Was die Corona-Krise für die Ferienregion Luzern bedeutet
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Marcel Perren, der Direktor von Luzern Tourismus. (Bild: rob)

Tourismusdirektor Marcel Perren im Interview Was die Corona-Krise für die Ferienregion Luzern bedeutet

5 min Lesezeit 3 Kommentare 22.04.2020, 12:30 Uhr

Keine internationalen Gruppenreisen, dafür abenteuerlustige Schweizer Gäste: Der Region Luzern steht ein ungewöhnlicher Sommer bevor. Die Corona-Krise krempelt den Tourismus gerade gehörig um. Mittendrin: der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren. Er rechnet damit, dass die Asiaten erst im Frühling 2021 wiederkommen.

Der Kanton Luzern stellt nun auch dem Tourismus in der Region Luzern Hilfe in Aussicht. Eine Tranche von zusätzlichen 700’000 Franken soll dazu beitragen, dass bald wieder Gäste an den Vierwaldstättersee reisen (zentralplus berichtete). Gleichwohl stehen der Feriendestination schwere Zeiten bevor. Tourismusdirektor Marcel Perren erwartet die internationalen Touristen erst im Frühling 2021 wieder.

zentralplus: Der Tourismus wird wohl noch länger unter der Corona-Krise leiden. Was bedeutet das für Luzern?

Marcel Perren: Die Tourismusbranche ist weltweit von der aktuellen Corona-Krise sehr heftig betroffen. Auch in der Erlebnisregion Luzern-Vierwaldstättersee gehen wir in diesem Jahr von einem Einbruch der touristischen Wertschöpfung aus. Da wir bei uns in der Region jeweils sehr viele internationale Gäste begrüssen dürfen, rechnen wir im Schweizer Vergleich mit einem grösseren Rückgang der Logiernächte.

zentralplus: Wie sieht es bei den Veranstaltern, zum Beispiel von Gruppenreisen, aus?  

Perren: Das Reisegeschäft liegt am Boden. Die Reiseveranstalter mussten ihre Buchungen bis weit in die Sommermonate stornieren. Bekanntlich sind aktuell auch die Landesgrenzen geschlossen, der Flugverkehr ist eingebrochen und internationale Schengen-Visa können vorerst bis Mitte Juni nicht beantragt werden. 

zentralplus: Können Sie uns anhand von Zahlen ausdrücken, wie Corona auf den Tourismus in der Stadt und der Region Luzern wirkt?

Perren: Gemäss unserer internen Hochrechnung rechnen wir in der Stadt mit einem Logiernächterückgang im Jahr 2020 von rund 60 Prozent. Dies werden über 800’000 Logiernächte weniger sein als im Jahr 2019. Dies sind natürlich höchst unerfreuliche Perspektiven und viele touristische Leistungsträger kämpfen um ihre Existenz. 

«Wir gehen davon aus, dass ab Frühjahr 2021 die internationalen Gäste wieder vermehrt Europa und unsere Erlebnisregion besuchen werden.»

zentralplus: Wie verlaufen derzeit die Gespräche mit den Anbietern, etwa auf dem Pilatus, Bürgenstock oder in der Stadt Luzern? Was sind die wichtigsten Bedürfnisse, die drängendsten Fragen?

Perren: Es herrscht aktuell eine grosse Verunsicherung und ein Unverständnis gegenüber den Entscheidungen des Bundesrats. Die Tourismusbranche fordert deshalb den Bundesrat auf, einen konkreten Plan für gastgewerbliche Betriebe und touristische Infrastrukturen – wie Bergbahnen, die Schifffahrt, Wellness- und Freizeitanlagen und so weiter – zu definieren. 

Der Dragon-Ride der Pilatus-Bahnen: Wie viele Personen die Gondel im Sommer pro Fahrt transportieren darf, ist noch offen.

zentralplus: Touristiker rechnen damit, das wir künftig mehr Ferien in der Schweiz machen – passt Luzern Tourismus nun kurzfristig seine Tätigkeiten an?

Perren: Auch wir gehen davon aus, dass der Schweizer Markt in diesem Jahr die grössten Chancen bietet, weil speziell in Krisenzeiten die Gäste die Nähe und das Vertraute schätzen. Der Schweizer Markt ist seit jeher für unsere Tourismusregion die Nummer 1 und im letzten Jahr betrug der Logiernächteanteil der Schweizer Gäste 41 Prozent.  

zentralplus: Wie unterscheidet sich der einheimische Tourist von den internationalen Gästen?

Perren: Die internationalen Besucher begeistert bei uns vor allem die Vielfalt auf kleinem Raum und sie finden hier alles, was die Schweiz ausmacht und wie sie sich diese vorstellen: Eine übersichtliche Stadt mit einem grossen kulturellen Angebot, die autofreie Altstadt, ein attraktives Shoppingangebot und dann die attraktiven Ausflugsmöglichkeiten auf dem Vierwaldstättersee und in die nahen Ausflugsberge. Viele Gäste aus Fernmärkten schätzen bei uns auch die intakte Natur, das saubere Wasser und die Luft. 

zentralplus: Und bei den Schweizer Touristen?

Perren: Hier steht neben den bekannten Ausflugsattraktionen in der Stadt Luzern und in der Region vor allem auch die aktive Erholung im Fokus – beispielsweise Bergausflüge, Wandern, Biken, Baden in den Seen.  

zentralplus: Tourismusangebote werden wohl auch Anpassungen machen müssen, um weiter Gäste zu begrüssen. Zum Beispiel kündigt die Rigi-Bahn an, nur noch eine Person pro Gondel zu transportieren. Wie kann Luzern Tourismus die Anbieter unterstützen?

Perren: Selbstverständlich unterstützen wir unsere touristischen Leistungspartner speziell in Krisenzeiten im Bereich der Kommunikation bestmöglich und werden dies auch weiterhin tun.

zentralplus: Braucht es nun langfristig eine neue Tourismusstrategie?

Perren: Unser sehr guter Gästemix ist ein Baustein unseres touristischen Erfolgs in den vergangenen Jahren. So stammten im Jahr 2019 23 Prozent aller Übernachtungsgäste aus der Schweiz, der stärkste Auslandsmarkt waren mit 19 Prozent die USA, gefolgt von China mit 9 Prozent und Deutschland mit 6 Prozent.

zentralplus: Und in Zukunft?

Perren: Selbstverständlich analysieren wir die Situation jährlich neu und verfolgen seit Jahren eine Qualitätsstrategie. Diese hat zum Ziel, einen möglichst idealen Mix an Gästen zu haben sowie diese möglichst gut übers Jahr und innerhalb der Region zu verteilen. Auch die Aufenthaltsdauer soll gesteigert werden, damit mehr Anbieter noch mehr von der touristischen Wertschöpfung profitieren können. Auch angebotsseitig möchten wir uns mit qualitativ hochstehenden Angeboten positionieren.

Die Flotte der SGV steht derzeit still.

zentralplus: Rechnen Sie damit, dass die internationalen Touristen wieder im vorherigen Rahmen zurückkehren werden?

Perren: Luzern ist eine starke touristische Marke und international bekannt als Reisedestination. Obwohl die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise noch lange zu spüren sein werden, gehen wir davon aus, dass ab Frühjahr 2021 die internationalen Gäste wieder vermehrt Europa und unsere Erlebnisregion besuchen werden. 

zentralplus: Wird der Tourismus in Luzern durch Corona langfristig verändert?

Perren: Der Tourismus ist eine Netzwerkbranche und wird von vielen Faktoren und auch von der Wirtschaft in vielen Quellmärkten beeinflusst. Es ist anzunehmen, dass Auswirkungen der Krise den Tourismus nachhaltig verändern werden. Wie stark und in welcher Form dies der Fall sind wird, kann zum heutigen Zeitpunkt nicht abschliessend beurteilt werden.

Das Interview mit Marcel Perren wurde schriftlich geführt.

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3 Kommentare
  1. Pfenniger, 23.04.2020, 07:47 Uhr

    Die wohlformulierte und auf den Punkt bringende Meinung von Kaufmann unterstütze ich voll und ganz. Ich gehöre auch zu den Bewohnern der Stadt Luzern, die mit den vielen asiatischen Touristengruppen nicht wohlwollend gesinnt ist.
    Unsere Stadt soll wieder vermehrt den steuerzahlenden Luzernern gehören und nicht nur den verdienenden Bijouterie- und Souvenir Geschäften. Alles wurde für diese Geschäfte am Schwanenplatz gedreht, doch der Bürger wurde nie wirklich nach seinem Wohlbefinden und seiner Meinung gefragt. Es war manchmal echt beängstigend in die Stadt zum Einkaufen zu gehen und viele Bewohner haben die Innenstadt gemieden.
    Hoffentlich lernt der Tourismus Verein etwas aus der Situation und nimmt die Gefühle der Bewohner der Stadt Luzern in Zukunft ernster.

    1. Von Wiegen, 26.04.2020, 00:19 Uhr

      Da kann ich aber auch zuhause bleiben,ich fahre sicher nicht ins Wallis oder Bern zum übernachte,ist viel zu teuer.Wenn man die Preise von Deutschland und Tirol anschaut,ist die Schweiz viel zu teuer.Wenn ich ja nur die Sbb anschau.War leztes Jahr in Köln 1 Klasse hin und zurück 70 Euer!!!!!

  2. Kaufmann, 22.04.2020, 14:49 Uhr

    Sie haben jetzt eine echte Chance für eine nachhaltige, zukunftstaugliche Strategie ohne Klumpenrisiko mit den chinesischen Stunden- und Halbtagestouristen.
    Das Unwohlsein in der Bevölkerung gegenüber dem Tages- und Cartourismus war sehr gross.
    Es sollte in Zukunft ein Mehrwert mit Optimierung des Stadtbildes entstehen, mit mehr Aufenthaltsqualität, zeitlich und örtlich geführte Touristengruppen, nicht Ströme.
    Auch die einheimische Bevölkerung muss sich wohl fühlen und von der gesteigerten Attraktivität der Stadt profitieren.

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