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Warum sich Zuger Clubs zum Affen machen
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Rechts das Original, links die Playback-Videos der Zuger Lokale. (Bild: Montage wia)

Playback-Challenge macht Zug unsicher Warum sich Zuger Clubs zum Affen machen

5 min Lesezeit 04.03.2017, 17:57 Uhr

Seit einiger Zeit kursiert in Zug ein neuer Trend. Kulturhäuser und Restaurants beteiligen sich an der sogenannten Playback-Challenge, mit Perücken, entblössten Bäuchen und ganzen Krimiplots. Das ist zum einen ein Loblied ans Lustigsein, zum andern aber auch gute Publicity. Wir fallen darauf rein und zeigen die besten.

Planking? Schon lange vorbei. Ice Bucket Challenge? Kalter Kaffee. Mannequin-Challenge, pffff. Der neuste Trend, der sich seinen Weg durch Zug bahnt, heisst Playback-Challenge. Kennen Sie nicht? Wir klären auf.

Ein Nachtclub nominiert einen anderen zur sogenannten Playback-Challenge. Will heissen, innerhalb einer Woche muss der Nominierte ein Playback-Video eines bekannten Songs produzieren, veröffentlichen und dabei gleich zwei weitere Glückliche zum Mitmachen verknurren.

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Die «Dammstreet-Boys» machen den Anfang

Die Sache ins Rollen gebracht hat im Januar der Zuger Club Lounge & Gallery (L&G). Dies, nachdem er als Promo für seine Bravo Hits Party ein glorioses Backstreet-Boys-Video veröffentlicht hatten. Und die «Dammstreet-Boys» hatten dabei so viel Spass, dass der Geschäftsführer Dogan Erdogan mit anderen Gastronomen aus Zug beschloss, eine Challenge daraus zu machen. «Unser Ziel ist es, dass dadurch die Gastroszene belebt wird. Es muss nicht immer alles ernst sein, man darf auch mal lustig sein», erklärt der Geschäftsführer.

«Wir lachen uns immer noch schief und haben uns entschieden, das Ganze ein bisschen grösser aufzuziehen.»

Das L&G-Team auf Ihrer Facebook-Seite

So postete die L&G ihr Video kurzerhand auf ihre Facebook-Seite und schrieb: «Wir lachen uns immer noch schief und haben uns entschieden, das Ganze ein bisschen grösser aufzuziehen.» Kurzerhand riefen sie eine entsprechende «Challenge» ins Leben und nominierte die Galvanik, das Restaurant Meating und die Mantra-Bar.

Und die Antwort kam denn auch prompt. Bisher haben insgesamt sechs Betriebe an der Playback-Challenge mitgemacht. Und da gibt’s doch das eine oder andere Grossartige zu sichten. Beginnen wir mit dem Video, mit dem alles begann.

Die Backstreet Boys, Sinnbild für die schmachtenden 90er und Beginn illusorischer Romantikvorstellungen für Millionen von prä- bis post-pubertären Mädchen. Das L&G-Team suchte sich wohlweislich einen Schmalzsong aus: «Quit playing Games with my Heart» wird zum Besten gegeben. Und das fast ganz ohne zu Schmunzeln, dafür mit verkehrter Dächlikappe und viel herzöffnender Gestik.

Die L&G hat das mit der Herzschmerz-Geste ganz gut hingekriegt. Rechts das Original.

Die L&G hat das mit der Herzschmerz-Geste ganz gut hingekriegt. Rechts das Original.

(Bild: Montage wia)

Was fehlt: Die weissen Baggypants, die nackte Haut unterm offenen Hemd und natürlich der Regen. Der Regen der den ganzen Clip noch viel dramatischer und total echt herzschmerzig macht.

Wenn Sie nun finden, die machen sich völlig zum Affen, gibt es nur eins zu sagen: Nö. Zum Affen macht sich vielmehr das Galvanik-Team. Und zwar reproduzierte dieses den Bloodhound-Gang-Song «The Bad Touch». Mit den richtigen Kostümen, den obligaten Monster-Ohren, und gestrumpften Frauen- und in diesem Fall auch Männerwaden.

Die Galvanik hat sich ins Flauschkostüm geworfen und liefert eine beachtliche Bloodhound Gang-Performance ab.

Die Galvanik hat sich ins Flauschkostüm geworfen und liefert eine beachtliche Bloodhound Gang-Performance ab.

(Bild: Montage wia)

Es fehlt: das Raupenverspeisen, ganz klar. Ansonsten hübsch, flauschig und aufwändig nachgemacht.  «Danke Meating für den Ansporn», schreibt die Galvanik bei der Veröffentlichung des Videos, denn, ach ja. Da war ja noch was.

Das Meating scheut sich nicht davor, die Challenge mit Bravour und in leicht bauchfreier Ledermontur anzunehmen. Nun gut, wäre auch enttäuschend, wenn nicht. Denn das Restaurant-Team ist so ganz und gar nicht kamerascheu und veröffentlicht immer wieder Videos (zentralplus berichtete). Nur sind die nicht so unterhaltsam wie die Playback-Version von «YMCA», welche die vier Herren ganz ordentlich hingekriegt haben. Alles Wichtige ist mit dabei: ein Polizist, ein Indianer, ein Ledermontierter und ein Cowboy. Was fehlt: das hübsche End-Siebziger-New York im Hintergrund. Ansonsten bleibt nur zu sagen: Mut zum Bauch! Grossartig.

«YMCA» mit Wohlstandsbauch. Links die Version des «Meatings». Rechts die 70er-Jahre-Version.

«YMCA» mit Wohlstandsbauch. Links die Version des «Meatings». Rechts die 70er-Jahre-Version.

(Bild: Montage wia)

Und mit dem Upload ihres Videos werden drei weitere Betriebe zum Bauchzeigen animiert. Es sind dies die Cheers Bar, das Restaurant Hello World und Crossfit Zug.

Und wie es in den Wald ruft, so hallt es zurück. Jedenfalls von einem Nominierten, nämlich der Baarer Bar Cheers, die sich gar ein Mini-Medley liefern. AC/DC meets Spice Girls. Die Protagonisten berufen sich grosszügig auf ihre künstlerische Freiheit und Nutzen die Gunst der Stunde, endlich mal blond zu werden. Und während sich AC/DC ganz auf die Musik konzentriert, nehmen sich die Playbacker während des Videos lieber Zeit für ihre Drinks.

Rechts der vergleichsweise aufgeräumte AC/DC-Gitarrist, links die Vokuhila-/Blondinen-Version des Cheers.

Rechts der vergleichsweise aufgeräumte AC/DC-Gitarrist, links die Vokuhila-/Blondinen-Version des Cheers.

(Bild: Montage wia)

Ein Punkt Abzug wegen Ungenauigkeit. Dafür Pluspunkte wegen der unverhofften Spice-Girls-Einlage. Da macht die blonde Langhaarperücke plötzlich viel mehr Sinn.  Trotz der eher bescheidenen Leistung erntete das Video bei den Cheers-Freunden über 400 Likes.

Von den daraufhin Nominierten reagierte das Biggies mit einem «huusgmachte Extra-Low-Budget-Video». Immerhin. Was man zu sehen kriegt, ist eine aufs Wesentliche reduzierte Version von Bruno Mars’ «24K Magic».

Bruno Mars rechts im Original mit viel Bling-Bling. Links die Biggies-Version, in der sogar goldene Ananassen vorkommen.

Bruno Mars rechts im Original mit viel Bling-Bling. Links die Biggies-Version, in der sogar goldene Ananassen vorkommen.

(Bild: Montage wia)

Etwas weniger Bling, Auto statt Privatjet, weniger Champagner, ohne cellulitefreie Frauenhintern in bunten Tangas, dafür mit ebenso farbigen Hawaii-Hemden und goldigen Ananassen (tatsächlich im Plural), die das verlorene «Bling» schon fast wieder wett machen.

Und last but not least, und ganz ohne nominiert zu werden, warf sich nun auch die Industrie 45 ins Zeug – und damit vor die Kamera. Dabei entstand ein dreiminütiges, äusserst aufwändig gemachtes und leicht an eine Pfadiübung erinnerndes Cover des Beastie Boys-Songs «Sabotage». Und da wird alles kopiert, jede Bewegung, jedes herankurvende Auto, jede mit Drogen gefüllte Schublade.

Sabotage! Auch in Zug. Das will uns jedenfalls das Industrie 45-Team verklickern.

Sabotage! Auch in Zug. Das will uns jedenfalls das Industrie 45-Team verklickern.

(Bild: Montage wia)

Was da im Video genau passiert weiss wohl keiner so genau. Macht jedoch nichts. Wir sind beeindruckt.

Und wir freuen uns klammheimlich darüber, dass die «Zuger Zeitung» von der Industrie 45 nominiert wurde und auf eine grossartige Playback-Performance.

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