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Was beim tödlichen Reitunfall in Unterägeri schiefgelaufen ist
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Die Feuerwehr der Stadt Luzern hatte am Samstagabend trotz Sturmwarnung nicht viel zu tun. (Bild: Symbolbild zvg)

Hat die Einsatzleitzentrale geschlampt? Was beim tödlichen Reitunfall in Unterägeri schiefgelaufen ist

4 min Lesezeit 1 Kommentar 22.01.2019, 04:59 Uhr

Als Reaktion auf einen tödlichen Reitunfall hat der Zuger Kantonsrat Thomas Werner (SVP) eine Interpellation eingereicht. Die Antworten des Regierungsrats zeigen: Es gab bei der Alarmierung einen technischen Fehler. Doch dieser war nicht der Hauptgrund für den Zeitverlust. Klar ist: Der Vorfall hatte umgehend Konsequenzen.

Es war am 26. März vergangenen Jahres, als sich im Gebiet Chnodenrank in Unterägeri ein tragischer Reitunfall ereignete. Ein Mann wurde durch sein eigenes Pferd, das stürzte und danach bewusstlos auf dem Reiter liegen blieb, erdrückt.

Der Begleiter des verunfallten Reiters informierte umgehend über die Notfallnummer 117 die Einsatzkräfte und verlangte nach der Feuerwehr, um das bewusstlose Pferd so schnell wie möglich vom eingeklemmten Reiter zu heben.

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«Unlogisch und ineffizient»

Die Einsatzleitung informierte aber nicht die Feuerwehr Unterägeri, welche in rund fünf Minuten vor Ort gewesen wäre, sondern die Freiwillige Feuerwehr Zug (FFZ). Diese benötigte über 20 Minuten, um zur Unfallstelle zu gelangen. Inzwischen war der eingeklemmte Reiter verstorben.

«Mir wurde schon mehrmals zugetragen, dass sich die Feuerwehren aus den Bergregionen übergangen fühlen.»

Thomas Werner, SVP-Kantonsrat aus Unterägeri

So steht es in einem Vorstoss von Thomas Werner, dem Unterägerer SVP-Kantonsrat. Er reichte am 1. Mai eine Interpellation ein, da es aus seiner Sicht unlogisch und ineffizient erscheint, dass bei einem Unfall im Ägerital die FFZ und nicht die Feuerwehr Unterägeri oder Oberägeri alarmiert werden.

Werner wollte unter anderem wissen, wie die Alarmierungskette im Kanton Zug aussieht. Der Kantonsrat überwies die Interpellation zur Beantwortung an den Regierungsrat. Dieser lieferte nun Antworten auf die Fragen von Werner in Bezug auf die Einsatzkoordination von Polizei und Feuerwehr bei Notfällen im Kanton Zug. Schnell wird klar: Der tödliche Unfall hatte Konsequenzen.

In Bezug auf den Reitunfall gibt es in der Antwort eine entscheidende Passage: Müssen Personen und Tiere aus misslichen Lagen oder aus schwierigem Gelände […] geborgen und gerettet werden, sind spezielle Gerätschaften der FFZ gefragt.

Abläufe werden angepasst

Bis vor kurzem alarmierte die Einsatzleitzentrale der Zuger Polizei (ELZ) in solchen Fällen die Stützpunktfeuerwehr. Anschliessend wurde jeweils auch die zuständige Gemeindefeuerwehr aufgeboten. «Diese Abläufe werden gegenwärtig angepasst und teilweise automatisiert», so der Regierungsrat.

Im Oktober 2017 nahm die ELZ ein neues Alarmierungs- und Aufgebotssystem in Betrieb: «Mokos», welches auch eine Wegleitung mit sich brachte. Diese ist eine verbindliche Handlungsanweisung für die ELZ. Wie der Antwort des Regierungsrats zu entnehmen ist, schrieb die Wegleitung damals noch keine Alarmierung der Gemeindefeuerwehr vor. Und so blieb die Feuerwehr Unterägeri aussen vor.

«Es scheint, als musste zuerst etwas passieren, bevor man reagiert hat.»

Thomas Werner

Interpellant Thomas Werner ärgert sich. «Mir wurde schon mehrmals zugetragen, dass sich die Feuerwehren aus den Bergregionen übergangen fühlen. Es scheint, als würde man vor allem die FFZ fördern wollen.»

Die Alarmierung der Gemeindefeuerwehren war also nicht vorgeschrieben – ein Missstand, den auch die Verantwortlichen begriffen zu haben scheinen.

Umgehend reagiert

Das Feuerwehrinspektorat und die Zuger Polizei haben am Tag nach dem tödlichen Unfall reagiert und die Wegleitung dem neuen, gemäss «Mokos» vorgesehenen Standardprozess angepasst. Seither sei laut Regierungsrat sichergestellt, dass die ELZ bei Personenrettungen immer auch die jeweilige Gemeindefeuerwehr mitalarmiert.

Dies ist für Werner jedoch der einzig positive Aspekt an der Antwort des Regierungsrats. «Zufriedenstellend ist das nicht. Es scheint, als musste zuerst etwas passieren, bevor man reagiert hat.»

Der vorherige Missstand ist ihm immer noch ein Dorn im Auge. Der Unterägerer rechnet vor: «Wäre die Feuerwehr Unterägeri rechtzeitig informiert worden, wäre sie rund 15 Minuten eher an der Unfallstelle gewesen als die FFZ – zumal sie in diesem Gebiet auch bessere Ortskenntnisse hat als die FFZ.»

Alarmierung wurde unterbrochen

Wie nun klar wurde, lief aber auch bei der technischen Infrastruktur nicht alles wie gewünscht. Denn auf Seite der Zuger Polizei werden eingehende Notrufe nicht mittels «Mokos», sondern via Einsatzleitsystem «Avanti» bearbeitet. Die beiden Systeme sind über eine Schnittstelle verbunden, damit die Einsatzkräfte der Polizei, der Feuerwehren, Notorganisationen und des Zivilschutzes alarmiert werden können.

Auch da lief am 26. März 2018 nicht alles reibungslos. Denn auf der ELZ sei bei besagter Schnittstelle erstmals ein technischer Fehler aufgetreten. Dieser habe zu einem Unterbruch des Alarmierungsvorgangs geführt.

Aus dem Ablaufsprotokoll geht hervor, dass dieses Problem rund zwei Minuten kostete. Der Fehler sei danach umgehend behoben worden und seither funktioniere die Schnittstelle einwandfrei.

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1 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 22.01.2019, 13:45 Uhr

    Das ungenügende Notfallprozedere ist ein weiterer Tolggen im Reinheft des “stillen Schaffers” Beat Villiger, welcher der Sicherheitsdirektion vorsteht.

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