Was Creeps, die deine Nummer wollen, wirklich abschreckt
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Was wohl Isa jetzt wieder umtreibt? (Illustration: Mike Bislin)

Isa, garantiert kompliziert Was Creeps, die deine Nummer wollen, wirklich abschreckt

3 min Lesezeit 02.10.2021, 11:00 Uhr

Wenn ein nett gemeintes «Hab kein Bock auf ein Date mit dir» nicht zieht, muss die Notfalllüge her. Warum «Sorry, ich habe einen Freund» mehr zieht als jedes Augenrollen oder jeder Hubschrauber-mässige Tanz. Darüber schreibt Gesellschaft-Redaktorin Isabelle Dahinden in ihrer neuen Kolumne.

Was gibt’s Romantischeres, als spätabends bei den Bahnhofsgleisen angequatscht zu werden? Da, wo’s dunkel und abgelegen ist, irgendwo zwischen Urin- und Nassem-Hund-Gestank, wo frau sich wohlfühlt. «Hey, hesch mer dini Nummere?», hauchte mich ein dezent alkoholisierter Mann an. Scannt mich mit seinem Blick von oben bis unten.

Ich bin dann erstmal weitergeschlendert. Wenn ich etwas gelernt habe, dann das: Bleib nie stehen, nur schon das könnte bedingungsloses Interesse signalisieren. Aber auch die Flucht verspricht keinen Erfolg. Nicht selten entpuppt sich das Gegenüber, so charmant es vielleicht zu Beginn gewesen ist, zum Weirdo, der neben einem hertrabt. Mit mir um die Ecke, die Rolltreppe hoch und wieder um die Ecke – bis dann mal der Groschen fällt: Die hat vielleicht einfach keinen Bock.

Ich murmelte so etwas wie: «Sorry, aber nein.» Er (neben mir herlaufend): «Sehen wir uns morgen?» Ich (laufe schneller): Kopfschütteln. Er (im Takt neben mir schreitend, solche Situationen sind nun mal wie Herpes, die wird man nicht so schnell los): «Übermorgen?» Ich so: 🤨. Er so (in etwa): «Ja? 🤤»

In meinem Kopf rattert’s. Ignorieren und rennen? Genervt schnauben? Drei weitere Mal Nein sagen? Eine Tirade vom Stapel brechen, wieso ich denn nicht will? Hubschrauber-ähnliche Bewegungen mit meinem Körper machen, um das Gegenüber in die Flucht zu treiben? Wo ist dieser verfluchte Ultraschall-Störgeräuschsender, der nervtötende Töne von sich gibt und zumindest alle unter 30 Jahren vertreibt?

Ich entscheide mich für die schmerzloseste Variante, jene, die jede Frau wählt, um endlich Ruhe zu bekommen: «Ich habe einen Freund.» Er (bereits den Rückwärtsgang eingelegt) «Aaaaaaah. Okay.» Und weg ist er. Mission erfolgreich.

Ja, ich habe mich dann doch auch ein bitzli aufgeregt. Nicht über den Typen, viel mehr über mich selbst. Nicht, weil ich gelogen habe. Sondern weil ich nicht einfach gesagt habe: Ich hab keinen Bock. Sorry. Und er das gefälligst zu akzeptieren hat. Wenn ich Nein sage, so ist das nicht die Einladung fürs Gegenüber, sich noch mehr anzustrengen. Noch mehr zu versuchen, mich umzustimmen. Nein ist Nein.

Warum zieht denn die Aussage, dass man vergeben ist, mehr als ein schlichtes Nein? Vielleicht weil das Gegenüber dann checkt, dass es bei vergebenen Frauen aussichtslos ist, sie für ein Date zu gewinnen.

Ich erinnere mich an vergangene durchzechte Nächte, als unsere Mädelsclique Männern, die uns im Ausgang angequatscht haben, irgendwann mal den Finger gezeigt haben. Nicht den Mittelfinger. Den linken Ringfinger. Der, mit einem billigen Claire’s-Ring dran, den wir mit den Worten anpriesen, das sei der Ring der verstorbenen Grossmutter unseres Freundes. Süss, gäll? Hat jedenfalls damals funktioniert.

Eine Kollegin hat mir letztens erzählt, dass sie einem Mann, der sie auf der Strasse oder in einer Bar anspricht und sie um ein Date bittet, immer ihre Nummer gebe. Weil dieser Mut ja belohnt werden müsse. Da hat’s mich ein bisschen «getschuderet». Ich bin niemandem was schuldig, für ein Treffen zu zweit müssen beide Bock drauf haben.

Dass ich – und das Gegenüber – anders können, habe ich knapp 1’000 Kilometer entfernt von hier gelernt. In den Ferien in Dubrovnik wurde ich angesprochen, ich habe gelächelt und mein Desinteresse kommuniziert. Er hat mir dann noch einen schönen Abend gewünscht.

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