Rennrad sitzen und sich messen lassen.

Hausherr: Der finanzielle Aufwand belief sich auf rund 35’000 Franken. Zusätzlich haben wir interne Stunden der Verwaltung und des Werkhofs aufgewendet.

«Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer.»

zentralplus: Spürt man irgendwelchen Schub von irgendwoher in Sachen Tourismus, Werbung, Name-Dropping von Zug und Risch, der mit der «Tour de Suisse» in Verbindung gebracht werden könnte?

Villiger: Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer. Aber wenn ich gesehen habe, wie herrliche Bilder vom Kanton Zug und Umgebung das Fernsehen übertragen hat, wie zufrieden die Zuschauer und die Profi-Sportler und auch die ca. 2’500 am Amateurrennen beteiligten Fahrer waren, so darf man davon ausgehen, dass die «Tour de Suisse» auch beste Werbung für den Kanton Zug und somit auch für den Tourismus war.

Hausherr: Dies war nicht der eigentliche Beweggrund für unsere Ausrichtung der «Tour de Suisse». Was zählte, war der Sport und das Fest. Risch steht noch für vieles mehr.

«Die Einfahrt von Fabian Cancellara am Prolog war ein phänomenaler Moment.»

zentralplus: Welche Erfahrungen haben Sie als OK-Chef beziehungsweise als Rischer Gemeindepräsident durch den «Hub Zug» gesammelt?

Villiger: Wir fanden in allen drei Gemeinden eine vorbildliche Unterstützung vor. Uns standen viele Hundertschaften an guten Helferinnen und Helfern zur Verfügung. Und es gab keine gravierenden Unfälle. Die Rennen waren aber auch eine Herausforderung bezüglich der Sperrung von Strassen. Es war dafür aber ein grosses Verständnis der Bevölkerung zu spüren.

 

Grosse Begeisterung herrschte unter den Rischer Radsportfans in Rotkreuz beim Auftakt der «Tour de Suisse» 2015.

Grosse Begeisterung herrschte unter den Rischer Radsportfans in Rotkreuz beim Auftakt der «Tour de Suisse» 2015.

(Bild: zvg)

Hausherr: Für mich war die Einfahrt von Fabian Cancellara am Prolog ein phänomenaler Moment, für den es alleine schon wert war, die ganze Arbeit auf sich zu nehmen. Ich habe noch selten das Feierabendbier im Festzelt so genossen wie an der Tour de Suisse …und auch ein zweites…

«Wir sind zusammen mit dem Schwingclub Cham-Ennetsee daran, das 100. Zuger Kantonale Schwingfest am 5. Mai 2019 zu organisieren.»

zentralplus: Gibt es schon irgendwelche Überlegungen seitens des Kantons Zug, andere Sportgrossereignisse nach Zug zu holen – oder ist mit dem Eidgenössischen Schwingfest 2019 für Zug erstmal auf Jahre hinaus das Ende der Fahnenstange erreicht? Und wie sieht es in Rotkreuz aus?

Villiger: Von meiner Sicht aus, nein. Ich freue mich jetzt sicher zuerst mal auf das ESAF. Die Erfahrung zeigt, dass es halt immer schwieriger wird, Grossanlässe zu organisieren. Immer weniger wollen im Milizsystem solche aufwändigen und zum Teil auch risikoreichen Anlässe organisieren. Letztlich sind sie auch abhängig vom privaten Sponsoring.

Hausherr: Wir sind zusammen mit dem Schwingclub Cham-Ennetsee daran, das 100. Zuger Kantonale Schwingfest am 5. Mai 2019 zu organisieren. Ich freue mich sehr auf diesen Anlass, welcher gleichzeitig als sportliche Standortbestimmung für das Eidgenössische in Zug gilt.

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1 Kommentare
  1. Michel Ebinger, 01.05.2018, 15:19 Uhr

    Sportliche Grossanlässe bringen nur Puff und Ärger. es profitieren nie die Kleinen oder das Gewerbe, die lege nur drauf. Absahnen tun nur die Konzerne und die Verbände. Würde der Staat endlich aufhören diesen Schmarren zu subventionieren, würde es kleiner, vernünftiger und wieder sportlicher. Es ist doch hanebüchen, das Zug zum Beispiel 900’000 für ein Schwingfest ausgibt. Das ist einfach nur Veruntreuung von Steuergelder!