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Was die Zuger Wirtschaft von Bergsteiger Oelz lernen kann
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Der Referent Oswald Oelz gemeinsam mit der Initianin des Anlasses, Corina Brünnger. (Bild: wia)

«Zug West» bekommt Konkurrenz aus dem Osten Was die Zuger Wirtschaft von Bergsteiger Oelz lernen kann

4 min Lesezeit 15.06.2018, 05:11 Uhr

Die drei Gemeinden Steinhausen, Baar und Zug sollen wirtschaftlich näher zusammenarbeiten. Damit möglichst viele Leute zum Anlass kommen, haben die Gemeinden einen bekannten Redner an Bord geholt. Und auch wenn der Arzt und Bergsteiger Oswald Oelz überhaupt kein Mann der Wirtschaft ist, konnte er doch einige wertvolle Inputs liefern.

«Die Wirtschaft hört doch nicht an der Gemeindegrenze auf», bringt die Steinhauser Finanzchefin Carina Brüngger auf den Punkt, warum sie eine nähere Zusammenarbeit zwischen Zug, Baar und Steinhausen initiiert hat. «Insbesondere, da es heute viele zugezogene Firmen im Kanton Zug gibt, die keine tiefe Verwurzelung haben mit einer bestimmten Gemeinde.» Und das sehen auch die beiden anderen Finanzchefs ähnlich.

Der Stadtzuger Finanzchef Karl Kobelt sagt: «Klar gibt es diese Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen bereits, doch gibt es noch einiges an Synergiepotenzial. Die Kräfte können noch stärker gebündelt werden.» Und um möglichen Gerüchten ein Ende zu setzen, ergänzt Carina Brüngger: «Wir wollen absolut keine Konkurrenz sein zu Zug West.»

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Bezwinger der «Seven Summits»

Wirtschaft: Auch über die Gemeindegrenzen hinaus

Am Donnerstagmittag trafen sich Unternehmer aus den Gemeinden Zug, Steinhausen und Baar zu einem ersten Wirtschaftslunch. Der Anstoss kam von Carina Brüngger, der Finanzchefin Steinhausens. Es soll der erste von mindestens drei gemeindeübergreifenden Wirtschaftslunches sein, welche den Zweck haben, ökonomische Kräfte zu bündeln. Der nächste Lunch soll in Baar stattfinden. Entschieden hat dies die Münze, die auf Initiative des Moderators Remo Hegglin geworfen wurde.

Der Gemeindesaal, in dem der Anlass stattfindet, ist fast voll. Es scheint also auch ein Anliegen der Unternehmer zu sein, dass man sich vermehrt auch über die Gemeindegrenzen hinaus trifft. Oder sind sie etwa nur wegen Oswald Oelz gekommen, dem renommierten Arzt und Bergsteiger, der eigens für den Anlass hergekommen ist? Denn, wie es der Baarer Finanzchef Hans Steinmann formuliert, seien, «wenn wir gemeinsam Anlässe auf die Beine stellen, auch mehr Ressourcen da, um gute Referenten aufzubieten, die entsprechend kosten».

Es lohnt sich, wie wir alsbald feststellen werden. Oswald Oelz betritt die Bühne und zieht die Unternehmer gleich völlig in seinen Bann. Der gebürtige Vorarlberger und Arzt ist nicht nur einer der wenigen Menschen, die alle «Seven Summits» bestiegen hat, sondern auch ein hervorragender Referent. Und obwohl er vorwiegend über seine grosse Passion, das Bergsteigen, spricht und den ganzen Saal mitnimmt auf den El Capitan, den Everest und den Mount Kenia, spinnt er geschickt den Faden zur Arbeit und zum Unternehmertum.

Bergsteiger aus Verlegenheit

Politisch korrekt ist seine Rede nicht immer, dafür umso unterhaltsamer. Da tut den – zugegeben teilweise etwas lustlos aussehenden – Unternehmern in der Runde gut, wenn Oelz Witze erzählt wie: «What’s the difference between american beer and making love in a canoe? Nothing. Both is pretty close to water.» Natürlich spricht er Deutsch, der Vorarlberger, ausser eben bei den Anekdoten, die auf Englisch viel saftiger sind.

Er sei Bergsteiger geworden aus Verlegenheit, erklärt er. «Denn eigentlich wäre Fussballspielen ja viel lustiger.» Nur sei er halt in der Schule einer von der Sorte gewesen, die immer zuletzt gewählt worden seien. Darum also das Bergsteigen. «Und da war ich bald der Beste meiner Schule. Es gab nämlich keinen anderen.» So müsse sich halt jeder seine Nische suchen. Das gilt fürs Private wie auch in der Geschäftswelt.

Am Wochenende die Eigernordwand hoch?

Und, so führt der 74-Jährige aus, sei es zudem ganz empfehlenswert, sich selber nicht ganz so ernst zu nehmen. Sein Motto: «Es wird schon gutgehen.» Die Geschichten, die er erzählt, sind nicht nur positiv. Häufig geht es ums Scheitern. So etwa erzählt Oelz davon, wie er dem Everest ein Schnippchen schlagen wollte, indem er sich eigenhändig eine Blutverdünnung verschrieb und sich einen Liter Blut abzapfte. Und ein wenig mit Whiskey nachhalf. «Es ging schief», resümiert er, denn er erkrankte kurz darauf schwer. Wenig später gelang es dem Österreicher als erstem Vorarlberger, den höchsten Berg der Welt zu erklimmen.

«Hauptsache, Sie machen am Wochenende etwas, bei dem Sie den Betrieb und alles andere vergessen.»

Oswald Oelz, Arzt und Bergsteiger

Die Damen und Herren im Publikum hängen dem ehemaligen Triemli-Chefarzt an den Lippen. Zum Schluss legt er ihnen ans Herz, dass sie sich in den Ferien, aber auch am Wochenende, gut erholen sollen vom Businessalltag. Sei es, indem sie in die Antarktis reisen, oder am Wochenende die Eigernordwand bezwingen sollen. «Sie können natürlich einfach mit dem Fahrrad auf einen Berg fahren. Das geht auch. Hauptsache, Sie machen etwas, bei dem Sie den Betrieb und alles andere vergessen. Dann sind Sie am Montag wieder ‹ready to perform›.» Was folgt, ist ein einschlägiges Bild zweier Löwen, die äusserst bereit sind für die «Performance».

Nun. Oswald Oelz ist zwar kein Unternehmer. Dennoch hat er die Wirtschaftsleute dreier Gemeinden mit seinem Auftritt begeistern können und gleichzeitig wertvolle Inputs geliefert, die sowohl am El Capitan als auch im Büro umsetzbar sind. Und last but not least liefert er ein erfolgversprechendes Gesprächsthema, mit dem das Netzwerken beim späteren Stehlunch viel lustiger werden dürfte.

Vertreter dreier Gemeinden, die künftig näher aneinander rücken wollen. v.l. Barbara Hofstetter, Gemeindepräsidentin Steinhausen, Dolfi Müller, Zuger Stadtpräsident und Baarer Gemeinderätin Sylvia Binzegger.

Vertreter dreier Gemeinden, die künftig näher aneinander rücken wollen. V. l. Barbara Hofstetter, Gemeindepräsidentin Steinhausen, Dolfi Müller, Zuger Stadtpräsident, und Baarer Gemeinderätin Sylvia Binzegger.

(Bild: wia)

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