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Warum vom ZVB-Bus nur die Rücklichter zu sehen sind
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Seit Dezember 2017 gilt der neue Fahrplan: Manche Anschlusszeiten der ZVB-Busse sorgen für rote Köpfe. (Bild: Jürg Küng)

Ammannsmatt: Kein Anschluss – wegen Sparprogramm Warum vom ZVB-Bus nur die Rücklichter zu sehen sind

4 min Lesezeit 20.02.2018, 13:35 Uhr

In Zug müssen Busfahrgäste zumeist 15 Minuten auf den nächsten Bus warten – weil die eine Linie gerade abfährt, wenn die andere die Haltestelle erreicht. Die Rede ist von der Ammannsmatt in Zug. Begründung der ZVB: Es handle sich nicht um einen «geplanten Anschluss».

Der Buspassagier ist gerade mit dem 7-er-Bus aus dem Chamerried an der Haltestelle Ammansmatt eingetroffen. Der Bus ist pünktlich zur Viertelstunde. Das müsste eigentlich perfekt reichen, um die Buslinie 36 noch zu erwischen und nach Baar zum Bahnhof weiterzufahren. Der 36-er steht ja auch schon da.

Buslinie 8 gibt es nicht mehr

Doch kaum hat der Buspassagier den Türknopf gedrückt und ist die Treppe des 7-er Busses hinabgestiegen, da blinkt besagter anderer Bus und biegt schon wieder zur Weiterfahrt in die Steinhauser Strasse ein. Er sieht nur noch die Rücklichter des Busses. Nun muss er 15 Minuten warten, bis der nächste Bus eintrifft.

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Seit Dezember letzten Jahres gilt der neue Fahrplan der ZVB. Dieser hat zwar für manche Buslinien Verdichtungen gebracht und an Sonn- und Feiertagen sogar den Viertelstundentakt (wie auf der Linie 6 und 11). Für andere Buspassagiere ist der Fahrplanwechsel dagegen nicht unbedingt ein Segen – weil die neuen Anschlusszeiten mancher Buslinien der ZVB für rote Köpfe sorgen.

Insbesondere, nachdem die Linie 8 von Baar über Steinhausen nach Cham und Rotkreuz aufgehoben wurde und nun nur noch ein geteilter Service auf dieser Strecke angeboten wird.

Hier liegt die Bushaltestelle Ammannsmatt.

Hier liegt die Bushaltestelle Ammannsmatt.

(Bild: zvg/google map)

Grund für die Kappung der Linie ist, wie die «Zuger Woche» vor kurzem berichtete, dass die Buslinie 8 wegen der langen Linienführung und dem hohen Verkehrsaufkommen regelmässig Verspätungen aufwies. Doch der jetzige «Streckensplit» ist nicht viel besser. Weil einem eben die Anschlussbusse vor der Nase wegfahren.

Denn, wie gesagt: Wer die Linie 7 (Cham-Chamerried-Zug) benützt, muss zwangsweise bei der Haltestelle Amannsmatt umsteigen, um mit dem Bus der Linie 36 (Steinhausen Sennweid-Baar Bahnhof) nach Baar weiterzufahren. Und obwohl beide Busse jeweils zur vollen Viertelstunde an der Haltestelle Amannsmatt stoppen, verpasst man den Anschluss. Weil der eine Bus eben genau dann losfährt, wenn der andere Bus kommt. Und das nicht etwa, um Platz zu machen: Die Haltestelle ist ja gross genug für zwei Busse.

«Bei den erwähnten Linien handelt es sich nicht um einen geplanten Anschluss.»

Kathrin Howald, Mediensprecherin der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB)

Dass der Bus einem vor der Nase wegfährt, passiert einem übrigens an der gleichen Haltestelle auch, wenn man mit dem Bus der Linie 16 von Steinhausen kommend bei der Ammannsmatt auf den 36-er Bus umsteigen will.

Wie ist dieser Fahrplanirrsinn also zu erklären? Und kann man an diesen Missständen nichts ändern? Die Antworten der ZVB klingen ernüchternd.

«Bei den erwähnten Linien handelt es sich nicht um einen geplanten Anschluss», sagt Kathrin Howald, Mediensprecherin der Zugerland Verkehrsbetriebe. Das Fahrpersonal sei darum angehalten, den Fahrplan einzuhalten und damit die Transportkette zu sichern.

Das kantonale Entlastungsprogramm ist schuld an der Misere

«Wenn möglich, werden Bus-Bus-Verbindungen auf dieser Strecke von der ZVB nach Möglichkeit sichergestellt. Eine durchgehende Gewährleistung dieser Anschlüsse hätte aber einen deutlich höheren Kostenaufwand zur Folge, da mehr Busse eingesetzt werden müssten.»

Die Fahrplananpassungen im Dezember 2017 seien stark durch das kantonale Entlastungsprogramm geprägt, so die ZVB. «Die vom Kanton geforderten Kosteneinsparungen haben einen direkten Einfluss auf das Busangebot und sind von der ZVB umzusetzen. Daher hat es auch Massnahmen gegeben, welche nicht nur zum Vorteil der Kundinnen und Kunden sind», räumt Howald ein.

Die ZVB-Fahrpläne seien zudem an den Bahnhöfen auf die An- und Abfahrtszeiten auf die SBB-Fahrpläne abgestimmt. Die Busse müssten die Züge am Bahnhof abwarten und/oder ihre Zubringeraufgabe rechtzeitig erfüllen. «Die Anschlüsse Bus-Bus unterliegen somit einer gewissen Zufälligkeit.»

Nur untergeordneter Anschluss

Auch auf dem kantonalen Amt für öffentlichen Verkehr ist man sich bewusst, dass die jetzige Situation an der Haltestelle Amannsmatt nicht besser ist als früher, als eben der «Achter» noch von Baar über Steinhausen und Cham nach Rotkreuz gondelte – was schon fast einer «Greyhound»-Überlandbusverbindung quer durch den Kanton gleichkam.

«Würden wir jetzt an den Anschlusszeiten an der Amannsmatt etwas ändern, hätte das sofort Auswirkungen für andere Anschlüsse.»

Hans-Kaspar Weber, Leiter kantonales Amt für öffentlichen Verkehr

Im Gegenteil. «Doch zum einen ist dieser Anschlussbus an der Ammannsmatt kein gesicherter Anschluss», sagt Hans-Kaspar Weber, Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr im Kanton Zug. Zum anderen sei es eine untergeordnete Strecke. Denn man könne auch mit einem direkten Bus von Steinhausen nach Baar fahren. Und aus dem Chamerried würden mehr Personen nach Zug als nach Baar fahren.

«Würden wir jetzt an den Anschlusszeiten an der Amannsmatt etwas ändern, hätte das sofort Auswirkungen für andere Anschlüsse», so Weber. Entscheidend sei aber, dass der «Siebener» den Anschluss an den Zuger Bahnhof einhalten könne. «Im Übrigen sind bei uns keine Reklamationen von Fahrgästen zur Situation in der Amannsmatt eingegangen.»

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