Leserbrief zum Wohnungsmangel in Zug Warum wird ein Expat bei der Vergabe einer günstigen Wohnung bevorzugt?

2 min Lesezeit 23.08.2017, 15:58 Uhr

Viele Leute mit Wurzeln in Zug sind auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum – viele davon alleinerziehende Frauen. Leserin Kathi Derendinger aus Zug erlebte, wie ihnen ein englischsprachiger Expat vorgezogen wurde, der nicht Deutsch kann. Sie hat sich einige Gedanken gemacht.

Man findet ihn noch in Zug: den zahlbaren Wohnraum. Im Guthirthof gab ich meine bezahlbare 3-Zimmer-Wohnung frei. Da ich ausserterminlich auszog, ging ich auf die Suche nach Nachmietenden. Innert sehr kurzer Zeit meldeten sich viele Interessierte, wobei es sich um viele alleinerziehende Frauen mit Kindern handelte. Ideal schien die Wohnung für dieses Lebenskonzept mit genügend Platz und Schulen in direkter Umgebung zu sein. Alles Menschen, die in Zug ihre Wurzeln haben und angewiesen sind, auf etwas lebenswerten Wohnraum, den man sich leisten kann.

In Zug inzwischen eine erwähnenswerte Herausforderung. Während zwei Wochen zeigte ich beinahe täglich meine Wohnung und alle haben das Anmeldeformular an die Verwaltung geschickt.

Konversation auf Englisch

Eigentlich hätte ich zufrieden sein können. Doch während dem laufenden Bewerbungsprozedere kam eine Vertreterin der Eigentümerin dieser Liegenschaft in die Wohnung, begleitet von  einem ebenfalls interessierten Nachmieter. Mir wurde unmissverständlich erklärt, dass dies definitiv der neue Nachmieter dieser Wohnung ist.

Nun gut: unmissverständlich war es erst einige Handzeichen und Umschreibungen später. Die Konversation musste auf Englisch wechseln, da der nun potenzielle Nachmieter der deutschen Sprache nicht mächtig war.

Für Leute mit Wurzeln in Zug nicht mehr zugänglich

Ich solle alles aus der Wohnung räumen, da der Gast mit eigenen Containern hier anreise. Der englisch sprechende Nachmieter, sei langjähriges Mitglied der englischsprachigen Gemeinde Good Shephard’s, hiess es als Erklärung.

Rechtlich gesehen ist nichts einzuwenden, die Eigentümerin kann mit der eigenen Liegenschaft machen, was sie will. Moralisch gesehen, finde ich es fragwürdig, da es sich bei der Eigentümerin um eine kirchliche Institution handelt. Sozial verträglicher Wohnraum stand früher auf deren Fahne. Sozial verträglich sind die Wohnungen noch immer, aber nicht mehr für Menschen zugänglich, die darauf angewiesen und bereits in Zug verwurzelt sind.

Sprache lernen ist eine Frage des Respekts

Und ganz ehrlich: wie kann man aus dem guten alten Guthirt-Quartier Good Shephard’s machen? Soll das so mit der Stadt Zug weitergehen? Sollen nun alle Quartiernamen oder Platznamen in Zug einer englischen Reform unterzogen werden? Gehen wir da mit unserer Toleranz nicht einfach zu weit?

Ich persönlich bin ein offener Mensch und lebte selber viele Jahre im Ausland. Aus Respekt habe ich stets die Sprache gelernt, die zum jeweiligen Land  gehörte. Wir sollten das auch von unseren englisch sprachigen Gästen verstärkter verlangen. Ein Dialog führt immer in beide Richtungen und für unsere Richtung sollten wir energischer einstehen, mit offenem Herzen und mit Stolz auf unsere Traditionen.

Katharina Derendinger, Zug

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