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Was der Streit im Dachverband der Masseure mit Fussball zu tun hat
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Der damalige FCL-CEO Marcel Kälin (links) gemeinsam mit Brigitte und Urs Dickerhof am VIP-Apero während des Pfingsmasters. (Bild: freshfocus/ Martin Meienberger)

SVP-Politiker im Kreuzfeuer der Kritik Was der Streit im Dachverband der Masseure mit Fussball zu tun hat

5 min Lesezeit 28.08.2019, 05:00 Uhr

Ex-FCL-CEO Marcel Kälin und SVP-Politiker Urs Dickerhof kennen sich schon lange. Sie verbindet die Leidenschaft für den Fussball. Doch nun begegnen sich die beiden in einem anderen Zusammenhang. Eine Geschichte über widersprüchliche Aussagen und möglicherweise fehlendes Geld.

Beim Dachverband der medizinischen Masseure ist Feuer im Dach. Offenbar fehlen rund 150’000 Franken. Gegen die Vorstandsmitglieder wurde eine Anzeige eingereicht (zentralplus berichtete). Mittendrin die beiden SVP-Politiker Nationalrat Felix Müri und Kantonsrat Urs Dickerhof. Müri präsidiert den Dachverband, Dickerhof ist Finanzchef.

Bemerkung am Rande: Müri wollte Dickerhof im letzten Jahr als Emmer Gemeinderat beerben. Das Unterfangen scheiterte jedoch – die SVP verlor den Sitz an die SP (zentralplus berichtete). Es sind nicht die einzigen personellen Verstrickungen, die auffallen. Doch dazu später mehr.

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Ausserordentliche DV soll Klarheit bringen

Diesen Mittwoch muss sich der Dachverband mit Müri und Dickerhof erklären. Es findet erst eine Vorstandssitzung und später eine ausserordentliche Delegiertenversammlung statt. Besonders Druck macht dabei der Verband der medizinischen Masseure Schweiz (VDMS). Er hat seine Beiträge nicht mehr bezahlt – nun droht ihm der Rauswurf aus dem Dachverband, in dem fünf Verbände vereint sind.

Das Zurückhalten der Beiträge habe einen guten Grund, sagt VDMS-Vorstandsmitglied Nicolas Kindt auf Anfrage. «Wir waren und sind bereit, unsere Mitgliederbeiträge zu bezahlen, jedoch wollen wir zuerst wissen, was mit dem fehlenden Geld passiert ist.» Kindt sitzt seit April für den VDMS im Vorstand des Dachverbands.

«Wir hoffen, dass die Geschichte lückenlos aufgeklärt wird.»

Nicolas Kindt, VDMS-Vorstand

Er erhofft sich viel von den Sitzungen am Mittwoch: «Abgemacht war, dass eine externe Revisionsstelle sich die Bücher anschauen und über allfällige Ungereimtheiten berichten würde.» Kindt spricht im Konjunktiv. Eine Offerte habe er einmal gesehen, über die konkrete Auftragserteilung sei im Vorstand aber weder gesprochen noch abgestimmt worden.

«Wir hoffen, dass die Geschichte lückenlos aufgeklärt wird», formuliert Kindt seine Erwartungshaltung klar und deutlich. Im Anschluss müsse diskutiert werden, wie die Geldprobleme bewältigt werden könnten – und ob der Dachverband noch richtig organisiert sei.

Dickerhof streitet Ungereimtheiten ab

Felix Müri will zu den Anschuldigungen nichts sagen und verweist darauf, dass er im Anschluss an die Veranstaltung am Mittwoch über die Entscheide informieren wird. Urs Dickerhof sagt auf Anfrage von zentralplus: «Die neue Revisionsstelle wird uns am Mittwoch in Kenntnis setzen.» Der Auftrag wurde also offensichtlich erteilt.

Dickerhof ist überzeugt, dass nichts am Vorstand haften bleiben wird. Es fehle auch gar kein Geld. «Gelder aus einem nachträglichen Erwerb von Titeln wurde fälschlicherweise als Verwaltungsaufwand verbucht», erklärt Dickerhof. Von einer Zweckentfremdung könne keine Rede sein.

Doch mit diesen unterschiedlichen Einschätzungen der Geschehnisse von Dachverband und VDMS ist die Geschichte nicht zu Ende erzählt. Denn eine weitere interessante Personalie mischt in diesem Konflikt mit. Es ist Ex-FCL-CEO Marcel Kälin.

Eine alte Fussballer-Freundschaft

Marcel Kälin «geschäftete» einst mit Urs Dickerhof. Vor Kälins Engagement beim FC Luzern gründeten die beiden eine Beratungsfirma. «Wir unterstützten Vereine und Verbände, insbesondere bei der Durchführung von Events», erklärt Dickerhof. Später kaufte Dickerhof Kälin dessen Anteile an der Beratungsfirma ab. Jener Beratungsfirma notabene, welche nach Kälins Ausscheiden als Geschäftsstelle des Dachverbandes der Masseure installiert wurde.

Doch damit nicht genug. Marcel Kälin amtet mittlerweile als Vorstandsmitglied des VDMS. Also jenes Verbandes, der sich mit dem Dachverband streitet. Dickerhof sagt, dass er damals gar den Kontakt zwischen der damaligen VDMS-Präsidentin und Kälin hergestellt hat. «Es ist schon kurios, dass er nun bei jenem Verband tätig ist, der uns das Leben schwer macht», so Dickerhof.

«Kälin war 25 Jahre lang mein Treuhänder.»

Urs Dickerhof

Aber was steckt hinter der Geschichte, in welche die beiden Fussball-Verrückten involviert sind? Schliesslich teilt Dickerhof die Leidenschaft für den Fussball mit dem ehemaligen FCL-Meisterspieler Kälin. Die beiden lernten einander kennen, als Kälin seine Karriere nach dem Meistertitel beim FC Emmenbrücke fortsetzte. Mittlerweile präsidiert Dickerhof den Innerschweizer Fussballverband und sitzt im Beirat des FC Luzern.

Gab es einen Streit zwischen den beiden – eine fiese Grätsche quasi? Dickerhof lacht laut auf, als ihn zentralplus auf die Verbindung in die Fussballwelt anspricht. «Kälin war 25 Jahre lang mein Treuhänder.» Offenbar ist zwischen den beiden etwas vorgefallen. Dickerhof will dazu keinen Kommentar abgeben.

Kälin will Angelegenheit klären

Marcel Kälin bleibt, auf die Geschichte und die spezielle Verbindung ins Fussballbusiness angesprochen, zurückhaltend: «Mit Fussball hat das Ganze nichts zu tun.» Er verneint auch, dass zwischen den beiden etwas vorgefallen sei. Er sei vom VDMS-Vorstand Ende März 2019 angefragt worden, im Vorstand als Delegierter betriebswirtschaftliches und finanzielles Wissen einzubringen. Die Verbandsmitglieder haben ihn daraufhin anfangs April einstimmig in den Vorstand gewählt. 

«Seit Ende meiner Fussball-Karriere war ich stets bei einer Treuhand- und einer Berater-Firma beteiligt», sagt Kälin zu seinen Qualifikationen. Dies wie auch andere Firmenbeteiligungen habe er auch während seines FCL-Engagements immer deklariert. 

Das Vorgehen des Dachverbands mit Präsident Müri und Finanzchef Dickerhof wirft auch für Kälin Fragen auf. «Wenn Urs Dickerhof Ende April an der Delegiertenversammlung offenlegt, dass 150’000 Franken fehlen, diese nicht bilanziert sind und er drei Monate später den Journalisten erklärt, dieses Geld fehle nicht, wird es suspekt.»

Der VDMS will die Angelegenheit um das fehlende Geld durch Marcel Kälin geklärt haben und wissen, wer für sie verantwortlich ist. «Dies unabhängig davon, ob man eine Person seit 30 Jahren kennt oder nicht», so der ehemalige Fussballprofi.

Rund eineinhalb Jahre ist es nun her, seit Marcel Kälins Zeit beim FC Luzern im März 2018 endete. Nach nur 569 Tagen musste er seinen Posten räumen (zentralplus berichtete).

Als Nachfolger damals übrigens heiss gehandelt: Urs Dickerhof.

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