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Was die Zuger im Jahr 2018 bewegt hat
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Aufgeflogen und durch die Luft geflogen – das Jahr 2018 im Kanton Zug. (Bild: Montage zentralplus)

Parkplätze, Wölfe, Villiger und ein Stromausfall Was die Zuger im Jahr 2018 bewegt hat

7 min Lesezeit 31.12.2018, 15:06 Uhr

Der Kanton Zug hat ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Aus politischer Sicht mit den Wahlen und der Causa Villiger sowieso. Aber auch ausserhalb der politischen Bühne: Wölfe wurden gesichtet, Crystal Meth hergestellt, der EVZ-Trainer entlassen und «Ex Voto» kam nach 30 Jahren zurück ins Kino. Zeit für einen Rückblick.

Jahresrückblicke sind eine sonderbare Sache. Einerseits schaut man gerne noch einmal zurück und lässt sich auch mal zu Sätzen hinreissen wie «stimmt, der ist ja dieses Jahr gestorben» oder «ha, ich dachte, das sei schon viel länger her». Andererseits möchte man am liebsten bereits wissen, was einen im nächsten Jahr erwartet und ob man sich überhaupt darauf freuen soll.

zentralplus blickt trotzdem noch einmal zurück und rollt auf, was den Kanton Zug anno 2018 bewegt hat: Was bleibt hängen? Welche Gesichter und Bilder haben das vergangene Jahr geprägt?

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Politik: Beat Villiger und die Wahlen

Man soll ja eigentlich nicht mit der Tür ins Haus fallen. Doch bei einem Zuger Jahresrückblick 2018 kommt man sowieso nicht an Beat Villiger (CVP) vorbei. Der Zuger Regierungsrat prägte wochenlang die Berichterstattung in den Schweizer Gazetten.

Grund: Beat Villiger wurde von der Luzerner Staatsanwaltschaft vorgeworfen, sein Auto wiederholt einer Person überlassen zu haben, die keinen Führerausweis besass. Zudem stand der Vorwurf der Urkundenfälschung im Raum.

Beat Villiger entscheidet dieser Tage, wie er mit seinem Amt weiterfährt.

Trotz den Turbulenzen wurde Beat Villiger als Regierungsrat wiedergewählt.

(Bild: Elias Wyrsch)

Beide Untersuchungen wurden rechtskräftig eingestellt. Die aufgetauchten Recherchen versuchte Villiger erst mit einer superprovisorischen Verfügung unter dem Deckel zu halten. Das Ganze wurde wenige Tage vor den Wahlen publik. Am Wahltag erklärte Villiger, dass er mit der Frau ein Verhältnis hatte, aus dem 2012 ein gemeinsames Kind hervorging. Der 61-Jährige wurde trotzdem als Regierungsrat wiedergewählt.

Womit wir bereits beim zweiten Thema sind, welches für die politischen Schlagzeilen in diesem Kalenderjahr verantwortlich war: den Gesamterneuerungswahlen am 7. Oktober. Was bleibt hängen? Dass der Regierungsrat nach dem Rücktritt von Manuela Weichelt (ALG) nun rein bürgerlich daherkommt.

Dass sich Alternative und Sozialdemokraten zumindest über Sitzgewinne im Kantonsrat freuen dürfen, die CVP jedoch weiter die stärkste Fraktion bleibt. Dass der scheidende Stadtpräsident Dolfi Müller (SP) von Karl Kobelt (FDP) beerbt wird.

Die beiden Stadträte Vroni Straub und Karl Kobelt malen sich ihre Stadt rosa.

Am Schluss war es ein Head-to-head um das Stapi-Rennen zwischen Vroni Straub und Karl Kobelt.

(Bild: Montage wia)

Die Parkplätze in der Stadt Zug waren und sind wiederum ein Dauerthema, vor allem wenn es um den Postplatz geht. So wurde die Initiative «Ja zu Gewerbe und Läden in der Altstadt», welche den Erhalt der Parkplätze auf dem unteren Postplatz sichern wollte, vom Volk angenommen. Doch der Stadtrat hielt die Initiative für «undurchführbar».

Im Kanton Zug stehen ausserdem teure Polizeiposten halbleer – ein Luxusproblem? Denn gespart werden muss scheinbar nicht mehr gross. Selbst die geplante Steuererhöhung ist vom Tisch. Umso mehr gespart wird dafür bei Zentralschweizer Bundesräten. Heuer versuchte sich unter anderem der Zuger Ständerat Peter Hegglin (CVP). Er scheiterte: Die CVP entschied sich für ein reines Frauenticket.

Die Zuger Kantonalpartei der CVP musste den überraschenden Tod von Parteipräsident und Kantonsrat Pirmin Frei verkraften. Der 52-Jährige verstarb Ende März nach einem Hirnschlag.

Wirtschaft: Was ist mit dem Crypto Valley?

Auch wenn es für manche schwer zu glauben sein mag: 2018 sieht man im Kanton Zug tatsächlich erstmals wieder günstigere Mietpreise. Dies zeigen Zahlen des Vergleichsdienstes Comparis. Demnach betrug der mittlere Wert für eine Wohnung im Kanton Zug 2017 noch 2’326 Franken. Heuer (Stand Ende Juli) sind es noch 2’200 Franken (Bruttomietzins inklusive Neben- und Heizkosten).

Doch nicht nur Zahlen, sondern auch Köpfe sorgten für Schlagzeilen. So amtete Nicolas Ludin nur ein halbes Jahr als Geschäftsführer von Zug Tourismus, ehe er die berühmte Flinte ins Korn warf. Die Unternehmen hätten nicht mitgespielt, weswegen seine Aufgabe nicht zu erfüllen gewesen sei, sagt der Luzerner.

Bei einem Zuger Wirtschaftsrückblick darf auch der Baarer Rohstoffriese Glencore nicht fehlen. In diesem Kalenderjahr machte das umstrittene Unternehmen dadurch aufmerksam, dass die Personalleiterin am 1. August die Rede zur Bundesfeier in Baar halten durfte.

Glencore-Personalleiterin Gerda Schwindt bei ihrer 1.-August-Rede.

Glencore-Personalleiterin Gerda Schwindt bei ihrer 1.-August-Rede.

(Bild: woz)

Und was gibt es über das Zuger «Crypto Valley» zu sagen? Der Boom ist erst mal vorbei, die Kryptowährungen zumeist auf Talfahrt. Dafür gibt es nun eine Schweizer «Blockchain Federation» mit dem Zuger Regierungsrat Heinz Tännler an der Spitze.

Gesellschaft: Der Wolf und Crystal Meth

Das Jahr startete turbulent mit dem Sturmtief «Burglind». Unter anderem musste wegen der durch den Sturm verursachten Schäden «Ägeri on Ice» frühzeitig abgebrochen werden. Die Berggemeinden standen mehrmals im Mittelpunkt. In Menzingen gaben die Schliessung der Asylunterkunft im Gubel sowie eine Wolfssichtung in Edlibach zu reden.

Auch Oberägeri war mehrmals im Zentrum des Geschehens. Einerseits durch eine Ende März abgestürzte Militärdrohne in der Nähe des Gottschalkenbergs. Zudem warf die Meldung hohe Wellen, dass ein norwegischer Investmentbanker in seiner Oberägerer Wohnung Crystal Meth herstellte. Und im Herbst öffnete das neue Ägeribad seine Türen.

Dieses Foto konnte der Biologe Beat von Wyl vom Wolf machen.

In Menzingen wurde dieses Jahr mehr als einmal ein Wolf gesichtet.

(Bild: zVg)

Das alles beherrschende Sommerthema waren – natürlich – Hitze und Trockenheit. Dies war in Zug nicht anders, wo der Zuger- und Ägerisee zeitweise Niedrigststände erreichten. Zudem wartete das Zuger Seefest unter der Ägide des neuen OK-Präsidenten Daniel Schärer mit neuem Konzept auf.

Weiter bleiben von der warmen Jahreszeit der Stromausfall am Steinhauser Open-Air Waldstock und die eingereichte Petition hängen, mit der sich zahlreiche Zugerinnen gegen die Schliessung des Campingplatzes Brüggli wehrten.

In der Stadt Zug liess die Meldung des geplanten Museums «Modi» auf dem Siemens-Areal aufhorchen. In ein paar Jahren sollen dort Zuger in Stille und Dunkelheit geschickt werden.

Kultur: Von Heimkehr, Abschied und Comebacks

Das Zuger Kulturjahr begann mit einer traurigen Meldung: Das Silo-Festival auf Hünenberger Boden wurde nach zwei Austragungen begraben – wobei OK-Präsident Pascal Bühler ein Comeback nicht ausschliesst. Auch von der Zuger Brutal-Death-Metal-Reihe «Monthly Assault» gilt es Abschied zu nehmen.

Der ganz normale Wahnsinn von «Monthly Assault».

Der ganz normale Wahnsinn von «Monthly Assault» fand ein Ende.

(Bild: Streit.Macht.Fotografie/Pawel Streit)

Auf der anderen Seite gab es viel Neues zu begrüssen: Alben der Delilahs und Fratelli B oder der neue Roman «Heimkehr» des bekannten Zuger Schriftstellers Thomas Hürlimann. Auch beim Gratisfestival «Rock the Docks» gab es Frisches zu entdecken.

Wiederum andere und anderes haben sich 2018 ins Bewusstsein der Zugerinnen zurückgemeldet. So gab die Baarer Metalband Messiah nach 24 Jahren offiziell ihr Comeback. Und der wohl zugerischste Film überhaupt «Ex Voto» des Regisseurs Erich Langjahr kam nach über 30 Jahren zurück ins Kino. Wir stellten uns die Frage, wie der Film wohl in aktueller Fassung aussehen würde.

Sport: Der EVZ und der Stanley Cup

Der EV Zug, das sportliche Aushängeschild des Kantons, beherrschte vor allem im Frühjahr die Schlagzeilen. Nach dem Out im Playoff-Viertelfinale gegen den späteren Meister aus Zürich musste Coach Harold Kreis gehen. Neu an der Bande steht der Norweger Dan Tangnes. Als Assistent an seiner Seite: Klublegende Josh Holden.

Zudem war der EVZ auf dem Transfermarkt in den letzten Wochen äusserst aktiv und machte mit mehreren Coups auf sich aufmerksam: Nächste Saison werden unter anderem Leonardo Genoni, Grégory Hofmann und Jérôme Bachofner das Stieren-Leibchen tragen. Aktuell thronen die Zuger übrigens auf Rang eins.

Traurig und enttäuscht über die EVZ-Niederlage: Fan in der Nordkurve am Dienstagabend.

Der EVZ schied in den Playoffs bereits im Viertelfinale aus.

(Bild: woz)

Auch Nordamerika war ein Thema: Mit John Klingberg (Dallas Stars) trainierte einer der weltbesten Verteidiger beim EVZ mit – Bruder Carl sei Dank. Und mit Luca Sbisa scheiterte ein Oberägerer in den Stanley-Cup-Finals nur hauchdünn daran, die begehrteste Trophäe des Eishockeys in unseren Kanton zu bringen.

Abgesehen vom Eishockey gibt es das Zug Sports Festival zu erwähnen, wo wir unerschrocken den Selbstversuch gewagt haben. Ausserdem laufen die Vorbereitungen für das Schwing- und Älplerfest nächstes Jahr in Zug bereits auf Hochtouren.

Regionales Leben: Von schlechten Beizen und guten Hofläden

zentralplus fand für seine Leser so einiges heraus anno 2018: Ob es die Zuger tatsächlich ins «Zeus» nach Küssnacht verschlägt, wo man in Zug am günstigsten essen kann, wo es die besten Hofläden und die miesesten Restaurants gibt. Im Gastrobereich haben wir zudem erfahren, dass die Shedhalle zur Schlemmerdestination avancieren soll, dass veganer Streetfood Zug erobert und wie die Zukunft der «Fischerstube» aussieht.

Wir haben weiter erfahren, was den Expats an Zug nicht gefällt, was ein Fagottrohrbauer tut, weshalb es chinesische Touristen jeweils ins Seeliken verschlägt und wie es ist, an Heiligabend zu arbeiten. Und nicht zuletzt haben wir gelernt, dass man eine Tempo-30-Zone auch aufheben kann, weil die Autofahrer sich nicht daran halten.

Was für chinesische Touristen die Kapellbrücke in Luzern ist, ist in Zug das Strandbad Seeliken.

Was für chinesische Touristen die Kapellbrücke in Luzern ist, ist in Zug das Strandbad Seeliken.

(Bild: woz)

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