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Was E-Trottis auf Zuger Verkehrsinseln zu suchen haben
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Die Scooter von «Flash» sind an jeder Strassenecke zu finden. (Bild: zvg/Montage: ewy)

Droht Zug ein Chaos durch Freefloating-Mobilität? Was E-Trottis auf Zuger Verkehrsinseln zu suchen haben

5 min Lesezeit 1 Kommentar 31.05.2019, 10:47 Uhr

In Zug werden diesen Sommer verschiedene Mobilitätsangebote im Freefloating-System eingeführt. Mit den E-Rollern von Flash sind vor wenigen Wochen die ersten Vorboten angekommen. Nun zeigt sich: Die E-Scooters stehen teilweise an den unmöglichsten Orten – Grund zur Sorge, dass es ein Chaos geben könnte wie bei den O-Bikes in anderen Städten?

Seit einer Woche stehen rund 50 E-Scooters in der Stadt Zug. Die Firma Flash bietet sie im Freefloating-Prinzip an (siehe Box). Wer darauf achtet, findet die Roller teils an kuriosen Stellen abgestellt, so beispielsweise auf Verkehrsinseln. Gab es deswegen schon negative Reaktionen?

Von der Bevölkerung habe man noch kein Feedback erhalten, berichtet Daniel Scherrer von Flash. «Wir selbst sind sehr zufrieden mit dem Start, die ersten Zahlen zeigen, dass das Angebot bei der Zuger Bevölkerung auf Anklang stösst», so Scherrer.

Zwar sei der Start aufgrund der Neugier der Menschen immer relativ gut, wenn die Scooter in einer neuen Stadt etabliert werden. In Zug würden die E-Roller bisher aber aussergewöhnlich gut genutzt, sagt Scherrer.

Trotz Ortung keinen Roller gefunden

Stadtrat Urs Raschle erzählt, er habe gleich zum Start die Möglichkeit gehabt, einen der Roller auszuprobieren. Am Freitag wollte er damit zu einem Meeting fahren, auf der App habe es ihm auch zwei Trottis angezeigt, er habe sie allerdings nicht gefunden.

Stadtrat Urs Raschle bei seinem ersten Fahrversuch mit «Flash».

Stadtrat Urs Raschle bei seinem ersten Fahrversuch mit «Flash».

(Bild: zvg)

Offiziell ausgewertet habe man seitens der Stadt noch nichts, so Raschle. «Persönlich habe ich aber das Gefühl, die Bevölkerung – gerade die Jungen – haben nur darauf gewartet», meint der Stadtrat. Aber auch bei der Stadt habe man bisher noch kein Feedback aus der Bevölkerung erhalten.

«Spielzeug für die Bevölkerung»

Es sei erst eine Woche vergangen und schwierig, ein Fazit zu ziehen, sagt Raschle. Er habe schon einige Leute gesehen, die damit auf dem Trottoir gefahren sind. Das wäre nicht die Meinung. «Wir haben der Bevölkerung ein Spielzeug gegeben, jetzt ist der gesunde Menschenverstand gefragt», so Raschle. Es bleibe abzuwarten.

Ein Abstellchaos beobachte Raschle bisher aber nicht. «Die Trottis fressen kein Heu», sagt er. Sie brauchen wenig Platz und bislang seien es auch nicht so viele. Ihm sei durch die Lancierung aber durchaus bewusst geworden, was mit den 200 Velos und 200 E-Bikes noch auf die Stadt zukomme.

Velos nicht nur in der Stadt

«Aber deswegen blasen wir die Übung nicht ab», sagt der Stadtrat. Man müsse sehen, wo es hinführe. Die Fahrräder seien nicht nur in der Stadt Zug, sondern auch in den umliegenden Gemeinden verteilt. «Bei den Trottis sehe ich bis jetzt auf jeden Fall nicht das Problem», so Raschle.

Wenn es denn tatsächlich nicht funktionieren sollte, werde man mit den Anbietern ins Gespräch treten, um die Anzahl zu reduzieren oder zu schauen, dass die Fahrzeuge öfter zusammengetragen werden.

Noch kein Lager in Zug

Die Verteilung der Scooter passiert in Zug auf zwei Arten. Zum einen, weil sie bei der Nutzung verschoben werden, zum anderen, weil Flash die Roller nach dem Aufladen wieder in der Stadt verteilt. Dabei sei man zunächst auf die üblichen Hotspots wie Bahnhöfe und Haltestellen angewiesen, so Scherrer. Durch die Auswertung von Daten werde man irgendwann stadtspezifische Punkte finden, an denen besonders viele Leute auf ein Trotti steigen.

Am Montag Morgen gab es einen «Versorgungsengpass» bei «Flash» in Zug.

Am Montag Morgen gab es einen «Versorgungsengpass» bei «Flash» in Zug.

(Bild: Screenshots Flash-App)

Flash hat bis jetzt noch kein Lager in Zug, um die Trottis zu laden. Deshalb werden sie dafür vorerst noch nach Zürich gekarrt. In Kürze werde aber ein lokales Lager eröffnet. Nachdem Flash die Bewilligung für Zug erhalten hat, wollte die Firma in der Kolinstadt so schnell wie möglich starten. «Deshalb sind wir momentan noch auf die Übergangslösung mit dem Lager in Zürich angewiesen», so Scherrer.

Versorgungsengpässe bei Flash

Da aber die Nutzung durch die Zuger intensiver als erwartet ist, führte dies teils zu «Versorgungsengpässen». Am Montagmorgen beispielsweise waren zeitweise lediglich neun Scooter frei, die allesamt an der Rigistrasse standen.

Dieser Zustand soll sich laut Scherrer aber in den nächsten Tagen deutlich verbessern, wenn das lokale Lager in Betrieb genommen werden könne. «Wir haben die Bewilligung für 50 Scooter, entsprechend ist unser Anspruch eigentlich, auch immer 50 auf der Strasse zu haben», erklärt Scherrer.

«Man wird nicht vom Trotti geworfen.»

Daniel Scherrer, Flash

Für einen Franken kann man die Scooter via App entsperren, für jede Minute Fahrt kommen 25 Rappen obendrauf. Die Geräte halten etwa 30 Kilometer durch. «Anders ausgedrückt: 18 Personen können rund 1,6 Kilometer fahren», sagt Scherrer.

Rollerdichte muss hoch sein

Die Trottis fahren nur in der Stadt Zug. Kommt man an die Grenze des befahrbaren Gebietes, verlangsame der Motor allmählich. «Man wird nicht durch einen abrupten Halt vom Trotti geworfen», versichert Scherrer.

«Wir mussten den Perimeter zusätzlich verkleinern, weil wir vorerst nur die Bewilligung für 50 Scooter bekamen», so Scherrer. Die Dichte an Rollern sollte trotzdem genug hoch sein, damit man nicht zu weit laufen müsse.

Mit Technologie gegen das Chaos

In Bezug auf eine potenzielle Unordnung zeigt man sich seitens Flash zuversichtlich. Man konnte bereits Erfahrungen in Zürich und Basel sammeln und habe dort sehr gutes Feedback erhalten. Negative Rückmeldungen über ein «Chaos» habe es nie gegeben.

Die E-Scooter von Flash sind überall in der Stadt Zug anzutreffen.

Die E-Scooter von Flash sind überall in der Stadt Zug anzutreffen.

(Bild: zvg/Montage)

Dazu trägt wohl auch eine Funktion der App bei. Wenn man den Scooter nach der Benutzung abschliesst, wird man aufgefordert, ein Foto des Rollers zu machen. «Wir haben keinen Algorithmus, der die Bilder analysiert, es soll mehr eine kleine Hürde sein», sagt Scherrer. Nämlich, dass man den Scooter anständig abstelle. Ausserdem könnte man bei einer Reklamation überprüfen, ob sich der letzte Benutzer an die Regeln gehalten hat.

Bisher keine Hupkonzerte

In Zug sei es bisher auch noch zu keinen böswilligen Beschädigungen gekommen. Dass irgendwann ein Roller im See landet, damit müsse man bei einem solchen Angebot wohl rechnen. Das gebe es aber bisher nicht in einem problematischen Ausmass. «Ich glaube, in der Schweiz ist das auch ein etwas kleineres Problem. Die Leute hier tragen Sorge zu solchen Geräten», meint Scherrer.

Innerhalb von 300 Metern kann man via App ein ausgewähltes Trotti hupen lassen, damit man es schneller findet. Zu Hupkonzerten sei es dadurch seines Wissens aber noch nicht gekommen, sagt Scherrer. «Aber wer weiss, vielleicht ändert sich das, wenn die Leute an der nächsten WM die Funktion für sich entdecken», witzelt er.

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1 Kommentare
  1. Derungs, 20.07.2019, 00:08 Uhr

    Diese E-Trottinetts sind eine absolute Zumutung für die Fussgängerzone!!! Sofern sie nicht an extra dafür vorgesehenen Plätzen (Bsp. Parkplätze) abgestellt, sondern einfach irgendwo wild deponiert werden ohne innert nützlicher Frist eingesammelt zu werden, müsste man diese Dienstleistung per sofort verbieten! d.h. im Wiederholungsfall entsprechend sanktionieren (Bsp. Bussen oder auf Kaution konfizieren)!
    Ein Wunder, dass es noch zu keinen Unfällen gekommen ist. Falls es tatsächlich zu einem Unfall kommen sollte in Verbindung mit solchen falsch parkierten Verkehrshindernissen, wer haftet dann?