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Was der Schwing-Laie fürs ESAF wissen muss
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Voller Einsatz im Sägemehl: Zwei Schwinger bei der Arbeit. (Bild: Archiv)

Plattwurf, Gestellter und Kranz Was der Schwing-Laie fürs ESAF wissen muss

4 min Lesezeit 26.07.2019, 05:00 Uhr

Du gehst ans Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug, hast aber noch keine Ahnung, worum es da überhaupt geht? Dieser Beitrag schafft Abhilfe. Wenn du alles über diese zwölf Punkte weisst, läufst du nicht Gefahr, dich im Austausch mit wahren Schwingerfreunden zu blamieren.

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) wird immer grösser. Entsprechend gibt es auch immer mehr Zuschauer, die keine grosse Schwingfesterfahrung mitbringen. Falls auch du völlig im ESAF-Hype bist, ohne den Sport und die Schwingkultur genau zu kennen, solltest du zumindest folgende zwölf Dinge wissen.

Hoselupf

1. Schwingen

Zumindest so viel solltest du eigentlich wissen, aber zur Sicherheit: Schwingen ist eine Form des Ringens, die auf Sägemehlkreisen ausgeübt wird. Die Gegner tragen beim Kampf eine Hose aus Zwilch über den Kleidern. An dieser müssen sich die Kontrahenten halten. Wer seinen Gegner zuerst auf den Rücken legt und noch eine Hand an der Schwinghose des Gegenübers hat, gewinnt.

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2. Gänge

Ein Gang ist eine Runde eines Schwingfestes. An allen Schwingfesten, ausser dem Eidgenössischen gilt es für die Schwinger sechs Gänge zu bestreiten. Lediglich etwa die schlechtesten 15 Prozent scheiden nach vier Gängen schon aus. Die ersten beiden Gänge werden als Anschwingen bezeichnet, der dritte und vierte als Ausschwingen, und die letzten beiden als Ausstich. Nur am ESAF gibt es acht Gänge, nach dem Ausstechen folgt das Kranzausstechen.

Vor einem Gang erfrischen sich die Schwinger jeweils am Brunnen, wie hier am Luzerner Kantonalen in Inwil 2015. (Bild: azi)

Der Schlussgang ist der letzte Gang. Er wird nur zwischen den beiden Schwingern mit den meisten Punkten ausgefochten. Der Schlussgang am ESAF dauert maximal 16 Minuten. Das «technische Regulativ» des Eidgenössischen Schwingerverbands empfiehlt eine «Gangdauer» von mindestens fünf Minuten.

3. Der Schwingerkönig

Schwingerkönig nennt man den Sieger des ESAF. Dieses wird alle drei Jahre ausgetragen. Schwingerkönig ist man aber nicht nur drei Jahre, sondern ein Leben lang. Es gibt keine Ex-Schwingerkönige.

Schwinger-Knigge von «Schlussgang.ch»

Ein Besuch an einem Schwingfest ist kein VIP-Anlass. Krawatten oder Anzüge sind genauso unbeliebt beim Schwingervolk wie Cüpli oder reservierte VIP-Bereiche.

Das darf/soll ich
+ Alkohol (besonders Kaffee-Schnaps und Bier) trinken
+ Znüni selber mitbringen
+ Käseschnitte probieren
+ Festwirtschaft besuchen
+ Lockere Freizeitbekleidung oder Edelweisshemd tragen
+ Mich sportlich, fair und respektvoll verhalten
+ Pünktlich zum ersten Gang Platz nehmen
+ Nicht vor dem Schlussgang abreisen
+ Pfeifen- und Brisago/Krumme rauchen

Das darf/sollte ich nicht
– Champagner trinken, Kaviar essen
– Anzug oder elegante Kleidung tragen
– Englische Ausdrücke verwenden
– Flaschen oder andere Gegenstände werfen
– Kampfrichter oder Schwinger auspfeifen
– Bei strittigen Entscheidungen reklamieren
– Regen- und Sonnenschirme mitbringen

4. Plattwurf

Ein Plattwurf ist der perfekte Sieg. Dabei wird der Gegner direkt auf den Rücken geworfen, es muss am Boden nicht mehr nachgedrückt werden, um zu siegen. Für einen Plattwurf gibt es die Maximalnote (siehe Punkt sechs).

5. Gestellter

Ein Gestellter ist ein Kampf, der unentschieden ausgeht, sprich wenn es bis Ablauf der Zeit keine Entscheidung gibt.

6. Notengebung

Für jeden Kampf gibt es Noten zwischen 8,5 bis 10. Ein Plattwurf gibt die Bestnote 10. Für einen Sieg mit Nachdrücken gibt es eine 9,75. Bei einem Gestellten ist die «Normalnote» eine 8,75, bei einer starken Leistung kann hier maximal die Note 9,0 gewährt werden. Verliert man, gibt es die Note 8,5. Auch hier kann ein offensiver und technisch versierter Schwinger noch einen zusätzlichen Viertelpunkt ergattern. Für den Schlussgang sind die Noten vorgegeben, der Sieger erhält die Note 10,0 und der Verlierer eine 8,75.

7. Gestöss

Das Gestöss ist der Beinabschluss der Schwingerhosen. Diese werden in Handarbeit aus Zwilchstoff hergestellt.

8. Kranz

Die besten Schwinger eines Festes erhalten das begehrte Eichenlaub. Dies sind zwischen 15 und 18 Prozent der Schwinger eines Festes.

9. Gewichtsklassen

Im Schwingsport gibt es keine Gewichtsklassen. Bei den Jungschwingern werden noch Kategorien nach Alter gebildet. Ab 16 Jahren kämpfen alle in derselben Kategorie. Viele Schwinger sind zwischen 105 und 115 Kilogramm schwer.

10. Die Bösen und die Eidgenosssen

Der Titel «Böser» gebührt den besten Schwingern des Landes. Da dies aber relativ schwierig zu definieren ist, wird heute jeder Schwinger mit einem Eidgenössischen Kranz als Böser bezeichnet. Auch um sich Eidgenosse nennen zu dürfen, braucht man einen eidgenössischen Kranz. Im Schwingsport ist nicht jeder Schweizer, der für die Idee der Nation Schweiz steht, ein Eidgenosse. Man muss sich diesen Namen verdienen.

Das Eichenlaub gibt es neben dem ESAF lediglich an Kranz- und Bergkranzfesten zu gewinnen. (Bild: Schlussgang.ch)

11. Sennenschwinger versus Turnerschwinger

Es gibt zwei Schwingerarten. Die Sennenschwinger treten üblicherweise in dunklen Hosen und einem Edelweisshemd auf, während die Turnerschwinger in weissen Hosen und weissem Shirt das Sägemehl betreten. Traditionellerweise gelten die Sennenschwinger als eher ländliche Athleten, während die Turnerschwinger eher aus städtischen Gebieten kommen. Letztere entstammen oft einem Turnverein, daher der Name.

12. Schwingerverbände

Zuoberst steht der Eidgenössische Schwingerverband. Dieser hat die fünf Teilverbände unter sich. Sie sind durch die geografische Abgrenzung gegliedert. Es gibt den Berner Kantonal-, den Innerschweizer, den Nordostschweizer, den Nordwestschweizer, und den Südwestschweizer Schwingerverband. Obwohl der Innerschweizer Verband der grösste ist, stellt er mit Harry Knüsel vom Schwingklub Cham-Ennetsee erst einen Schwingerkönig.

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