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«Was die Leute erschaffen haben, ist grossartig»
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Eindrücke von den Abbruchtagen im Zwischenrich. (Bild: azi) (Bild: azi)

Zwischennutzungen Marke abl «Was die Leute erschaffen haben, ist grossartig»

3 min Lesezeit 23.09.2015, 10:14 Uhr

Spätestens seit der Zwischennutzung «Himmelrich» ist die abl Expertin für Nutzungen dieser Art. Im Interview erklärt Jesus Turiño die Schwierigkeiten einer Zwischennutzung und was die Voraussetzungen für weitere solche Projekte sind.

Die Allgmeine Baugenossenschaft Luzern (abl) mausert sich langsam aber sicher zum Zwischennutzungsexperten im Kanton Luzern. Mit dem «Zwischenrich», das in der ganzen Stadt für Furore sorgte (zentral+ berichtete), hat die abl bereits das dritte Zwischennutzungsprojekt durchgeführt. Der Leiter Soziales und Genossenschaftskultur der abl, Jesus Turiño, erklärt im Interview, weshalb diese Projekte zur Philosophie der abl gehören und weshalb diese nur mit einer Vertrauensbasis zu den Luzerner Kunstschaffenden funktioniert.

zentral+: Die abl kann sich mittlerweile «Zwischennutzungsexperte» nennen. Weshalb setzt sich die abl für solche Projekte ein?

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Jesus Turiño: Es ist unsere Philosophie, dass wir unsere Räumlichkeiten nicht leer und ungenutzt stehen lassen. Wann immer möglich sollen diese bis zu einer neuen Nutzung oder bis zum Abriss zur Verfügung stehen.

zentral+: So wie eben kürzlich bei der Himmelrich-Siedlung?

Turiño: Genau. Beim Zwischenrich handelte es sich um unsere erste Zwischennutzung in dieser ziemlich kurzfristigen Art. Diese Siedlung ist die drittälteste der abl und wurde 1934 erbaut. Bald wird sie rückgebaut und anstelle der 237 Wohnungen werden 250 neue erstellt. Vorher wollten wir diesen Freiraum solchen Nutzungen zur Verfügung stellen. Allerdings muss es auch passen und finanzierbar sein.

zentral+: Das stiess auf riesen Anklang in der Stadt. Was ist das Fazit der Himmelrich-Zwischennutzung?

Turiño: Das positive Echo war in der Tat überwältigend. Die Selbstorganisation der Kulturschaffenden, die Übernahme und Rückgabe der Wohnungen lief sehr gut. Allgemein sind wir sehr zufrieden damit, wie das Projekt verlief. Das vordergründige Motiv beim Himmelrich war, dass man von einer mehr als 80 Jahre alten Siedlung – und dann noch in dieser Grösse – auf besondere Art Abschied nehmen wollte.

«Die Freude an einer Zwischennutzung löst meist Dankbarkeit und Verantwortungsbereitschaft aus.»

Jesus Turiño, abl

zentral+: Das ist der abl durchaus gelungen. Was sind die Schwierigkeiten bei der Durchführung einer Zwischennutzung?

Turiño: Die grosse Herausforderung im Falle des Himmelrich 3 war, alle Mieter mit unbefristeten Verträgen bei der Suche nach einem neuen zu Hause zu unterstützen, also vor dem «Zwischenrich». Wichtig ist zudem, dass klare Abmachungen betreffend Unterhalt gemacht werden. Also wer noch was und wie viel zahlt. Die bisherigen Zwischennutzungen verliefen problemlos und werden vertraglich mit einem Nutzungsvertrag geregelt. Dabei hilft auch gegenseitiges Vertrauen. Die Freude an einer Zwischennutzung löst meist Dankbarkeit und Verantwortungsbereitschaft aus.

Aber grundsätzlich ist die abl sehr frei. Die bestehende Rechtsgrundlage reicht uns als Vermieterin betreffend Kündigungsfristen. Wir können unsere Zwischennutzungen unkompliziert und unbürokratisch handhaben. In dieser Beziehung braucht es keine Zusammenarbeit mit der Stadt.

«Eine gegenseitige Vertrauensbasis zwischen der abl und der Luzerner Kulturszene ermöglicht solche Projekt erst.»

Jesus Turiño

Zürcher Firma für Zwischennutzungen

In Zürich gibt es für Zwischennutzungen eine darauf spezialisierte GmbH. «Projekt interim» hilft Eigentümern, Leerstand zu vermeiden oder zu überbrücken. Die Firma strukturiert, organisiert und verwaltet Zwischennutzungen von Geschäfts- und Wohnliegenschaften, Ladenlokalen und ganzen Arealen.


zentral+: Für eine Zwischennutzung wie beim Himmelrich ist auch die Mitarbeit der Kunstschaffenden gefragt.

Turiño: Richtig. Eine gegenseitige Vertrauensbasis zwischen der abl und der Luzerner Kulturszene ermöglicht solche Projekte erst. Die Wertschätzung seitens der Kulturschaffenden war sehr gross. Es entstand in dieser kurzen Zeit des «Zwischenrichs» eine gegenseitige Solidarität. Was die Menschen dort innert Kürze erschaffen haben, ist grossartig!

zentral+: Wo könnte in der Stadt Luzern die nächste Zwischennutzung dieser Art entstehen?

Turiño: Grundsätzlich sind solche Zwischennutzungen dort denkbar, wo es um ein Neubauprojekt geht, bei welchem die alten Häuser ersetzt werden müssen. Wann dies das nächste Mal sein wird und auch möglich ist, ist noch unklar und muss je nach Situation geprüft werden.

zentral+: Welche anderen Zwischennutzungen führt die abl derzeit durch?

Turiño: An der Bernstrasse haben wir ein kleines Bürohaus einem Künstlerkollektiv zur befristeten Nutzung übergeben. So lange, bis das Haus einer geplanten Neubausiedlung weichen muss. Das Projekt «Tatort Bernstrasse» läuft nun schon seit 2013 (zentral+ berichtete). Das zweite ist in einem ehemaligen Industriegebäude an der Sagenmattstrasse, das seit Frühjahr 2015 für die kommenden zehn Jahre an verschiedene Nutzungen vermietet wird. Dort ist aus langfristiger Sicht ein Ersatzwohnbau geplant.

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