Was Corona mit Messerstechereien zu tun haben könnte
  • Gesellschaft
In der Stadt und Agglomeration Luzern kam es in den letzten Wochen zu einer Häufung von Messerattacken. (Bild: Adobe Stock)

Seit März neun Angriffe in der Region Luzern Was Corona mit Messerstechereien zu tun haben könnte

3 min Lesezeit 19 Kommentare 08.07.2020, 19:30 Uhr

In der Region Luzern kam es in den letzten Wochen zu einer Häufung von Messerattacken. Ein Experte nennt Gründe für diesen Trend und erklärt, was Corona damit zu tun haben könnte.

Neun Messerattacken in nur drei Monaten in der Stadt und Agglomeration Luzern. Dass die Zahl solcher Delikte zunimmt, ist offensichtlich. Der jüngste Vorfall ereignet sich am Montag beim Bahnhof Luzern – am frühen Abend bei Tageslicht (zentralplus berichtete). Und erst vergangene Woche verletze ein 65-jähriger Schweizer einen Mann aus Sri Lanka beim Kreuzstutz mit einem Messer. Auch diese Tat ereignete sich am hellichten Tag (zentralplus berichtete).

Was ist also los in Luzern und wo liegen die Gründe für die Zunahme von Angriffen mit Messern? Die Erklärungen dafür könnten vielseitig sein und auch mit der aktuell herrschenden Situation zu tun haben, wie Lorenz Imbach auf Anfrage ausführt. Imbach ist Mitinhaber des Instituts für forensische Psychologie Zentralschweiz (IFP) in Luzern. Das IFP verfasst unter anderem forensische Gutachten und erstellt Konzepte für Therapien von Gewalttätern.

Sinkende Frustrationstoleranz

Grundsätzlich stellt Imbach fest, dass bei vielen Menschen die Frustrationstoleranz abnehme und sie deshalb eher gewalttätig werden. «Oft hat es damit zu tun, dass sich das Gegenüber nicht einschüchtern lässt und man die Gewaltanwendung als einzigen Ausweg sieht, sich durchzusetzen, um als Sieger dazustehen», erklärt Imbach.

«Die Menschen beobachten die Entwicklungen in ihrer Szene und erhalten dadurch den Eindruck, dass sie sich bewaffnen müssen.»

Lorenz Imbach, forensischer Psychologe

In den Medien wurden in den vergangenen Monaten ähnliche Ursachen genannt. Insbesondere auf viele junge Männer übe ein Messer eine gewisse Faszination aus und gebe ihnen ein Gefühl von Männlichkeit. Diese Erklärung wurde oft vor dem Hintergrund von Messerstechereien in der Ausgangs- und Partyszene angeführt.

Ein Messer zur Verteidigung

Eine Rolle spiele aber auch ein gewisser Nachahmer-Effekt, hält Lorenz Imbach fest. «Die Menschen beobachten die Entwicklungen in ihrer Szene und erhalten den Eindruck, dass sie sich schützen und somit bewaffnen müssen.» Dies hätten ihm verschiedene Messerstecher erzählt, über die er ein Gutachten erstellen musste, so Imbach. Diese Männer stammten meistens aus speziellen Milieus.

Gemäss Imbach könnte es auch sein, dass der menschliche Umgang aufgrund der aussergewöhnlichen Situation rund um das Coronavirus insbesondere in der Drogenszene harscher geworden ist. Dies könne damit zu tun haben, dass der Stoff auf dem Strassenmarkt wegen der geschlossenen Grenzen knapper wurde und das Konfliktpotenzial in der Folge gestiegen ist, so seine Überlegung.

Lockdown könnte Auswirkungen haben

Zudem habe der Lockdown laut Imbach bei vielen wohl zum Verlust von Strukturen geführt, die Konflikte sonst entschärfen können. «Oft feinden sich Personen und Gruppen in Chatrooms an. Dort fehlt ein Regulativ in Form von Personen, die nicht unter Gewaltfantasien leiden und allenfalls andere Optionen zur Konfliktlösung aufzeigen», erklärt Imbach. «Ein solches findet man in normalen Zeiten im persönlichen Umfeld ausserhalb der Foren.»

Fällt das, wie während des Lockdowns jedoch weg, könnten Konflikte schneller ausarten. Imbach: «Wenn man mit einer Person Streit hat, kann die Wut manchmal durch gutes Zureden seitens einer Vertrauensperson gemildert werden, was während des Lockdowns natürlich schwieriger wurde.» Dazu hätten sich die Unsicherheit und die Drucksituation gesellt, in welcher sich viele Menschen aufgrund der unklaren wirtschaftlichen Aussichten aktuell befänden.

Ob die Entwicklung in den kommenden Monaten ähnlich verläuft und ob die Zahl der Delikte wieder zurückgeht, ist laut Lorenz Imbach schwierig zu sagen. Einiges dürfte wohl damit zusammenhängen, wie rasch und inwiefern sich die Lage wieder normalisiert.

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19 Kommentare
  1. Oliver Heeb, 14.07.2020, 11:44 Uhr

    Dass die politische Orientierung von Journalisten in die Berichterstattung einfliessen kann, ist ein grundsätzliches Problem und ein Zeichen von unprofessionellem Handwerk. Dazu gäbe es die Rubrik des „Kommentars“ oder der „Meinung“. Es geht nicht nur um das, was geschrieben wird sondern auch um das, was in gewissen Zusammenhängen nicht geschrieben wird. Es liegt daher am Leser/in einen kritischen Geist walten, und sich nicht manipulieren zu lassen. Notabene gehört dazu auch die Fähigkeit, die eigene Subjektivität hinterfragen zu können. Man muss nicht mit allem einverstanden sein, was in Zentralplus wiedergegeben wird. Dazu gibt es ja auch diese Kommentarspalte, die sehr oft interessante Aspekte und Meinungen offenbart. Zentralplus hat ein modernes Format und stellt eine wertvolle Bereicherung der Zentralschweizer Presselandschaft dar. Wenn die ideologisch/politische Brille da und dort weniger spürbar wäre, wäre das sehr positiv. Aber wie gesagt: da müssen wir uns wohl alle an der Nase nehmen.

  2. Michi Weber, 11.07.2020, 14:00 Uhr

    Das kennt man ja von Trump und Konsorten. Frei von der Leber irgendwas erfinden, die Medien pauschal als Links bezeichnen und verunglimpfen und wenn man dann beim Lügen ertappt wird, nicht darauf eingehen und diese Strategie an einem anderen Ort anwenden. Nur kennt man inzwischen die Taktik dieser rechten Agitatoren und ihre Hetze.

    1. Andreas Peter, 11.07.2020, 14:49 Uhr

      Natürlich ist Z+ linksgrün (alias „urban“), das wird immer wieder deutlich.
      Vielleicht sind wir schon so weit, dass man als Journalist heute gar nicht mehr neutral sein darf.
      Das ist eine traurige Sache für die Demokratie.
      Aber ich finde, dass Z+ sich wenigstens bemüht, verschiedene Meinungen von Lesern zu veröffentlichen.
      Dafür eine dickes DANKESCHÖN!
      Wie stark zensiert wird, kann ich nicht beurteilen. Ich denke, wenn man sich nicht massiv im Ton vergreift, klappt es meistens mit der Veröffentlichung.

    2. Michi Weber, 11.07.2020, 15:28 Uhr

      @A. Peter: Ob Zentralplus Linksgrün ist, kann ich nicht beurteilen. Für mich sind sie einfach moderner als andere Zentralschweizer Medien. Mir sind unterschiedliche Meinungen wichtig und meine wenigen Kommentare wurden hier noch immer veröffentlicht, ganz im Gegensatz zu anderen Online-Plattformen, die nicht Genehmes rausfiltern.

  3. Villiger, 09.07.2020, 19:58 Uhr

    Es ist für mich ein Rätsel wieso meine Anregung nicht veröffentlicht wird.
    Ich gebe Herrn Hafen vollkommen recht, dass kritische aber absolut richtige Post nicht gebracht werden. Ist die Wahrheit Rassistisch, wenn es nur Ausländer betrifft, oder sogenannte Schweizer mit Migrationshintergrund die in Messerstechereien verwickelt sind.
    Zentralplus ist nicht an der Wahrheit interessiert, weil sie nicht genehm ist.

    1. Redaktion Redaktion zentralplus, 09.07.2020, 21:46 Uhr

      Welchen Beitrag meinen Sie? Ihr bisher einziger Kommentar wurde heute um 12.50 Uhr veröffentlicht und steht hier.

    2. Irene Aebi, 09.07.2020, 23:08 Uhr

      @Villiger: Ups, peinlich. Nach ihrer fast schon verleumderischen Beschuldigung ist wohl eine Entschuldigung fällig. Oder passt es nicht in Ihr Weltbild, wenn sich ein Medium offenbar nicht an Ihre Verschwörungstheorie hält?

    3. Tonald Drump, 10.07.2020, 10:45 Uhr

      Ein Schelm, wer denkt, dass Herr Hafen und Herr Villiger ein- und dieselbe Person sind! *smile*

      Ich finde jedoch, dass Zentralplus, im Vergleich zu anderen Online-Medien, sehr liberal mit den Lesermeinungen umgeht! Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, auch wenn man Zentralplus direkt und vielleicht etwas zynisch auf allfällige Unwahrheiten in einem Bericht anspricht, wird freundlich reagiert und geantwortet. Klar, diese Lesermeinung erscheint anschliessend nicht online, muss aber auch nicht, denn der Bericht wird mit einem Vermerk korrigiert. Vorbildlich, sowas habe ich noch bei keinem anderen Online-Portal erlebt.

  4. Villiger G., 09.07.2020, 12:39 Uhr

    Wenn das Geld für ein auffälliges Auto nicht reicht, wird das Selbstwertgefühl mit einem mitgebrachten Messer aufgepeppt.
    In über 90% der Fälle sind es Männer mit Migrationshintergrund, mit schwacher Bildung und ein fremdes Land trägt auch viel dazu bei, sich beweisen zu müssen.

    1. Martina Dosenbach, 09.07.2020, 13:09 Uhr

      Ist das einfach Ihr Gefühl, eine These, eine Behauptung oder sind das belastbare Zahlen? Haben Sie dafür eine Quelle? Vielen Dank

  5. Hans Hafen, 09.07.2020, 07:28 Uhr

    Kaum erwähnt man die kulturelle Prägung eines Menschen, wird man hier nicht veröffentlicht. Es bestätigt also durchaus meinen Verdacht, dass Z+ sich aus ideologisch motivierten Überlegungen hinter ihrer eigenen Nettiquette versteckt, diese missbraucht, damit andere Meinungen (nicht diffamierend, nicht hetzerisch, nicht unausgewogen, sogar wissenschaftlich belegt (nein, Gender studies ist keine Wissenschaft, nicht tendenziös, einer persönlichen Meinung zu Grunde liegend usw.) systematisch unterdrückt. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Presserat hinsichtlich des gestern Abend durch Hans Hafen erstellten Kommentars, nicht zu der Überzeugung gelangen würde, dass dieser nicht veröffentlicht werden darf! Eine Erklärung von Z+ wäre angebracht!

    1. Redaktion Redaktion zentralplus, 09.07.2020, 08:31 Uhr

      @Hans Hafen / Einhorn Schlachthaus: Wir veröffentlichen keine rassistischen Posts oder löschen diese. Ebenso bitten wir Sie, andere Kommentatoren nicht der Hetze und faschistoider Tendenzen zu bezichtigen. Dass andere Meinungen hier durchaus Platz finden und nicht wie von Ihnen behauptet systematisch unterdrückt werden, sehen Sie bei den anderen Kommentaren. Ansonsten steht es Ihnen selbstverständlich frei, an den Presserat zu gelangen.

    2. Hans Hafen, 09.07.2020, 09:07 Uhr

      @Z+: Beziehen Sie sich auf eine konkrete Textstelle des post und erläutern Sie, wo und weshalb der post resp. die Textstelle von Ihnen als rassistisch taxiert wurden. Einfach nur unkommentiert das Totschlagargument des Rassismus‘ als Schutzbehauptung vorzubringen reicht mir in diesem Fall nicht. Ich bitte um eine präzise Ausführung und nachvollziehbare Argumentation. Diese werde ich dann ebenfalls gerne dem Presserat zur Prüfung unterbreiten. Danke.

    3. Redaktion Redaktion zentralplus, 09.07.2020, 09:24 Uhr

      Sie werden verstehen, dass wir die Textpassagen, wegen derer wir den Post gelöscht haben, hier nicht wiederholen werden. Eine ausführlichere Stellungnahme werden wir dem Presserat nach Ihrer Eingabe gerne zukommen lassen.

    4. kapitän love, 09.07.2020, 11:12 Uhr

      @ hans hafen: 🤦‍♂️ bleiben sie fair, es ist nicht schwer❤️

  6. Tonald Drump, 08.07.2020, 23:08 Uhr

    Wenn wir uns schon nicht gegen ihre Aufnahme wehren können, so sollten wir jedoch alles daran setzen, dass wir sie zwingend und umgehend wieder ausschaffen können, sobald sie gegen unsere Werte und Gesetze verstossen. Wer sich nicht an unsere Regeln hält, soll auch nicht erwarten dürfen, dass wir für ihr Leben in ihrer Heimat verantwortlich sind.

  7. Oliver Heeb, 08.07.2020, 22:46 Uhr

    Es fanden bis jetzt 9 Messerattacken statt. Fragen stellen sich auch bei mir. Das einzige Beispiel im Artikel ist die Attacke eines Schweizers auf einen Sri Lanker. Das Beispiel scheint mir eher untypisch für die Situation in den letzten Wochen zu sein. Die meisten dieser Attacken fanden zwischen Ausländern statt. Warum wird das von Zentralplus nicht thematisiert? Der Versuch die Häufung dieser Attacken mit Covid-19 in Verbindung zu bringen erscheint mir eher als Ablenkung. Tendenzen, die sich in anderen europäischen Ländern schon lange zu klaren Mustern verfestigt haben, scheinen sich auch in Luzern langsam bemerkbar zu machen. Es wäre wünschenswert, wenn Zentralplus dazu eine umfassendere und differenzierte Berichterstattung zustande brächte.

  8. Daniel Müller, 08.07.2020, 22:38 Uhr

    Tja das kommt davon wenn man einen Lockdown verordnet und nicht an die psychischen Folgen denkt. Da kommt noch einiges auf uns zu.

  9. Silvan Studer, 08.07.2020, 20:49 Uhr

    „Diese Männer stammten meistens aus speziellen Milieus.“
    So kann man es umschreiben, wenn man nicht präziser werden möchte oder darf.

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