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Was 2017 in Zug nicht passieren wird
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Kein Interregio-Halbstundentakt, keine Steuererhöhung, keine lustige Fasnacht: Das prognostizieren wir dem Kanton Zug 2017. (Bild: Montage wia )

Kaffeesatzlesen mit zentralplus Was 2017 in Zug nicht passieren wird

5 min Lesezeit 03.01.2017, 05:55 Uhr

Bevor man uns den Vorwurf macht: Ja, nun folgt ein Exkurs in Kaffeesatzlesen. Denn wir erzählen Ihnen frei heraus, was in Zug im 2017 nicht passieren wird. Etwa eine Steuererhöhung. Oder eine bessere Fasnacht. Und schon gar keinen weiteren Schnellzughalt in Rotkreuz.

Wenn sich Politiker nicht zu einem möglichen Zukunftsszenario äussern mögen, begründen sie das häufig mit der Aussage: «Das wäre ja Kaffeesatzlesen, wenn ich Ihnen dazu was sagen würde!» Und wenn sie damit auch nicht Unrecht haben, so ist das für die Journalisten dennoch ernüchternd. Darum haben wir beschlossen, genau das zu machen. Wir tischen Ihnen unsere persönliche Kaffeesatzlesung auf. Ob unsere Prophezeiungen fürs Jahr 2017 tatsächlich nicht eintreffen, wird uns nur die Zukunft verraten.

Die Zuger Fasnacht wird nicht besser.

Nein, im Gegenteil. Sie scheint viel mehr immer angestrengter zu werden. Die Baarer Bälle sind häufig unterbesucht, das Treiben an der Chesslete bleibt eine deprimierende und etwas bemühte Geschichte. Wer richtig auf den Putz hauen will, schnappt sich sowieso den nächsten Zug nach Luzern, während alle anderen im Bett liegen und sich darüber freuen, dass es auf dem Landsgemeindeplatz so leise ist.

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In die Zuger Hauptpost zieht keine lässige Zwischennutzung ein.

Die Zuger Hauptpost ist zwar schon längst am neuen Ort, das hübsche Gebäude am Postplatz wird seither eher stiefmütterlich behandelt. Und der Entscheid der Post, welche Inhaberin des Gebäudes ist, lässt seit geraumer Zeit auf sich warten. Alle Hoffnungen, dass im Hauptpostgebäude eine kreative, bunte Zwischennutzung entsteht, flauen langsam ab. Stellt sich die Post in Zukunft ebenso träge an wie derzeit, werden wohl einzig die Hausgeister während der kommenden Zeit ihren Spass im alten Postgebäude haben. 

Es wird kein Baarer Asylzentrum geben.

Das geplante Asylzentrum mitten in Baar hat kantonsweit für Tumult gesorgt. Noch immer liegen beim Kanton einige Beschwerden auf dem Tisch. Und die SVP hat bereits auf Vorrat gedroht, den Fall weiterzuziehen, sollten die Beschwerden abgewiesen werden. Nach aktuellem Wissensstand kann man also ungeniert behaupten, dass der Spatenstich für das geplante Baarer Asylzentrum 2017 nicht vonstatten geht.

Heinz Tännler wird nicht Däumchen drehen.

Dem Zuger Finanzdirektor und Schwingfest-Präsidenten Heinz Tännler wird dieses Jahr nicht langweilig werden. Ganz im Gegenteil. Tännler wird schwer beschäftigt sein: Mit dem Bändigen der hauseigenen Finanzkrise. Mit den Vorbereitungen fürs «Eidgenössische», das 2019 Abertausende Schwingfreunde ins Hertigebiet locken wird. Und auch mit dem Umsetzen der Unternehmenssteuerreform III (USR III), welche im Frühjahr 2017 vors Volk kommt und die Zuger Wirtschaft und damit auch die Steuersituation massgeblich beeinflussen wird.

Die Zuger Piraten treten nicht plötzlich ins Licht.

Wie Maria zum Kind kamen die Zuger Piraten 2016 zu einem Sitz im Kantonsrat. Der wurde jedoch nicht mittels Volkswahl erreicht. Jolanda Spiess wechselte innerhalb der Legislatur von Grün auf Totenkopf, und der unverhofft errungene Kantonsratssitz ist nun, nach Spiess’ Austritt, schon wieder passé. Und obwohl die Piraten äusserst hartnäckig sind und sich für alles zur Wahl stellen lassen, was es halt so zu wählen gibt, wird’s auch dieses Jahr nix werden. Die Piraten werden sich 2017 mit ihrer bisherigen Methode zufriedengeben müssen, was bedeutet, dass sie auch weiterhin im Guerillamodus um Aufmerksamkeit buhlen werden.

Es gibt keine Steuererhöhung.

Die Zuger Bevölkerung hat im Herbst Nein gesagt zum zweiten Zuger Entlastungspaket. Mittlerweile dürfte es den meisten Politikern und auch der Bevölkerung also bewusst sein: Um den Kanton wieder auf die rechte finanzielle Bahn zu lenken, wird eine Steuererhöhung immer wahrscheinlicher – das hat selbst Heinz Tännler nun eingesehen. Noch werden jedoch andere Möglichkeiten ausgeschöpft. Kurz nach der Abstimmung hat der Zuger Regierungsrat nämlich bereits ein neues, etwas kleineres Sparpaket in Aussicht gestellt. Dieses neue Entlastungspaket, ohne die heiklen Punkte, wird wohl vom Kantonsrat gutgeheissen, ein Referendum wird es kaum geben. Damit sind die Gemüter vorläufig besänftigt. – Eine Steuererhöhung bleibt vorerst aus.

Ivo Romer kommt nicht ungeschoren davon.

Für den früheren Zuger Stadtrat Ivo Romer, der im Juli 2016 wegen verschiedenster Delikte, unter anderem Veruntreuung, Betrug und Geldwäscherei, vor Gericht kam, dürfte es eng werden. Die Staatsanwaltschaft Zug fordert eine Freiheitsstrafe von fast sieben Jahren, die Beweislast ist erdrückend, das Dossier zum Fall äusserst umfangreich. Offen ist einzig die Frage, wie lange Romer wohl hinter Gitter muss. 

Die hiesigen Grosskonzerne werden sich nicht vom Acker machen.

Am Zuger Finanzhimmel braut sich bereits seit geraumer Zeit ein Gewitter zusammen. Es rumort, man spricht bereits offen über Steuererhöhungen. Und dann kommt auch noch diese ominöse USR III. Wenn die angenommen wird, verschwinden die Steuerbegünstigungen für internationale Firmen. Bleibt also bald nur noch leeres Gemäuer, wo heute Glencore und Johnson & Johnson stehen? Wohl kaum. Die Vorteile, die den internationalen Firmen entrissen werden, sollen nämlich genau aus diesem Grund mit anderen Steuererleichterungen, etwa Patentboxen oder Eigenkapital-Zinsabzügen wettgemacht werden. Und was ist mit den drohenden Steuererhöhungen? Werden diese nicht wie ein rotes Tuch auf hiesige Firmen wirken? Womöglich. Doch solange diesbezüglich noch keine konkreten Pläne stehen, macht es für Unternehmen kaum Sinn, abzuwandern. 2017 wird darum nicht als Jahr des grossen Firmen-Exodus in die Annalen eingehen.

Die SUV-Dichte wird nicht abnehmen.

In Zug wimmelt es nur so von Offroadern. Porsche Cayenne hier, BMW X3 da. Tendenziell werden diese «Chläpfe» von Expats gefahren, von denen es in Zug ja bekanntlich viele gibt. Und weil unserer Prognose nach die grossen Firmen nicht von dannen eilen und damit auch die Expats bleiben und weil sich Elektroautos noch nicht wirklich durchgesetzt haben, wird auch die Offroader-Dichte nicht abnehmen.

Und ausserdem:

Auch 2017 steht womöglich der eine oder andere Rotkreuzer – womöglich ein IT-Student – auf dem Bahnhofperron, um den Interregio nach Luzern oder Zürich zu nehmen: In der Hoffnung, dass dieser doch endlich halten möge. Aber das wird er nicht tun, der Zug. Wird erbarmungslos weiterbrettern und wie gehabt nur einmal pro Stunde und Richtung anhalten. Hochschule hin oder her, der halbstündliche Interregio-Halt in Rotkreuz wird auch 2017 ausbleiben.

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