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Was das Krienser Nein für das carfreie Inseli bedeutet
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Da lang: Die Stadt will eine mehrheitsfähige Lösung für das Carregime. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Neuer Standort beim Südpol lanciert Was das Krienser Nein für das carfreie Inseli bedeutet

6 min Lesezeit 2 Kommentare 13.12.2019, 16:02 Uhr

Der Krienser Einwohnerrat will von einem Carparkplatz in der Nähe des Pilatusmarktes nichts wissen – und macht der Stadt Luzern damit einen fetten Strich durch die Rechnung. Zur Diskussion steht jetzt ein neuer Standort gegenüber dem Südpol. Die geplante Zwischennutzung auf dem Inseli wird durch die Verzögerungen immer unwahrscheinlicher.

Der Luzerner Stadtrat hat sich in der Carfrage in die nächste Sackgasse manövriert: Der Krienser Einwohnerrat hat den Plänen, in der Nähe des Pilatusmarkts einen temporären Carparkplatz zu errichten, am Donnerstag eine Abfuhr erteilt (zentralplus berichtete).

Dabei hatte sich das städtische Grundstück Hinterschlund laut Stadtrat als beste Variante herausgestellt, weil es gut erschlossen ist und nahe am Autobahnanschluss Luzern-Horw liegt. Die Cars sollten die Touristen in der Stadt ausladen und dann in Kriens warten, bevor die Reisenden wieder im Zentrum abgeholt werden (zentralplus berichtete). Der Widerstand aus Kriens zeichnete sich allerdings bereits früh ab. Dass die Touristenstadt Luzern den lärmigen Verkehr in die Nachbargemeinde auslagern wollte, kam nicht gut an.

Stadträte treffen sich nächste Woche

Insofern so kommt das Nein des Krienser Parlaments wenig überraschend. Doch was bedeutet es? «Ob der Standort Hinterschlund definitiv gescheitert ist, müssen wir nun abklären», sagt der Luzerner Stadtrat Adrian Borgula (Grüne). «Aber es ist sicher sehr schwierig geworden.»

Deutlichere Worte wählt der Krienser Stadtrat Matthias Senn (FDP). «Es war der Wille des Einwohnerrates, mit ortsplanerischen Massnahmen zu verhindern, dass auf dem Areal Hinterschlund ein provisorischer Car-Parkplatz realisiert wird», sagt der Bauvorsteher. «Der Stadtrat wird diesen Entscheid respektieren.»

«Ob die Akzeptanz des neuen Standorts in der Bevölkerung grösser ist, wird sich erst noch zeigen.»

Matthias Senn, Krienser Stadtrat

Die Delegationen der beiden Stadträte treffen sich nächste Woche, am 20. Dezember, zum Verhandlungsgespräch. «Wir bedauern, dass das Krienser Parlament nun einen Richtungsentscheid vorweggenommen hat», sagt Adrian Borgula. Dieser Entscheid ändere jedoch nichts daran, dass der Stadtrat Luzern weiterhin mit dem Krienser Stadtrat für die Entwicklung des Areals Hinterschlund konstruktiv zusammenarbeiten und gemeinsame Lösungen erarbeiten wolle (siehe Box).

Borgula will den Entscheid des Krienser Einwohnerrates nicht bewerten. Er wehrt sich aber gegen die Vorwürfe, dass der Carverkehr über die Ringstrasse abgewickelt worden wäre und die Stadt Luzern eigensinnig agiere. «Die Stadt hat in vielen Bereichen grosse Nutzen, trägt aber auch grosse Lasten für die Region. Es wäre generell von Vorteil, wenn wir alle etwas mehr als ganze Region denken würden.»

Eine neue Türe geht auf

Matthias Senn brachte am Donnerstag denn auch gleich einen neuen Vorschlag ins Spiel: Auf dem Areal gegenüber dem Südpol wäre ein Carparkplatz denkbar.

Auf dem Grundstück, das der Luzerner Bauunternehmung Amberg gehört, stehen derzeit eine leere Scheune und ein Bauernhaus. Die Gebrüder Amberg planen gemeinsam mit dem Autohaus Epper vom Nachbargrundstück eine neue Überbauung mit Wohnungen und Gewerbeflächen.

Das rot umrandete Grundstück gegenüber dem Südpol könnte temporär zum Carparkplatz werden. (Screenshot: Google Maps)

Doch dieses Projekt muss mit der Baustelle für den Bypass koordiniert werden. Und diesbezüglich sind noch Fragen offen betreffend der Überdachung zwischen Tunnel Schlund und Tunnel Sonnenberg. Kurz: Wann der Baustart erfolgen kann, steht noch nicht fest.

Der Eigentümer habe sich bereits dahingehend geäussert, dass eine vorübergehende Nutzung als Car-Parkplatz eine gute Lösung sei, sagt Matthias Senn. Die Vorteile: Das Areal Rösslimatt liegt zwischen Autobahn und Arsenalstrasse, ist bereits an Lärm gewöhnt und laut Senn deshalb weniger ein Entwicklungsareal als der Hinterschlund. Die Lage und die Zufahrt zum Areal seien insgesamt weniger exponiert.

Ein Geben und Nehmen

Die Stadt Luzern besitzt im Gebiet Luzern Süd wesentliche Parzellen. Deshalb ist die Stadt Kriens bei der Entwicklung ihres neuen Stadtteils auch auf den Goodwill der Luzerner angewiesen. Droht nach dem Nein zum Carparkplatz jetzt die Retourkutsche aus Luzern? «Kriens hat seine Bedürfnisse und Interessen. Wir versuchen diesbezüglich möglichst kooperativ unterwegs zu sein», versichert der Luzerner Stadtrat Adrian Borgula – und schiebt nach: «Wir können aber nicht nur geben.» 

Der Stadtrat Kriens will jedenfalls weiterhin mit Luzern über die Zukunft und die Entwicklungen der Areale Hinterschlund und Grabenhof verhandeln, «auch wenn ein provisorischer Carparkplatz Hinterschlund politisch nicht mehr realisierbar ist», so Matthias Senn. «Es ist ja auch das Interesse der Stadt Luzern, dass die Areale zwischen Mattenhof und Schlund städtebaulich attraktiv und mit einer hohen Qualität entwickelt werden.»

«Ob die Akzeptanz in der Bevölkerung grösser ist, wird sich erst noch zeigen», sagt der FDP-Politiker. Selbstverständlich müsse auch bei diesem Standort ein Mobilitätskonzept erarbeitet und aufgezeigt werden, wie die Erschliessung funktioniere. Von Seiten der Stadt Kriens sei derzeit kein anderes Areal im Gespräch.

Stadtrat hätte lieber eigenes Grundstück genutzt

Die Stadt Luzern hatte das Areal Rösslimatt in Kriens bereits auf dem Radar, wie Borgula am Freitag sagt. Man habe bislang aber in erster Priorität den Parkplatz für das Areal Hinterschlund aufgegleist. «Wir können nicht parallel mehrere Optionen gleichzeitig parat machen.»

Im Unterschied zum Hinterschlund gehört das Areal beim Südpol nicht der Stadt Luzern. Das heisst, ein Carparkplatz dort dürfte Luzern teurer zu stehen kommen als der bisher geplante. Laut dem Luzerner Stadtrat Adrian Borgula ist es derzeit noch zu früh, eine Beurteilung des potenziellen Standorts beim Südpol abzugeben. «Wir müssen zuerst intern Bilanz ziehen und entscheiden, auf welche Option wir jetzt setzen.»

Die Zeit drängt wegen der Inseli-Initiative

Dass die Stadt überhaupt einen neuen Carparkplatz braucht, hat mit der Inseli-Initiative zu tun. Diese wurde 2017 von den Stadtluzernern angenommen und verlangt, dass der Inselipark auf Kosten der Carparkplätze vergrössert wird (zentralplus berichtete).

Doch damit eine Umsetzung – wie ursprünglich beabsichtigt – per 2023 möglich ist, muss eine Alternative für die Cars her. Zwar kommt es immer wieder vor, dass die Parkplätze beim Inseli aufgrund einer Veranstaltung nicht zur Verfügung stehen. Doch das ist meist nicht in der Tourismus-Hauptsaison der Fall und verursacht in der Regel mehr Verkehr im Tribschenquartier. Für den Wegfall der Carparkplätze braucht es darum woanders einen definitiven Ersatzparkplatz.

«Wir haben versprochen, dass wir eine valable und brauchbare Alternative zur Verfügung stellen, bevor die Parkplätze beim Inseli aufgehoben werden.» 

Adrian Borgula, Luzerner Stadtrat

Alle bisherigen Vorschläge sind jedoch gescheitert oder bieten erst auf lange Sicht eine Lösung. Die SP/Juso-Fraktion befürchtet bereits, dass wie bei der Bahnhofstrasse eine Verzögerung droht (zentralplus berichtete).

Zwischennutzung ist kaum mehr realistisch

Ob eine Umsetzung bis 2023 realistisch ist, kann Adrian Borgula zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Er macht aber klar, dass die Carfrage zuerst geklärt werden muss. «Wir haben versprochen, dass wir eine valable und brauchbare Alternative zur Verfügung stellen, bevor die Parkplätze beim Inseli aufgehoben werden. Bei diesem Versprechen bleiben wir.» 

Halten Ausschau nach einer neuen Lösung: Adrian Borgula (links) und Matthias Senn.

Derzeit ist ohnehin noch nicht klar, wie der neue und grössere Inseli-Park dereinst aussehen wird. Aktuell läuft eine Testplanung für das linke Seeufer. Deren Resultate werden auch die Grundlage bieten für die Entwicklung des Inseli-Projekts.

Ursprünglich war die Idee, das Inseli bereits 2020 von den Cars zu befreien und eine Open-Air-Zwischennutzung zu realisieren (zentralplus berichtete). «Das wird sicher schwierig», sagt Borgula. Der städtische Mobilitätsdirektor ist aber trotz aller Rückschläge nach wie vor zuversichtlich, dass es für die Cars einen Ersatzplatz gibt. «Wir werden eine Lösung finden, aber sicher nicht schon morgen.»

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2 Kommentare
  1. Walter Albrecht, 16.12.2019, 18:14 Uhr

    Einmal mehr folgt ein hilfloser Versuch aus dem Stadthaus, eine brauchbare Lösung für das Reisecar-Parkproblem zu finden. Auch der Standort Südpol ist zu klein, selbst als Provisorium. Der einzige Erfolg ist das Schubladisieren des Metro-Projektes, bzw. der Bau des neuen Öki-Hofes im Ibach, um dieses sinnvolle,
    machbare und zukunftsgerichtete Projekt mit Erweiterungspotenzial zu verhindern. Am 9. Februar können die Stimmberechtigten der Stadt Ja sagen,
    damit dieses Projekt endlich seriös angeschaut wird. Die Website http://www.luzern-metro.ch informiert darüber ausführlich.

  2. Ercolani Enrico FDP Einwohnerrat, 15.12.2019, 10:14 Uhr

    Als FDP die Liberalen Einwohnerrat war ich sehr erstaunt, dass die Mitglieder der Grünen Partei dem Vorschlag des Stadtrates zustimmte, dass auf dem Areal Hinterschlund Cars parkiert werden können! Die Begründung war, dass man mit einem solchen Entscheid, bezüglich Landabtausch oder Landkauf, in diesem Gebiet in einer besseren Verhandlungsposition wäre. Nebenbei sei bemerkt, dass die Grünen von Kriens vor kurzem, mit einem Vorstoss, den Klimanotstand einführen wollten!?

    Die Meinung der FDP zur Klimasituation war klar:
    Zu Lasten der Umwelt kann und darf nicht gedealt werden!