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Was geschieht mit der Blumenwiese im Risch Ebikon?
rotsanne machts seit 2019 möglich
Letzte Zeichen des Sommers verwelken in Ebikon.
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Erster Eindruck der Blumenwiese im Risch in Ebikon. Eher trostlos als blumig. (Bild: PLU)

Trostloses Brachland sorgt für Diskussionen Was geschieht mit der Blumenwiese im Risch Ebikon?

7 min Lesezeit 1 Kommentar 26.11.2021, 05:00 Uhr

Wir haben euch das Zepter übergeben – und ihr habt Natur gewünscht. Per Abstimmung haben die Möglichmacher entschieden, dass wir über den Status quo der Blumenwiese in Ebikon berichten. Also ab ins Grüne. zentralplus hat keine Angst vor Brennnesseln und Zecken!

Ich bekomme also dank euch Möglichmacherinnen den Auftrag, über eine Blumenwiese zu berichten. Mein erster Gedanke dazu: «Echt jetzt!?» Dann packt mich die journalistische Neugier. Vielleicht ist der Grund des Vorschlages eine grosse Geschichte, die ich noch nicht sehe? Selbst habe ich bisher noch nie von dieser «berühmten» Blumenwiese gehört – oder sie gesehen. Also auf in die Weiten des Internets.

Schnell finde ich heraus, dass die Wiese auf einem bekannten Areal steht. Vor rund 50 Jahren entstand an dieser Stelle das erste Migros-Do-it-yourself-Zentrum der Zentralschweiz. Auf etwa 2’500 Quadratmetern wurden hier bestimmt auch Blumenkisten oder Tüten mit Samen verkauft. Aber das ist längst Vergangenheit. Nach dem Auszug der Migros blieb das Gebäude im Besitz der Gemeinde, wurde aber hauptsächlich als Lager genutzt.

2019 zogen die letzten Mieter aus dem unterdessen maroden Objekt aus. Im darauffolgenden Jahr wurde das Gebäude zurückgebaut und, voilà, Platz für unsere Wiese ist entstanden. Aber warum ist das nun berichtenswert? Die Antwort finde ich im Internet nicht.

Das Resultat ist eindeutig – ihr wollt Wiese! (Warum auch immer…)

Die Blumenwiese wird «Chefsache»

Also Telefon in die Hand – die Nummer der Gemeinde Ebikon eingestellt. Ein Herr nimmt meinen Anruf entgegen. Bei mir macht sich Erleichterung breit. Ich bin nämlich nicht der Einzige, der beim Thema «Blumenwiese im Risch in Ebikon» eine Bildungslücke hat. Sogar der Herr am anderen Ende der Leitung musste mich dreimal fragen, welche Wiese ich nun meine und was ich genau wissen will.

Er verspricht mir einen Rückruf von jemandem, der zu der Zukunft des neuen Fleckens Erde etwas sagen kann. Gemeint ist Alex Mathis, Geschäftsführer der Gemeinde. Ich schreibe ihm eine Mail, warte ab und lasse passend zum Thema «Gras über die Sache wachsen».

Ein Augenschein vor Ort – wo sind all die Blumen hin?

An einem Sonntag fahre ich nach Ebikon zur fraglichen Wiese. Ich will mir alles mal aus der Nähe ansehen. Die Nebeldecke ist ein grauer Vorbote für das Bild, welches mich erwarten wird. Neben einer Sportanlage und dem italienischen Clubhaus finde ich sie schliesslich. Eine Oase für Mensch und Käfer – ein Paradies für Erholung und Biodiversität. Zumindest erwarte ich das, als ich auf die eingezäunte Fläche zugehe.

So grau der Himmel ist, so farblos ist diese «Blumenwiese». Viel Kies, einige Bänke und wenige gepflanzte Büsche gibt es hier zu sehen. Der grösste Farbtupfer? Die knallroten Säckchen eines Hundekot-Eimers. Fairerweise muss man festhalten, dass der Winter nicht gerade eine Blütezeit ist. Wirklich aufgeblüht ist diese Wiese allerdings noch nie. Damit ich mit diesen tristen Eindrücken nicht alleine bin, gibt es hier einen videografischen Einblick.

Quartiervereine zu spät miteinbezogen?

In der Zwischenzeit habe ich mit Franziska Erni gesprochen. Sie ist Präsidentin des Quartiervereins «Sonnhalde-Halten» und erklärt uns: Die Umgestaltung des Platzes wurde gemacht, ohne dass die Quartiervereine bei der Entscheidungsfindung mit ins Boot geholt worden sind.

Die Vereine haben in einer Sprechstunde der Gemeinde Ebikon auf diesen Missstand hingewiesen. Die Erklärung: Für Umgestaltungen von öffentlichen Plätzen sei die «Kommission für Gesellschaftsfragen» verantwortlich. Daher habe man die Quartiervereine nicht in die Entscheidung eingebunden.

Trotzdem berichtet mir Franziska Erni, dass viele direkte Anwohner mit der Lösung zufrieden sind. Sie haben mit der Blumenwiese einen ruhigen Nachbarn bekommen. Auch dass man nun auf einem beleuchteten Weg zum Bahnhof laufen kann, begrüssen viele.

Kritische Stimmen gibt es gemäss Erni dennoch. So gefällt das triste Bild, welches die Fläche im Moment liefert, vielen Anwohnerinnen ganz und gar nicht. Auch dass die Gehwege aus Kies sind, finden viele im Quartier nicht optimal. Ältere Personen hätten eher Mühe, mit dem Rollator über die Strecke zu gehen.

Die Gemeinde antwortet uns

Zurück also zu Alex Mathis, Geschäftsführer von Ebikon. In einer Antwort auf unsere Mail erklärt er uns, was das Spezielle an dieser Wiese ist. «Eine Blumenwiese fördert die Biodiversität im Siedlungsraum und ist gegenüber einer reinen Rasenfläche farbenfroh. Die Pflege einer Blumenwiese ist unterhaltsarm, sie wird maximal zweimal pro Jahr auf eine Resthöhe geschnitten.» 

Die Gemeinde Ebikon hat 2021 auch die Rezertifizierung des Energiestadt-Labels durchgeführt und erfolgreich bestanden. Nicht zuletzt sei dies wegen der Förderung der Biodiversität der Fall.

Für die kommenden Monate hat die Gemeinde noch einiges vor, nicht nur mit der Blumenwiese. Alex Mathis sagt: «Die Blumenwiese steht auf dem Areal Risch, das sich in der Sport- und Freizeitzone befindet. Für die Zukunft besteht in diesem Gebiet Entwicklungspotenzial für Anlagen im Breitensport.»

«Im Unscheinbaren kann die Schönheit der Vielfalt erlebt werden. Aber etwas Geduld dazu braucht es schon.»

Richard Doppmann, Umweltberatung Luzern

Es ist also gut möglich, dass sich das Bild der Wiese nicht nur wegen der Natur, sondern auch wegen des Menschen noch ändert. Alex Mathis betont allerdings, dass die Biodiversität auch bei Weiterentwicklungen ein Thema bleibt. «Die Gemeinde kann sich alternative Nutzungen vorstellen, sofern vorgängig gewisse Rahmenbedingungen wie Bewirtschaftung und Zuständigkeiten geklärt sind. Wichtig dabei ist, dass der Grundgedanke der Biodiversität weiterhin mitgetragen wird.»

Die Quartiervereine haben schon erste Vorschläge an die Gemeinde. Sie würden es beispielsweise gerne sehen, wenn eine Ecke mit Humus bedeckt würde. Dann könnten Kinder an dieser Stelle einen Kräutergarten anpflanzen, etwas über die Natur lernen oder aber ein Insektenhotel bauen.

Es ist keine Blumenwiese, es ist eine Ruderalfläche!

Auch nach den Informationen der Gemeinde seh ich immer noch grau. Die Schönheit liegt ja im Auge des Betrachters. Ich sende ein Foto an die Umweltberatung Luzern. Dort analysiert Richard Doppmann, für uns die Blumenwiese «vom Schiff aus». Und das Resultat: «Im Unscheinbaren kann die Schönheit der Vielfalt erlebt werden. Aber etwas Geduld dazu braucht es schon.»

Unser Bild zeigt laut Expertenblick eine Ruderalfläche. Dies hat nichts mit dem Ruderclub zu tun und ist auch nichts Unanständiges. Es ist eine brachliegende Rohbodenfläche, auf welcher sich die Natur selbst ihr «Zimmer» einrichten kann.

Wenn bei solch einer Fläche die richtige Mischung an Pflanzen für den Anschub eingegeben werden, kann die Zukunft tatsächlich blumig sein. «Im Frühling bis Herbst sollte diese Fläche in verschiedenen Stadien einen gelben über roten bis zu blauen Farbanstrich bekommen», sagt Doppmann.

Vorbild Allmend?

Dass solche Flächen für die Natur sehr wertvoll sind, leuchtet ein. Das Problem aus Menschensicht: Im ersten Jahr sieht es eher aus wie ein Abstellgleis der SBB als eine wichtige Fläche für die Natur. Wenn die Ruderalfläche belassen wird, dann wandelt sich dieser Ort in den nächsten Jahren vom hässlichen Entlein zum blumigen Schwan.

«Artensterben geschieht im Stillen, daher ist es wichtig, wenn es thematisiert und auch zum Handeln aufgefordert wird zum Beispiel über Mission-B», meint Doppmann. Dabei handelt es sich um einen Verein, der sich für den Naturschutz einsetzt.

Ein gutes Ruderal-Beispiel gibt es in der Stadt Luzern bei der Allmend, beim ehemaligen Schiessstand. Dort hat sich ein Erholungsgebiet für Mensch und Tier entwickelt und es hat sogar Park-Ranger, die informieren und kontrollieren (zentralplus berichtete). Ob die Fläche in Ebikon einst auch ein solches Naherholungsgebiet werden wird wie die Allmend, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Wer übrigens selbst eine Ruderalfläche bauen will, findet hier bei der Umweltberatung Tipps.

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1 Kommentare
  1. Karl-Heinz Rubin, 26.11.2021, 09:05 Uhr

    Ruhe sanft…
    Liebe Altlast…

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