Was geht in der elektronischen Szene?
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Keine angesagte Party ohne elektronische Musik. Wie hier am Samstagabend im Bourbaki mit dem DJ-Duo «Dietrich & Strolch» (Bild: zod)

Musikszene in Luzern Was geht in der elektronischen Szene?

6 min Lesezeit 1 Kommentar 15.08.2014, 12:39 Uhr

Es ist ein Musikgenre, das in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat und kaum mehr vom Nachtleben wegzudenken ist: Fast keine Party kommt mehr ohne elektronische Musik aus. Doch wo tanzt der Bär? Welche lokalen Newcomer, welche alte Hasen gibt es? zentral+ hat sich nicht von den Diskokugeln blenden lassen und gibt einen Überblick.

«In der Schweiz ist Luzern mitunter eine der spannendsten Städte, was die elektronische Musik anbelangt», sagt Remo Bitzi, der Mitherausgeber des Magazins «zweikommasieben» und Mitveranstalter des elektronischen Festivals «Les Digitales». Mit der Masse an Veranstaltungen in grösseren Städten wie Zürich, Basel, Bern oder Metropolen im Ausland könne Luzern zwar nicht mithalten, trotzdem findet er, dass wir uns hier nicht verstecken müssen. «Es ist eine lebendige Szene, in der viele tolle Sachen geschehen», so Bitzi.

Der 27-Jährige sieht die Entwicklung in Luzern folgendermassen: «Früher wurde Luzern oft als ‹Rock City› bezeichnet, weil gefühlt jede zweite Person in einer Indie-Band spielte.» Heute sehe er eher einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Musikrichtungen Rock, Hip Hop und elektronischer Musik (siehe Box).

Auch Kilian Mutter, Musikchef von Radio 3fach, sieht die Grösse der elektronischen Szene: «Es ist eine sehr breite Szene.» Besonders die Clubs würden fast rein auf elektronische Musik setzen und Fans des klassischen Electro würden in Luzern voll auf ihre Kosten kommen. Seiner Meinung nach habe sich dieser Wandel zu elektronischen Klängen schon länger angebahnt: «Früher gab es noch eher eine Abgrenzung zwischen Rock, Hip Hop und elektronischer Musik. Jetzt sind diese Grenzen offen und es gibt viele Bands, die ihre Scheuklappen bezüglich elektronischer Musik abgelegt haben.»

Eine Luzerner Band, die sich diese Mischformen zu nutzen macht und Live-Electro spielt, ist «Gaia». «Ihre Umsetzung von elektronischer Musik mit Instrumenten hat es selten gegeben», so Mutter. Es gebe zumindest nichts Vergleichbares in Luzern. «Ich denke, sie haben die besten Chancen in dieser Sparte etwas herauszuholen.» Denn das, was sie mit diesen vielen Gerätschaften auf der Bühne machen würden, kenne man in Luzern ansonsten nicht.

Quelle: Youtube

Dass sie anders sind, sieht Gaia auch: «Unsere Wege ähneln jenen der DJ’s aus der Szene nicht wirklich, weil wir eine Band sind, die Livemusik spielt. Hätten wir das Gefühl, unsere Musik könne man einfach auflegen, würden wir nicht jedesmal unser Material herumschleppen», erklärt Silvan Reis, der Synthesizer bei Gaia spielt. Die vierköpfige Band entstand in einer spontanen Jam Session, entschied sich dann etwas später ernst zu machen. «Das ist jetzt zweieinhalb Jahre her», sagt Reis (24).

Ihre Gruppe sei aus dem Bedürfnis heraus entstanden, elektronische Tanzmusik live zu spielen, dabei die Feinheit akustischer Rhythmen mit dem Klangspektrum von Synthesizern zu vereinen. «Das nennt sich dann einfach Live-Electro», so Reis. Die Zukunft sehen sie realistisch: «Zwei von uns leben bereits von der Musik, sich dabei auf eine einzige Band zu verlassen ist auf längere Sicht aber utopisch», so Reis. Nach zwei Videos steht nun die erste EP an und Gaia wird am diesjährigen Funk am See auftreten.

Doch wer ist bei den Luzerner DJ’s an vorderster Front? «Ein Duo, das die ganze DJ-Szene in Luzern widerspiegelt ist ‹Stiglitz & Bernstein›», sagt Mutter. Sie seien sehr beliebt bei den Jungen. «Sie haben das gut angestellt, weil sie diesen Wandel zu elektronischer Musik vorausgesehen haben. Sie treffen den Nerv der Zeit», meint Mutter.

Quelle: Soundcloud

Stiglitz & Bernstein heissen eigentlich Roman Hodel (24) und Mathias Smith (25) und sind zusammen in Meggen aufgewachsen. «Wir haben früh Musik untereinander ausgetauscht und sind dann irgendwann auf den gleichen Nenner gekommen», erklärt Hodel. Ihre Musik könne man nicht nur mit einem Genre beschreiben, es komme halt immer darauf an, an welcher Party sie auflegen würden. Grundsätzlich sei der Sound in Luzern eher härter, schneller und direkter. «Eigentlich spielen wir lieber langsamere Sachen, da sind Partys am Tag besser geeignet», so die beiden. Bei Techno müsse man auch Geduld haben können. «Man muss sich zwar dem Publikum anpassen, aber wir müssen dann immer noch dahinter stehen können.» In Luzern sei im Moment sehr viel los, was elektronische Musik anbelangt. Trotzdem gäbe es zwischen den DJ’s keine Konkurrenz.

Fest verankert in der elektronischen Szene seien zudem «Dietrich & Strolch», so Mutter von Radio 3fach. «Sie wurden in den letzten beiden Jahren als Newcomer gehandelt und sind in Luzern sehr präsent», so Mutter. Das könnte dann schon fast zur Gewohnheit werden, sie würden aber auch immer stimmige Musik abliefern. Auch Bitzi sagt: «Sie decken etwas ab, das in Luzern sicher ein Publikum hat.»

Quelle: Soundcloud

Dietrich & Strolch sind das Brüdergespann Milo (23) und Till Grüter (26). Sie hätten ihre Passion für die elektronische Musik vor sechs Jahren entdeckt und das sei dann immer intensiver geworden. «Unsere Musik würde ich als Techno und Techhouse beschreiben», so Milo Grüter. Sie seien ein Live-Act, der nur eigens produzierte Musik spielt. Grüter: «Die Musik muss uns vor allem Spass machen.» Sie müsse nicht trendig sein. Zu Luzern sagt Grüter: «Luzern ist ein Kuchen, man kennt sich gegenseitig.»

In der elektronischen Szene schon länger mit dabei sind «El Tigre Sound», «Martin Meier» und «Kackmusikk». Meier und Kackmusikk gehören zum Label «Korsett Kollektiv». Bitzi: «Dieses Label hat Luzern bezüglich elektronischer Musik massgeblich geprägt.»

Quelle: Soundcloud

Und wo geht es zurzeit am meisten zur Sache bezüglich elektronische Musik? Mutter von Radio 3fach dazu: «Sicher die Kegelbahn und der Südpol. Beide Orte sind offen für Neues und für Veranstalter, die Underground-Sachen machen möchten.» Dem pflichtet Bitzi bei: «Das sind sicher die interessantesten Orte zurzeit.» Sie würden sich sehr schön ergänzen, was die Grösse und Lage betreffe. Es gebe aber laufend Neues wie zum Beispiel das «Uferlos», das nun von Till Grüter (Dietrich & Strolch) und Lukas Meyer (vom Luzerner DJ-Duo «Sous Sol») betrieben werde.

Wie die Zukunft der Szene in Luzern aussehe, sei schwierig zu sagen, meinen Bitzi und Mutter beide. «Es kommt natürlich darauf an, was die nächste Generation von Jugendlichen hören möchte», so Mutter.

Die Geschichte der elektronischen Musik

Das Genre der elektronischen Musik ist vielfältig und die verschiedenen Stilrichtungen entwickelten sich ständig weiter. Nach dem Buch «Musik aus dem Nichts» von Bruno Spoerri nahm alles seinen Anfang mit der Erfindung des Synthesizers in den 60er-Jahren. Heute hat sich die elektronische Musik in fast allen Richtungen der populären Musik breit gemacht.

In der Disko der 70er-Jahre gewann der Synthesizer an Bedeutung und man fing an von Elektromusik zu sprechen. «House» entstand im Chicago der späten 70er-Jahre und wurde als Musik für die Tanzfläche konzipiert. Der «Elektropop» bekam in den 70er Jahren ein neues Gesicht: «New Wave», bei dem Synthetik und Melancholie gefragt waren.

In den 80er Jahren entwickelten sich die Genres «Industrial» und «Post-Industrial», die für alles Extreme standen. Ein weiterer wichtiger Wendepunkt der elektronischen Musik war die Entwicklung des «Techno», der sich aus der Disko-Musik der 70er Jahre entwickelt hatte und während der 80er Jahre vollends eine elektronische Gestalt annahm. Techno war danach besonders in der Party-Kultur der 90er Jahre ein wichtiger Bestandteil.

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1 Kommentare
  1. Marcel Mathieu, 17.08.2014, 14:18 Uhr

    …da geht einiges mehr als man denkt..eher spärlich recherchiert!

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