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Warum sonntags in Zug immer tote Hose herrscht
  • Gesellschaft
Nicht nur im «Topas» tobt freitag- und samstagabends der Bär. Auch in anderen Clubs gibt es viele Partygänger. (Bild: partyguide.ch)

Freitag top, Sonntag flop: So geht Zugs Wochenende Warum sonntags in Zug immer tote Hose herrscht

6 min Lesezeit 20.10.2018, 04:51 Uhr

Das Wochenende in Zug scheint in Rituale aufgesplittet: Am meisten ist am Freitag los, am wenigsten am Sonntag. Dazwischen kommen Ökihof, Autowaschanlage, Einkaufen, Joggen. Dass dem so ist, hat auch etwas mit Dichtestress zu tun.

Wer am Sonntagnachmittag auf der Zuger Uferpromenade bei schönem Wetter spazierengeht, trifft viele Leute. Diese sind meistens allerdings keine Zuger, sondern kommen von auswärts. Nur: Wohin verschlägt es eigentlich den typischen Zuger – wenn er sonntags sogar schon seine Paradeplätze meidet?

«Dichtestress an der Uferpromenade»

«Viele Zuger scheuen am Sonntag die Uferpromenade, weil dort zu viel los ist. Das hat etwas mit Dichtestress zu tun», sagt Urs Raschle. Der Zuger Politiker ist nicht nur CVP-Stadtrat, sondern auch gebürtiger Zuger und hat jene «DNA» verinnerlicht – welche die typische Denke eines Zuger ausmacht.

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«Fürs Brunchen muss man manchmal sogar reservieren.»

Urs Raschle, Ur-Zuger

Raschle bricht dennoch eine Lanze für den Zuger Sonntag. So wenig sei da gar nicht los – wie da oft kolportiert werde – wenn man zum Beispiel sehe, wie viele Zuger sich inzwischen mit ihren Familien morgens zum Brunchen in den vielen Cafés und Bäckereien tummeln. Oder im Parkhotel. «Fürs Brunchen muss man manchmal sogar reservieren, sonst bekommt man keinen Platz mehr», berichtet der 41-Jährige.

Geht gerne auf Events und sonntagmorgens zum Brunchen: Stadtrat Urs Raschle.

Geht gerne auf Events und sonntagmorgens zum Brunchen: Stadtrat Urs Raschle.

(Bild: wia)

Allerdings – nach 14 Uhr scheint Zug dann tatsächlich auszusterben. Die meisten Cafés machen zu. Nur wenige Restaurants haben geöffnet: Am Landsgemeindeplatz der «Löwen» und die «Platzmühle». Das Café Plaza am Postplatz etwa, das unter der Woche pulsiert, hat dagegen auch nicht geöffnet.

Viele Cafés und Restaurants haben am Sonntag zu

«Am Sonntag aufzumachen, würde sich nicht rentieren», sagt Plaza-Geschäftsführer Jonny Azizi. Auch bekomme er sonntags so gut wie kein Personal. «Und einen Tag in der Woche muss ich ja meinem Personal freigeben.» Er habe aber schon darüber nachgedacht, ob er es mal am Sonntag versuchen solle. Es müsse sich natürlich rechnen. Mit Kaffee allein komme man da nicht weit.

«Ich finde es betrüblich, dass sonntags so wenig läuft», bedauert Matthias Luchsinger. Der Event-Manager, der mit seinem Genuss-Film-Festival in Zug auch im Frühjahr wieder einen grossen Erfolg feierte (zentralplus berichtete), kann es gar nicht verstehen, dass so viele Cafés sonntags nicht geöffnet haben – wenn man sehe, wie es am selben Tag vergleichsweise in Zürich am Bellevue pulsiere.

Matthias Luchsinger organisiert mit Erfolg das Zuger Genuss-Film-Festival. Er findet das sonntägliche Angebot etwas «betrüblich».

Matthias Luchsinger organisiert mit Erfolg das Zuger Genuss-Film-Festival. Er findet das sonntägliche Angebot etwas «betrüblich».

(Bild: mbe.)

Doch Zürich ist eine Grossstadt. Und klar, am Sonntag fehlen die vielen Geschäftsleute, die Zug werktags zum Swingen bringen.

«Vielleicht ist Zug tatsächlich noch etwas provinziell.»

Matthias Luchsinger, Genuss-Film-Festival-Manager

Matthias Luchsinger meint deshalb: «Vielleicht ist Zug tatsächlich noch etwas provinziell. Ausserdem muss natürlich auch eine entsprechende Nachfrage schaffen», sagt er. Zur Ehrenrettung von Zug weist er daraufhin, dass es in Zug über den Sommer hinweg viele Events gebe, die zahlreiche Leute anziehen: Zug Sports, das Seefest, Schwimmfest, Gluscht. Und und und.

Ab in die Natur

Viele Zuger gehen natürlich am Sonntag bei schönem Wetter einfach in die Natur. Sind am und auf dem See. An der Lorze. Auf dem Zugerberg oder in den Wäldern – zum Spazieren.

Am Samstag läuft es in Zug übrigens ebenfalls sehr traditionell und ritualisiert ab. Ökihof. Autowaschanlage. Einkaufen. Joggen. «Viele hocken am Samstagabend an den Zugersee – jung und alt», sagt Raschle. Nicht zu vergessen seien die zahlreichen Zuger Kulturhäuser, in denen immer etwas laufe.

Publikumsmagnet: Die Sonnenuntergänge am Zugersee.

Publikumsmagnet: Die Sonnenuntergänge am Zugersee.

(Bild: lob)

Und da spielt ja noch der EVZ, zu dem samstagabends bei Heimspielen gut 7’000 Zuschauer in die Bossard-Arena pilgern. Raschle: «Der Samstagabend ist für viele einfach auch der klassische Familienabend, an dem man beispielsweise zuhause zu Abend isst oder mit Freunden grilliert.»

«Am Samstag haben wir zu, weil ja dann keine Zuger mehr hier sind.»

Mitarbeiterin, Pier 41

Bleibt der Freitagabend. Und da steppt wirklich in vielen Clubs, Bars und Restaurants der Bär. Hauptgrund: Freitagabends endet die Arbeitswoche, und viele Zuger feiern im wahrsten Sinne des Wortes den Feierabend. Mit Afterwork-Parties beispielsweise. Oder Afterwork-Apéros – der kleineren Form der geselligen und feuchtfröhlichen Vergnügung.

In den Clubs läufts freitags und samstags gut

«Am Freitagabend kann es sein, dass bei uns 200 Leute im Lokal sind», erklärt eine Mitarbeiterin des Pier 41. Auch der Mittwoch und Donnerstag würden sehr gut laufen. «Am Samstag haben wir dagegen zu, weil ja dann keine Zuger mehr hier sind», sagt sie – und meint damit die vielen Geschäftsleute und Wochenaufenthalter, die samstags nicht mehr in Zug weilen.

Afterwork-Apéros sind freitagabends nach Feierabend in Zug sehr populär.

Afterwork-Apéros sind freitagabends nach Feierabend in Zug sehr populär.

(Bild: flickr.com)

Ähnliches gilt für die Weinbar «Platzhirsch» im Zug. «Unser Lokal ist freitagabends gut besucht, samstags ist es dann eher ruhiger», sagt eine Angestellte.

«Zuger sind eher ein urchiges Publikum.»

Enea Nofetti, Lounge & Gallery

Im «Topas», in der «Lounge & Gallery» und im «Chicago» boomen freitagabends von 20 beziehungsweise 22 bis vier Uhr morgens die Besucher. Wobei sich in den Clubs auch am Samstagabend offenbar viele Partygänger tummeln.

«Wir hatten am letzten Samstag rund 750 Gäste», sagt Enea Nofetti, Geschäftsführer der «Lounge & Gallery». Samstags laufe es sehr gut und freitags immer besser. «Zu uns kommen recht viele Zuger, weil sie die persönliche Atmosphäre bei uns schätzen – man kennt sich», so Nofetti.

Chancen trotz Luzern und Zürich

Der Club auf dem Siemens-Areal existiert schon seit 2003. «Zuger sind eher ein urchiges Publikum und schätzen unsere Events – wie die Malle-Party, die ü30-Party oder auch das Oktoberfest und die Halloween-Party», sagt der Club-Manager. Auch gebe es keine aggressive Security.

Man könne ohne weiteres gegenüber Zürich und Luzern bestehen – zumal in Luzern gerade die Tanzflächen immer leerer würden. Nofetti: «Züri ist sicher ein gutes Pflaster – aber bei uns wird nicht jeden Tag Techno und HipHop gespielt.» In Zug sei allerdings der Markt inzwischen gesättigt.

Bleibt zu wissen, was Zuger eigentlich noch so am Sonntagabend so treiben. «Tatort schauen und dann ins Bett», sagt Urs Raschle.

«Natürlich ist Zug nicht die Partymetropole der Schweiz»

Wie schätzt Zug Tourismus die Ausgangsrituale der Zuger ein? Geschäftsführer Nicolas Ludin gibt Antworten.

zentralplus: Herr Ludin, man sagt, in Zug sei der Freitagabend Ausgangstag Nummer eins. Können Sie das bestätigen?

Nicolas Ludin: Das ist immer relativ. Und es kommt darauf an, was unter Ausgang verstanden wird. Das ist je nach Leistungsträger unterschiedlich. Eine Bar profitiert sicherlich am Freitag von den After Work Apéros. Hingegen sind das Zuger Seefest oder die Bossard Arena bei einem Samstagspiel am Wochenende gut besucht. Je nach dem, was eben in der Region läuft

zentralplus: Man sagt, am Samstagabend sei in Zug nicht viel los – weil eben die Geschäftsleute weg sind und die anderen eher nach Zürich und Luzern in den Ausgang gehen?

Nicolas Ludin ist Chef von Zug Tourismus.

Nicolas Ludin ist Chef von Zug Tourismus.

(Bild: zvg)

Ludin: Natürlich ist Zug nicht die Partymetropole der Schweiz, und es ist so, dass der Samstagabend in Zug im direkten Vergleich mit Zürich oder Luzern eher etwas ruhiger ist. Aber auch hier kommt es darauf an, welchen Leistungsträger man fragt. Es gibt Restaurants, die sind am Samstagabend sehr gut ausgelastet. Und im Sommer läuft in Zug einiges, wie das Zuger Seefest, das Sports-Festival, die Jazznight und so weiter. Das sind gut besuchte Veranstaltungen. Selbstverständlich freuen wir uns immer über Neuheiten und Konzepte, sei dies in der Gastronomie, bei Events oder kulturellen Angeboten. Ein Markt dafür ist sicherlich vorhanden.

zentralplus: Und was treiben die Zuger Ihrer Meinung nach am Sonntag? Viele Cafés haben ja am Nachmittag geschlossen.

Ludin: Das Verhalten der Zugerinnen und Zuger wird von uns nicht getrackt – und das ist auch gut so. Das Wochenende gestaltet jede Zugerin und jeder Zuger individuell. Je nach Wetter und Jahreszeit sind die Aktivitäten verschieden. Das Angebot in unserer Region ist sehr vielfältig. Der Zugerberg, der Raten oder der Wildspitz sind immer einen Ausflug wert sowie eine Fahrt auf den beiden Seen ist ein Erlebnis für Einheimische, aber auch für Tagestouristen.

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