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Was ein neuer Laden in der «vergessenen Gasse Luzerns» zu suchen hat
  • Regionales Leben
Die Eröffnung des Stores: Ein Meilenstein für Franziska Bründler. (Bild: ida)

Nach elf Jahren Online-Shop in die Altstadt Was ein neuer Laden in der «vergessenen Gasse Luzerns» zu suchen hat

5 min Lesezeit 31.07.2019, 18:20 Uhr

Die Luzerner Furrengasse ist um einen kleinen Laden reicher: Das Luzerner Designlabel «Fidea Design» setzt nach elf Jahren Bestehen eines eigenen Produktlabels auf einen physischen Shop. Gründerin Franziska Bründler sagt, weshalb sie das ausgerechnet in der «vergessenen Gasse Luzerns» tut.

Franziska Bründler spricht von einem Meilenstein. So bezeichnet sie den Tag, an dem ihr grosser Herzenstraum in Erfüllung geht: Die Eröffnung ihres Ladens. «Wir haben lange gesucht, bis wir fündig wurden», sagt Bründler.

Die 37-jährige Luzernerin betreibt mit ihrem Label seit elf Jahren ein eigenes Produktlabels, welches über einen Online-Shop und verschiedene Fachhändler betrieben wird. Zudem organisiert sie die Luzerner Designtage «Design Schenken». Nun eröffnete sie an diesem Mittwoch mit ihrem Designlabel Fidea Design einen neuen und permanenten Store an der Furrengasse.

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Das Labor der Experimente

Bründler hatte Lust auf mehr. Bereits vergangenes Jahr eröffnete sie an der Hertensteinstrasse einen Pop-up-Store (zentralplus berichtete). Neun Tage Existenz waren geplant, um weitere vier Wochen konnte sie verlängern.

«Eine super Zeit», sagt Bründler. Und so kommt’s, dass sie nach elf Jahren Geschäftstreiben noch näher an den Kunden kommen möchte. Bründler bezeichnet den neuen Laden gerne als «Labor der Experimente». Ein Labor, in dem sie herausspüren könne, was dem Kunden gefalle – und was weniger.

«Die Altstadt braucht junge Menschen, die sie gerade für Luzerner wiederbeleben.»

Franziska Bründler

Bründler geht es jedoch nicht nur darum, dass Kunden Kartenspiele, den berühmt-berüchtigten magnetischen Kerzenhalter oder Lampen im Laden anfassen und live begutachten können. Sondern auch darum, ihnen Geschichten über die Köpfe hinter den Produkten zu erzählen.

«Menschen wollen heute wissen, woher die Ware kommt und wer dahintersteckt», so Bründler. So seien auch schon Kunden für einen Kaffee bei ihr im Büro an der Sentimatt vorbeigekommen. Im Gespräch mit der 37-Jährigen spürt man die Leidenschaft für lokal produzierte und nachhaltige Produkte. Und das schwappe auf die Kunden über.

Explodierende Mieten

Also ackerte Bründler Inserate durch, ging aktiv auf Vermieter zu. Das Problem: die teilweise exorbitant hohen Mieten. Für kleine Unternehmen schlichtweg finanziell nicht tragbar und ein zu grosses Risiko.

Fündig wurde die Unternehmerin erst, als sie von Bekannten angerufen wurde: Das Lokal an der Furrengasse war frei. Und die Miete mehr als fair, wie sie sagt. Den konkreten Mietpreis möchte sie nicht nennen.

Nun kann Bründler rund 200 Produkte ihrer Produktkollektion auf 20 Quadratmeter präsentieren. «Selbst unser Messestand ist grösser», meint Bründler lachend. «Eine Miniatur.»

Da gibt’s ja eh nur Touris!

Doch weshalb gerade in der von Touristen durchfluteten Altstadt? Die Luzerner gehen doch in die Neustadt, nur den Touristen treibt es in die Altstadt: ein Mythos? Bründler selbst ist gespannt, ob dem so ist. «Wir wollen beide gleichermassen ansprechen.»

Doch sie gibt auch zu: «Ich selbst bin eher der Neustadt-Typ. Aber ich dachte mir: Gerade die Altstadt braucht wieder einen Luzerner Laden mit lokalen Produkten.»

Hier fehle es an diesen kleinen und lokalen Läden. Denn die Altstadt hat den Ruf, zu einem Teil Luzerns zu verkommen, in dem Luxusladen an Luxusladen gereiht ist (zentralplus berichtete).

«Und ich dachte nur so: Niemals eröffne ich einen Laden an der Furrengasse! Dort läuft ja niemand durch.»

Franziska Bründler

«Die Altstadt braucht junge Menschen, die sie gerade für Luzerner wiederbeleben.» Und das zeige sich immer mehr. Beispielsweise mit der Übernahme der Jazzkantine am Löwengraben durch Ex-Sterne-Koch Mario Waldispühl und Fotograf Sylvan Müller (zentralplus berichtete). Und direkt neben dem Store Bründlers feierte das vegane Restaurant Pura – das einstige «Blend Teehaus» – Wiedereröffnung (zentralplus berichtete).

Über die vergessene Gasse Luzerns

Nur mit der Furrengasse hatte Bründler anfänglich ihre liebe Mühe. Denn die Gasse versteckt sich eingequetscht zwischen Kapellgasse und Rathausquai. «Für mich ist die Furrengasse so etwas wie die vergessene Gasse Luzerns», sagt sie lachend. «Andere sagten mir auch: ‹Komm, geh doch an die Furrengasse!› Und ich dachte nur so: ‹Niemals eröffne ich einen Laden an der Furrengasse! Dort läuft ja niemand durch!›»

Doch nach dem konkreten Angebot dachte sie sich: Entweder sie finde nie ein Lokal oder aber, sie nehme das Lokal in der Gasse, die zwar nicht so arg belebt sei – aber sie mache dann halt etwas daraus.

Sie ist risikobedacht

Beinahe ein Dutzend Jahre hat es jedoch gedauert, bis Bründler diesen Schritt gewagt hat. Der Mut habe ihr gefehlt. Denn Bründler ist kein Risikomensch: «Ich möchte das Risiko immer im Griff haben.»

Angst vor dem Scheitern habe sie nicht. Aber Respekt. «Ich bin schon zwei-, dreimal auf die Nase gefallen. Die Miete hier ist mehr als fair, finanziell ist es tragbar. Auch wenn wir in zwei Jahren sagen, dass es sich vielleicht nicht gelohnt hat: Zumindest haben wir es versucht.»

Wie alles begann

Angefangen hat die Geschichte des Luzerner Designlabels übrigens – man glaubt es kaum – mit einem magnetischen Kerzenhalter. Von einer Freundin bekam Bründler während ihres Studiums einen solchen geschenkt.

Bründler arbeitete damals bei einer Agentur und wollte – sichtlich angetan von dem magnetischen Kerzenhalter – für jeden Kunden, «der haften blieb», einen solchen schenken. Doch das war leider nicht möglich. Denn die Familie Springer, die den Kerzenhalter vertrieb, wollte nach zwei Jahren damit aufhören.

Der magnetische Kerzenhalter ging Bründler jedoch nicht aus dem Kopf. So schrieb sie vor elf Jahren – am 17. Mai 2008 um 2:23 Uhr morgens – eine E-Mail an die Familie Springer und fragte, ob sie die Rechte für das Produkt erhalte, um ihr eigenes Label damit aufbauen zu können. Aus einem Produkt sind nun 600 geworden. Was sich wie ein Märchen liest, war der Beginn von Fidea Design.

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