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Warum Zug nun um ein Open Air ärmer ist
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Ist guten Mutes: Pascal Bühler, Organisator des Silo'16-Festivals vor dem «Kunsthaus». (Bild: wia)

Silo-Festival wird 2018 auf Eis gelegt Warum Zug nun um ein Open Air ärmer ist

4 min Lesezeit 19.01.2018, 09:49 Uhr

Die letzten beiden Jahre war das Zuger Auenland zwischen Hünenberg und Mühlau Schauplatz eines kleinen Stücks heiler Hippiewelt. Denn jeweils Ende Mai fand dort das Silo-Festival statt. Dieses gehört nun jedoch der Vergangenheit an. Weshalb kam das Aus? Und gibt es Hoffnung auf ein Comeback?

Die Impressionen sind immer noch so präsent, als wäre es vor ein paar Tagen gewesen: die Tipis, Gebetsfahnen, Heuballen und natürlich die Musik von Troimer oder Loco Escrito. Dazu die langsam untergehende Sonne im Gesicht. Sobald man zurück im Alltag war, freute man sich bereits auf die Ausgabe 2018 des Silo-Festivals.

Doch eine solche wird es nicht geben. Im Auenland wird es dieses Jahr also still bleiben. Keine Blumenkleider, Essensstände und Gitarrenmusik. zentralplus hat bei OK-Präsident Pascal Bühler nachgefragt, weshalb das Festival, das durch seine handyfreie Zone bekannt geworden ist, vorerst auf Eis gelegt wurde.

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Standort gab den Ausschlag

Eines nimmt Bühler gleich vorweg: «Es waren nicht die Zahlen, die den Ausschlag gegeben haben.» Diesbezüglich seien die Erwartungen erfüllt worden. «Vor allem nach der ersten Ausgabe 2016 haben wir einen schönen Batzen auf die Seite legen können.» Im Vorjahr sei der finanzielle Aufwand etwas höher gewesen, da beispielsweise das Angebot im Gastrobereich ausgebaut wurde. So gab es denn im Backstage-Bereich eine richtige Küche. «Trotzdem sind wir finanziell rausgekommen. Wir konnten eine satte Null schreiben», so der Hünenberger.

«Uns ging es nicht primär um Acts mit grossen Namen.»

Pascal Bühler, OK-Präsident Silo-Festival

Vielmehr sei der Standort ein Grund gewesen, weshalb das Silo-Festival jetzt zumindest eine Pause einlegt. So ganz in die Karten blicken lässt sich Bühler jedoch nicht. «Wir möchten die Sache lieber intern behandeln. Der bisherige Standort stellt jedoch keine Option mehr dar.»

Entweder ganz oder gar nicht

Er räumt ein, dass es natürlich schwierig geworden wäre, einen adäquaten Ersatzstandort zu finden. Jedoch wollte Pascal Bühler eine Ausgabe 2018 auch nicht um jeden Preis durchführen. «Entweder bin ich mit 120 Prozent Überzeugung bei der Sache mit dabei oder ich lasse es ganz bleiben.»

Da intern ein paar Dinge nicht mehr gepasst hätten, lag der Entscheid nahe, das Projekt Silo’18 ruhen zu lassen. «Lieber schaue ich auf zwei erfolgreiche Durchführungen zurück, als etwas zu erzwingen, mit dem ich mich nicht identifizieren kann.»

Hier war er noch trocken: der Zeltplatz am Silo-Festival. (Bild: Laura Livers)

Werden die Zelte des Silo-Festivals künftig woanders aufgeschlagen? (Bild: Laura Livers)

Auch müsse man sich fragen, wie viel Energie man aufwenden wolle für die Organisation und Durchführung eines Festivals. Bühler dazu: «Wenn von insgesamt vier Wochen Ferien im Jahr zwei bis drei davon für das Festival draufgehen, ist dies schon auch eine gewisse Belastung.»

Wohnen auf dem Festivalgelände

Vor allem die letzten zwei Wochen vor dem Open Air seien jeweils enorm intensiv gewesen: «Wir haben zu dieser Zeit praktisch auf dem Festivalgelände gewohnt.» Grund dafür sei auch die relativ geringe Zahl von freiwilligen Helfern gewesen. Diesbezüglich zeigt sich Bühler jedoch selbstkritisch: «Es wäre sicher auch an uns gelegen, mehr in diesen Bereich zu investieren.»

Entsprechend ungewohnt sei auch die Ruhe gewesen, nachdem das Festival wieder seine Tore geschlossen hatte und das Gelände wieder im Originalzustand war – soweit dies nach einem Festival eben möglich ist. Bühler erzählt: «Man hat ständig das Gefühl, dass noch etwas Unerledigtes ansteht. Diese Ruhe danach und das Zurückschauen auf ein echt geiles Festival ist ein ganz spezieller Moment.»

Der Traum von Paolo Nutini

Was machte Bühlers Meinung nach das Silo-Festival aus? «Uns ging es nicht primär um Acts mit einem grossen Namen, obwohl ich natürlich auch gerne einen Musiker wie Paolo Nutini verpflichtet hätte.» Finanziell wäre dies jedoch nicht zu realisieren gewesen. «Vielmehr ging es um ein in sich stimmiges Gefühl. Dazu gehören die Lage auf dem Land, die Tipis, die Foodstände. Oder die Massage- und Tätowiermöglichkeiten.»

«Falls es eine Rückkehr gibt, dann auf jeden Fall unter demselben Namen und im selben Stil.»

Dass das Festivalgelände einigermassen «ab vom Schuss» war, sieht Bühler nicht als Problem. «Einerseits war das Gelände mit dem Auto oder Fahrrad leicht erreichbar. Andererseits gab es die Shuttle-Busse ab Cham.» Vielmehr hätte die ländliche Lage zum Motto gepasst.

Für Zuger Hippies gibt es Hoffnung

Was blieb aus zwei Jahren Silo-Festival besonders hängen bei Pascal Bühler? «Das war auf jeden Fall der Sturm bei der ersten Austragung; bereits gut eine Stunde nach Türöffnung. Da haben wir erwartet, dass nun das ganze Gelände dem Erdboden gleichgemacht wird.» Als OK-Präsident sei ihm im Moment der Evakuierung auch die Verantwortung gegenüber den Besuchern so richtig bewusst geworden.

Troimer liessen uns letztes Jahr tanzen:

Besteht also die Möglichkeit, dass wir 2019 ein Comeback des Silo-Festivals erleben dürfen? «Es ist noch unklar, ob es nächstes Jahr wieder ein Silo-Festival geben könnte. Falls es eine Rückkehr gibt, dann auf jeden Fall unter demselben Namen und im selben Stil. Nur eben an einem anderen Standort.» Es sei auch mit dem Gedanken gespielt worden, ein «Silo-Revival» in der Galvanik durchzuführen. Bühler arbeitet dort als Barchef. Schlussendlich wurde die Idee jedoch verworfen.

Für Zuger Hippies gibt es also noch Hoffnung. Die John-Lennon-Gedächtnissonnenbrillen und Blumenröckchen müssen vielleicht doch nur einen Sommer lang verstaut werden.

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